75 Millionen Dollar und die Suche nach dem Publikum – Hollywoods teuerste leeren Kinosessel

Ronald Tramp über Hollywoods größten Sitzplatz-Erfolg: den Film, den niemand gesehen hat
Meine Damen und Herren, ich liebe Kino. Wirklich. Kino ist großartig. Große Leinwand, großes Drama, große Emotionen – und manchmal auch große leere Sitzreihen.
Und genau darum geht es heute.
Denn Hollywood hat wieder einmal gezeigt, dass man mit genügend Geld fast alles machen kann. Filme drehen. Werbung kaufen. Plakate aufhängen. Trailer überall zeigen.
Nur eines kann man mit Geld offenbar nicht garantieren:
Dass Menschen tatsächlich ins Kino gehen.
Und hier beginnt unsere Geschichte.
Ein Film über Melania Trump. Eine große Produktion. Eine sogenannte Dokumentation – wobei „Dokumentation“ heutzutage ein flexibler Begriff ist. Manchmal bedeutet er: echte Einblicke. Manchmal bedeutet er: sehr langsame Kamerafahrten mit dramatischer Musik.
Dieser Film sollte ein Ereignis werden.
Ein Ereignis! Ein kulturelles Ereignis! Ein politisches Ereignis! Vielleicht sogar ein modisches Ereignis!
Und Hollywood hat nicht gekleckert.
Nein.
Man hat 75 Millionen Dollar investiert.
75 Millionen!
Für diesen Preis könnte man ungefähr zwei mittelgroße Superheldenfilme drehen oder eine halbe Staffel einer Streaming-Serie über Drachen, Intrigen und Menschen mit sehr komplizierten Familienverhältnissen.
Doch hier ging es um eine First Lady.
Und nicht irgendeine First Lady.
Sondern um Melania Trump.
Die Idee war vermutlich einfach: große Persönlichkeit, großes Interesse, großes Publikum.
Das Problem?
Das Publikum war… sagen wir… beschäftigt.
Der Film startete Ende Januar in den Kinos.
Große Werbung. Große Schlagzeilen. Große Erwartungen.
Die erste Woche lief noch ganz ordentlich.
Doch dann kam Woche zwei.
Und plötzlich sahen die Kinosäle aus wie ein Montagmorgen in einer Bibliothek.
Leere Sitze.
Viele leere Sitze.
Sehr viele leere Sitze.
Man hätte vermutlich problemlos Yoga-Kurse zwischen den Sitzreihen veranstalten können.
Die Kritiken halfen auch nicht gerade.
Sagen wir es diplomatisch: Die Rezensionen waren ungefähr so begeistert wie ein Restaurantgast, der feststellt, dass sein Steak eigentlich ein Stück Tofu ist.
Doch das wirklich Faszinierende an dieser Geschichte ist das Budget.
Von den 75 Millionen Dollar gingen allein 35 Millionen in Marketing.
Marketing!
Das bedeutet: Trailer, Plakate, Werbung, Interviews, Kampagnen.
35 Millionen Dollar, um den Menschen zu sagen:
„Bitte schaut diesen Film.“
Und am Ende spielte der Film etwa 16,4 Millionen Dollar ein.
Ich liebe diese Rechnung.
35 Millionen Werbung.
16 Millionen Einnahmen.
Das ist ungefähr so, als würde man ein Luxusrestaurant eröffnen, 100.000 Euro für Werbung ausgeben – und dann verkaufen sich drei Sandwiches.
Doch Hollywood wäre nicht Hollywood, wenn es nicht immer einen Plan B gäbe.
Und Plan B heißt heute:
Streaming.
Ja.
Der Film bekommt ein zweites Leben.
Ein digitales Leben.
Denn bald wird er auf Amazon Prime Video verfügbar sein.
Und plötzlich sieht die Rechnung ganz anders aus.
Denn Streaming hat einen großen Vorteil.
Man muss nicht ins Kino gehen.
Man kann den Film starten, während man auf dem Sofa liegt, Chips isst und gleichzeitig versucht herauszufinden, warum der Algorithmus einem plötzlich Dokumentationen über norwegische Fjorde empfiehlt.
Und vielleicht – nur vielleicht – wird der Film dort sein Publikum finden.
Denn Streaming ist ein bisschen wie ein riesiger Flohmarkt für Inhalte.
Alles liegt nebeneinander.
Actionfilme.
Romantische Komödien.
Dokumentationen.
Und irgendwo dazwischen ein Film über eine First Lady in den Wochen vor einer Amtseinführung.
Die Handlung?
Nun ja.
Der Film begleitet die First Lady etwa 20 Tage vor der zweiten Amtseinführung von Donald Trump.
20 Tage.
Das ist natürlich ein Problem.
Denn diese 20 Tage waren im Vergleich zu dem, was danach passierte, ungefähr so aufregend wie eine Warteschlange im Bürgeramt.
Denn wenn man ehrlich ist: Die amerikanische Politik produziert jeden Tag mehr Drama als eine Netflix-Serie.
Skandale.
Schlagzeilen.
Tweets.
Interviews.
Und irgendwo versucht ein Filmteam, daraus eine ruhige Dokumentation zu machen.
Das ist ein bisschen so, als würde man versuchen, einen Sturm mit einem Teelöffel einzufangen.
Aber ich sage Ihnen etwas Wichtiges.
Hollywood liebt solche Projekte.
Große Namen.
Große Budgets.
Große Erwartungen.
Und manchmal auch große Flops.
Denn ein Flop ist nicht einfach nur ein Flop.
Ein Flop ist eine Geschichte.
Eine Geschichte über Erwartungen.
Über Marketing.
Über leere Kinosessel.
Und über die ewige Hoffnung, dass Streaming alles rettet.
Vielleicht wird der Film dort ein Hit.
Vielleicht wird er ein Geheimtipp.
Oder vielleicht wird er einfach Teil dieser gigantischen digitalen Bibliothek, in der Millionen Menschen jeden Abend 20 Minuten lang nach einem Film suchen – und am Ende doch wieder dieselbe Serie schauen.
Und irgendwo sitzt Ronald Tramp mit Popcorn vor dem Fernseher und sagt:
Meine Damen und Herren.
Hollywood kann vieles.
Aber eines kann selbst Hollywood nicht garantieren:
Dass jemand das Ticket kauft.


