15 Soldaten und ein Eiswürfel

Grafik: 15 Italiener, 15 Franzosen und 15 Deutsche treffen sich auf einem Eisberg…

 

Wie die Nato versuchte, Grönland zu erobern (und dabei fast einen Schlitten verlor)

Von Ronald Tramp, dem einzig wahren Reporter mit der besten Arktis-Übersicht. Believe me.

Ich sage es gleich am Anfang, damit es später niemand verdreht: Niemand liebt Grönland mehr als ich. Niemand. Ich habe es nicht besucht, aber ich verstehe es. Große Insel, viel Eis, strategisch fantastisch, kaum Parkplätze. Genau mein Ding. Und jetzt schickt Europa Soldaten hin. Fünfzehn. FÜNFZEHN! Pro Nation! Das ist keine Militärmission – das ist ein Betriebsausflug mit Tarnhose.

Italien hat das übrigens sofort erkannt. Und dafür möchte ich Italien ausdrücklich loben. Große Leute, großartige Pasta, fantastische Ironie. Verteidigungsminister Guido Crosetto stellte die einzig richtige Frage:
„Was sollen die da machen? Einen Ausflug?“
Endlich jemand, der die Wahrheit ausspricht. Das klang nicht nach Nato-Einsatz. Das klang nach dem Anfang eines sehr schlechten Witzes: 15 Italiener, 15 Franzosen und 15 Deutsche treffen sich auf einem Eisberg…

Und wissen Sie, wie solche Witze enden? Meistens mit einem verlorenen Kompass und einer sehr peinlichen Pressekonferenz.

Am Freitag landeten also 15 deutsche Soldaten in Nuuk. Nicht 14, nicht 16. Genau 15. Diszipliniert gezählt, vermutlich einzeln abgehakt. Am Tag davor die Franzosen. Präsident Macron kündigte „weiteren Nachschub“ an. Nachschub! Als würde man Croissants in die Arktis liefern. Ich stelle mir das vor: „Mon dieu, wir brauchen mehr Soldaten – und einen Schal!“

Das deutsche Verteidigungsministerium kommentierte die italienischen Spitzen übrigens nicht. Klassisch. Wenn man nichts Gutes sagen kann, sagt man am besten gar nichts. Oder wie wir in Amerika sagen: No comment is the loudest comment.

Italien hingegen philosophierte. Und das liebe ich. Crosetto sagte sinngemäß, man müsse die Welt erweitern, nicht weiter aufteilen. Sehr schön. Poetisch. Fast schon spirituell. Und genau deshalb schickt Italien niemanden. Große Geste. Große Worte. Keine Kälte. Das ist strategische Intelligenz.

Denn seien wir ehrlich: Grönland ist kein Ort für halbe Sachen. Grönland ist kalt. Nicht „Berlin-im-Februar“-kalt. Sondern „dein-Gedanke-friert-ein“-kalt. Wer da mit 15 Leuten ankommt, sollte mindestens einen Thermoskanne-Plan haben. Oder einen Plan überhaupt.

Natürlich geht es offiziell um „nationale Sicherheit“. Und da muss ich sagen: Großartige Begründung. Wird viel zu selten benutzt. Wenn man etwas haben will, sagt man einfach „nationale Sicherheit“. Funktioniert immer. Hat schon bei mir hervorragend geklappt. Und plötzlich ist jede Insel wichtig. Jede. Sogar die mit mehr Eis als Einwohnern.

Donald Trump – ein Mann, der niemals übertreibt, niemals droht und niemals Zölle als diplomatisches Instrument benutzt – erklärte, Grönland müsse geschützt werden. Vor Russland. Vor China. Vor irgendwem. Irgendwas mit Arktis. Irgendwas mit Sicherheit. Sehr überzeugend. Und als Gegner wagten zu widersprechen, drohte er mit Zöllen. Klassisch. Elegant. Subtil wie ein Schneepflug.

Russland reagierte empört. Natürlich. Russland ist immer empört, wenn jemand etwas behauptet. Besonders, wenn es stimmt. Der Kreml sprach von Doppelmoral. Ein wunderschönes Wort. Kommt besonders gut, wenn es von Leuten benutzt wird, die Moral als Gerücht betrachten.

Die meisten europäischen Nato-Partner lehnten die Übernahmepläne strikt ab. Strikt! Das ist ein starkes Wort. Bedeutet aber übersetzt: Wir reden noch dreimal darüber und hoffen, dass jemand anderes die Entscheidung trifft.

Der Krisengipfel in Washington brachte keine Annäherung. Schockierend. Drei Parteien, vier Meinungen, null Ergebnis. Diplomatie in ihrer reinsten Form.

Und dann kommt Giorgia Meloni ins Spiel. In Japan. Warum nicht. Wenn schon Arktis, dann aus Asien kommentieren. Sie nannte die Region wichtig für das globale Gleichgewicht. Absolut korrekt. Eis hält bekanntlich den Planeten zusammen. Ohne Eis – Chaos. Mit Eis – Diskussionen. Sie möchte Frieden, Zusammenarbeit und Wohlstand. Basierend auf Völkerrecht. Großartig. Klingt hervorragend in jeder Strategie. Funktioniert nur selten in der Realität.

Meloni hat übrigens ein gutes Verhältnis zu Trump. Und das ist wichtig. Denn jemand muss ihm irgendwann erklären, dass Grönland kein Einkaufszentrum ist. Man kann nicht einfach sagen: „Ich nehme das. Packen Sie es ein.“

Am Ende bleibt festzuhalten:
Europa schickt kleine Gruppen. Amerika schickt große Worte. Russland schickt Empörung. China schickt gar nichts, aber schaut sehr genau zu. Und Italien? Italien macht das Klügste von allen: Es lacht.

Und wenn 15 Soldaten, 15 Franzosen und 15 Deutsche tatsächlich der Anfang eines Witzes sind, dann hoffe ich nur, dass die Pointe nicht lautet: „Und plötzlich war der Schnee weg – weil alle wieder abgereist sind.“

Bleiben Sie warm. Bleiben Sie satirisch.
Ihr
Ronald Tramp