10.000 Euro für Arbeitssuche

Wenn Bewerbungen nichts bringen, hilft nur noch plakatieren
Meine Damen und Herren, liebe Arbeitssuchende, Recruiter, LinkedIn-Gurus und Menschen, die „Wir melden uns“ schon als Drohung verstehen:
Deutschland hat einen neuen Helden. Einen Visionär. Einen Mann, der gesagt hat: Bewerbungen sind was für Verlierer – ich nehme Plakate.
Ein arbeitsloser Produktmanager aus Hamburg. 46 Jahre alt. Über 70 Bewerbungen. Keine Antwort. Null. Nada. Funkstille. Und was macht dieser Mann? Gibt er auf? Nein. Geht er in sich? Nein. Optimiert er seinen Lebenslauf zum 18. Mal? Auf keinen Fall.
Er investiert 10.000 Euro in eine Plakataktion.
Zehntausend. Euro.
Für sich selbst.
Nicht für ein Auto. Nicht für einen Urlaub. Nicht für Coaching.
Sondern für: „Hallo, ich bin verfügbar.“
Und ich sage: Großartig. Wirklich großartig.
Denn das ist kein verzweifelter Akt. Das ist Unternehmergeist. Das ist Kapitalismus auf zwei Beinen. Das ist die logische Weiterentwicklung der Jobsuche in einer Welt, in der Bewerbungen automatisch aussortiert werden, bevor ein Mensch überhaupt weiß, dass man existiert.
70 Bewerbungen. Ohne Erfolg. Wissen Sie, was das bedeutet? Das bedeutet nicht, dass der Mann schlecht ist. Das bedeutet, dass irgendwo 70 automatische Systeme gleichzeitig gesagt haben: „Nein.“
Maschinen. Kalte Maschinen. Ohne Herz. Ohne Seele. Ohne Plakat.
Und genau da setzt unser Held an. Hamburg. Großstadt. Verkehr. Pendler. Menschen mit Kaffee. Menschen mit Gedanken. Menschen mit Augen. Boom. Plakat.
Ich stelle mir das vor: Du stehst im Stau, schaust nach rechts – und da ist er. Ein Mensch. Kein QR-Code. Kein Lebenslauf. Sondern ein Gesicht. Vielleicht ein Slogan. Vielleicht etwas wie: „Produktmanager. Verfügbar. Jetzt.“
Das ist mutig. Das ist teuer. Und das ist sehr, sehr deutsch – denn niemand sonst würde so viel Geld ausgeben, um arbeitslos zu sein, nur um zu zeigen, dass er es nicht bleiben will.
Natürlich sagen jetzt wieder alle: „Ist das nicht peinlich?“
Peinlich? Nein. Peinlich ist es, 70 Bewerbungen zu schreiben und so zu tun, als wäre das normal. Peinlich ist es, immer wieder „Sehr geehrte Damen und Herren“ zu tippen, obwohl man weiß, dass es von einem Algorithmus gelesen wird, der auf „Berufserfahrung 7 Jahre statt 8 Jahre“ programmiert ist.
Dieser Mann hat verstanden, wie der Markt funktioniert. Aufmerksamkeit ist die neue Qualifikation. Sichtbarkeit ist der neue Abschluss. Wer nicht gesehen wird, existiert nicht.
Früher ging man zum Arbeitsamt. Heute geht man zur Außenwerbung.
Und jetzt stellen Sie sich die Gespräche vor:
„Warum haben Sie 10.000 Euro für Plakate ausgegeben?“
Antwort: „Weil ich es mir leisten konnte – im Gegensatz zu weiteren Absagen.“
Das ist Selbstbewusstsein. Das ist Storytelling. Das ist etwas, worauf Personaler stehen. Denn Personaler lieben Geschichten. Und nichts ist eine bessere Geschichte als: „Ich war arbeitslos und habe trotzdem investiert.“
Natürlich gibt es Kritiker. Es gibt sie immer. Die sagen: „Davon hätte man leben können.“ Ja. Kurz. Sehr kurz. Aber dann wäre er immer noch arbeitslos gewesen – nur mit weniger Geld und ohne Plakat.
Andere sagen: „Das ist doch nur ein PR-Gag.“
Natürlich ist es das. Willkommen im Jahr 2026. Alles ist ein PR-Gag. Selbst der Lebenslauf ist ein PR-Gag mit Tabellen.
Ich sage: Wenn jemand bereit ist, 10.000 Euro in sich selbst zu investieren, dann will er arbeiten. Punkt. Ende. Aus. Das ist Commitment. Das ist Risiko. Das ist mehr als jedes Motivationsschreiben, in dem steht: „Ich bin teamfähig und belastbar.“
Und jetzt kommt das Beste: Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Rekordhoch. Bedeutet: Konkurrenz ohne Ende. Tausende Bewerber. Gleiche Abschlüsse. Gleiche Buzzwords. Gleiche Floskeln. Aber nur einer hat gesagt: „Ich nehme die Straße.“
Ich sehe die Zukunft glasklar:
Bewerbungen als Plakatkampagne
Gehaltsvorstellungen auf Litfaßsäulen
Anschreiben als LED-Wand
Probezeit als Pop-up-Store
Und wer sich das nicht leisten kann? Tja. Dann bleibt LinkedIn. Mit Likes. Und Hoffnung.
Ronald Tramp sagt: Dieser Mann hat es verstanden. Er hat nicht um Arbeit gebettelt. Er hat Arbeit beworben. Sich selbst zur Marke gemacht. Sich sichtbar gemacht. Und wenn es klappt – großartig. Wenn nicht? Dann hat er wenigstens bewiesen, dass Stillstand keine Option ist.
10.000 Euro für einen Job.
Manche nennen es verrückt.
Ich nenne es: Investition in Sichtbarkeit.
Und in dieser Wirtschaft zählt nur eines:
Wer gesehen wird, wird eingestellt.
Alle anderen bekommen eine automatische Antwort.


