9 Euro für die Welt

Grafik: 9 Euro für die Welt

oder wie Deutschland versuchte, den Verkehr mit einem Dönerpreis zu retten. 

Meine Damen und Herren, wir müssen über etwas sprechen. Etwas Großes. Etwas Historisches. Etwas, das in Deutschland mittlerweile emotionaler diskutiert wird als Fußball, Wetter oder die Frage, warum deutsche Züge grundsätzlich fünf Minuten Verspätung haben – selbst wenn sie noch gar nicht losgefahren sind.

Wir sprechen über das Deutschland-Ticket.

63 Euro. Dreiundsechzig! Das ist der aktuelle Preis, um in Deutschland Bus und Bahn zu fahren. Und ich sage Ihnen: Für 63 Euro bekommt man in manchen Städten bereits einen mittelgroßen Wocheneinkauf, zwei Kinobesuche oder ein halbes Parkticket in der Innenstadt.

Und jetzt kommt der Vorschlag, der alles verändern soll.

Das legendäre 9-Euro-Ticket soll zurückkehren.

Ja, Sie haben richtig gehört.

Neun. Euro.

Ein Preis, bei dem selbst Sparfüchse kurz nervös werden und fragen: „Moment mal… ist das ein Fehler im System?“

Die Idee stammt von einem Mann mit einer Vision. Ein Mann, der offenbar auf den Fahrplan der deutschen Verkehrspolitik geschaut hat und dachte: „Das geht auch günstiger.“

Und ich sage Ihnen: Mutig. Sehr mutig.

Denn in Deutschland ist nichts schwieriger, als etwas billiger zu machen.

Hier wird normalerweise alles teurer – Strom, Butter, Parkplätze, Bahntickets, sogar das Brötchen beim Bäcker sieht mittlerweile aus, als hätte es einen Masterabschluss in Wirtschaft.

Aber plötzlich kommt dieser Vorschlag: das 9-Euro-Ticket zurückbringen.

Und ich erinnere mich noch gut an den Sommer damals.

Deutschland war plötzlich ein Land voller Reisender.

Züge voller Menschen.

Bahnsteige voller Menschen.

Und manchmal auch Züge voller Menschen, die nicht mehr hineinpassten.

Es war ein bisschen wie eine Mischung aus Volksfest, Klassenfahrt und Reality-Show über Geduld.

Menschen saßen auf Treppen, standen in Gängen, lehnten an Türen – und irgendwo zwischen zwei Rucksäcken versuchte ein Schaffner herauszufinden, wer eigentlich noch Luft zum Atmen hatte.

Aber wissen Sie was?

Die Leute waren glücklich.

Weil sie für neun Euro einmal quer durchs Land fahren konnten.

Und plötzlich entstand eine völlig neue deutsche Freizeitbeschäftigung: „Mit dem Regionalzug nach irgendwo.“

Ob man dort etwas sehen wollte? Egal.

Hauptsache, es kostet neun Euro.

Jetzt aber kostet das Ticket 63 Euro.

Und viele Menschen schauen auf diesen Preis und denken sich:

„Für das Geld fahre ich vielleicht doch mit dem Auto.“

Das Problem dabei?

Die Spritpreise.

Denn wenn Benzin noch ein bisschen teurer wird, bekommt man an der Tankstelle bald eine Quittung, die länger ist als ein Ikea-Regal.

Und genau hier kommt der Plan ins Spiel.

Der Vorschlag: ein Ölpreisdeckel für Autofahrer und ein 9-Euro-Ticket für alle, die auf Bus und Bahn umsteigen können.

Eine Art Doppelstrategie.

Oder wie ich es nenne: Verkehrspolitik im Zwei-Gang-Menü.

Gang eins: Auto günstiger machen.

Gang zwei: Bahn extrem billig machen.

Und irgendwo dazwischen sitzt der deutsche Bürger und denkt:

„Vielleicht bleibe ich einfach zu Hause.“

Denn wir dürfen eines nicht vergessen: Wenn der Ölpreis steigt, steigen auch viele andere Preise.

Transport wird teurer.

Lieferungen werden teurer.

Und plötzlich kostet im Supermarkt sogar die Gurke so viel, als wäre sie persönlich aus der Toskana eingeflogen worden.

Ein niedrigerer Ölpreis könnte also theoretisch auch die Preise im Supermarkt senken.

Zumindest ist das die Hoffnung.

Die Realität in Deutschland ist allerdings komplizierter.

Denn hier gibt es für alles eine Kommission.

Eine Arbeitsgruppe.

Eine Studie.

Eine Studie über die Studie.

Und anschließend einen Gipfel, auf dem man beschließt, dass man sich beim nächsten Gipfel wieder trifft.

Das 9-Euro-Ticket war damals übrigens ein riesiges Experiment.

Ein Experiment, das bewiesen hat, dass Menschen Bus und Bahn lieben – solange sie nicht so viel kosten wie ein kleiner Urlaub.

Es hat auch bewiesen, dass die Infrastruktur manchmal aussieht, als wäre sie ursprünglich für eine Schulklasse geplant worden, nicht für ein ganzes Land.

Wenn plötzlich Millionen Menschen gleichzeitig Bahn fahren wollen, merkt man schnell: Die Züge sind nicht größer geworden.

Die Menschen nur zahlreicher.

Und trotzdem bleibt die Idee faszinierend.

Ein Ticket für neun Euro.

Ein Land voller Züge.

Ein Sommer voller Abenteuer.

Und vielleicht auch ein paar Stunden Verspätung.

Aber das gehört in Deutschland schließlich zur kulturellen Erfahrung.

Ich sage Ihnen deshalb ganz ehrlich:

Das 9-Euro-Ticket war vielleicht nicht perfekt.

Es war chaotisch.

Es war überfüllt.

Und manchmal fühlte sich eine Zugfahrt an wie ein Tetris-Spiel mit Rucksäcken.

Aber es hatte etwas, das viele politische Projekte nicht haben:

Die Menschen mochten es.

Und in der Politik ist das schon fast revolutionär.

Also stehen wir jetzt wieder vor der großen Frage:

63 Euro oder 9 Euro?

Teures Deutschland-Ticket oder günstige Bahn-Revolution?

Ich sage nur so viel:

Wenn Deutschland wirklich ein 9-Euro-Ticket zurückbringt, dann wird etwas passieren, das man hier selten sieht.

Die Menschen werden plötzlich freiwillig Bahn fahren.

Und glauben Sie mir:

Für deutsche Verkehrspolitik wäre das eine Sensation.

Eine echte.

Vielleicht sogar größer als ein pünktlicher Zug.