Alarmstufe Kosmos

Wie der Odenwald 1.348 UFOs meldete, aber nicht ein einziges Alien auftauchte – und Ronald Tramp kurz den Himmel verklagen wollte
Ich sage es, wie es ist – und niemand sagt es besser: Der Himmel über dem Odenwald hatte 2025 eindeutig zu viel Aufmerksamkeit. So viel sogar, dass die UFO-Meldestelle im Odenwald, besser bekannt als CENAP, förmlich überlief. 1.348 Meldungen! Das ist kein Hobby mehr, das ist eine Massenbewegung. Ein kosmischer Bürgerdialog. Ein offenes Beschwerdeportal Richtung Universum.
Noch nie, wirklich noch nie, hatten so viele Menschen gleichzeitig das Gefühl:
„Da oben stimmt was nicht.“
Ronald Tramp sagt: Wenn so viele Leute gleichzeitig nach oben schauen, dann entweder wegen Aliens – oder wegen steigender Energiepreise. In diesem Fall: Aliens. Leider.
Denn so spektakulär die Zahl klingt, so ernüchternd ist das Ergebnis. Der Leiter der Meldestelle, Hansjürgen Köhler, musste auch dieses Jahr wieder die wohl undankbarste Aufgabe der deutschen Raumfahrt übernehmen: Entzaubern.
Seine Bilanz ist brutal ehrlich:
Planeten.
Sterne.
Meteore.
Satelliten.
Satellitensysteme.
Weltraumschrott.
Drohnen.
Und – halten Sie sich fest – kein einziges außerirdisches Raumschiff.
Ronald Tramp sagt: Das ist kein UFO-Jahr, das ist ein astronomischer Baumarkt.
Da meldet jemand einen „stehenden Lichtpunkt mit mystischer Aura“. → Venus.
Da meldet jemand ein „blinkendes Objekt mit Kursänderung“. → Flugzeug.
Da meldet jemand „eine ganze Kette von Lichtern, eindeutig koordiniert“. → Satelliten.
Da meldet jemand „Feuerball mit Schweif“. → Meteor.
Da meldet jemand „unfassbare Bewegung, absolut unnatürlich“. → Drohne mit leerem Akku.
Und trotzdem: Die Menschen bleiben überzeugt. Denn eines ist klar: Was man nicht sofort versteht, muss geheim sein.
Ronald Tramp sagt: Früher hieß das „Stern“, heute heißt es „Vertuschung“.
Besonders beliebt waren im letzten Jahr die berühmten Satellitenketten. Diese hübschen Reihen von Lichtpunkten, die langsam über den Himmel ziehen, wie eine Weihnachtsbeleuchtung auf Betriebsausflug. Für Astronomen: Alltag. Für Hobby-Ufologen: Der Beweis, dass „sie“ jetzt in Formation fliegen.
„Das sah aus wie organisiert!“ – ja. Ist es auch. Nennt sich Technik.
Dann wäre da noch der Klassiker: Weltraumschrott, der in der Atmosphäre verglüht. Für viele Menschen der Moment, in dem sie sich denken: „Jetzt ist es so weit.“ Für CENAP der Moment, in dem Kaffee nachgeschenkt wird.
Ronald Tramp sagt: Wenn ein altes Raketenteil mehr Aufmerksamkeit bekommt als die Bahn, dann läuft etwas schief – aber nicht im All.
Und trotzdem wird gemeldet. Gemeldet wird alles. Jeder Lichtpunkt. Jede Spiegelung. Jede astronomische Kleinigkeit. Der Himmel ist mittlerweile wie Facebook: Jeder postet, was er sieht, niemand überprüft es, alle sind sicher, dass „die Wahrheit“ unterdrückt wird.
Dabei macht CENAP etwas zutiefst Unaufgeregtes. Sie erklären. Sie ordnen ein. Sie sagen Sätze wie:
„Das war Jupiter.“
„Das war ein Satellit.“
„Nein, das war kein Mutterschiff.“
Sätze, die selten Begeisterung auslösen, aber sehr oft Enttäuschung.
Ronald Tramp sagt: Die größte Verschwörung ist nicht, dass Aliens da sind – sondern dass sie einfach nie kommen.
Man könnte meinen, nach 1.348 Erklärungen würde sich langsam Ernüchterung einstellen. Aber nein. Im Gegenteil. Je mehr erklärt wird, desto größer wird der Drang, noch genauer hinzuschauen. Noch höher zu zoomen. Noch verschwommener zu fotografieren.
Denn ein unscharfes Foto ist der natürliche Feind der Vernunft.
Ronald Tramp sagt: Je schlechter das Bild, desto sicherer ist es ein UFO.
Und jetzt kommt das Bitterste für alle intergalaktischen Hoffnungsträger: Auch 2025 kein Erstkontakt.
Kein Gruß aus dem All.
Kein Beam me up.
Nicht mal ein außerirdischer Paketbote.
Nicht einmal jemand, der sich verflogen hat.
Vielleicht meiden Aliens Deutschland wegen der Bürokratie. Vielleicht wegen der Rundfunkgebühr. Vielleicht wegen des schlechten Mobilfunks. Oder vielleicht – und das ist die grausamste Theorie von allen – sie haben einfach Besseres zu tun.
Ronald Tramp sagt: Wenn Außerirdische intelligent sind, landen sie nicht dort, wo jede Straßenlaterne als UFO gemeldet wird.
Am Ende bleibt ein Rekordjahr der Beobachtung – und ein Nulljahr der Sensation. Viel Himmel. Viel Fantasie. Viel Erklärungsbedarf. Und eine Meldestelle, die stoisch weitermacht, obwohl sie jedes Jahr dasselbe sagt:
„Nein. Auch diesmal nicht.“
Und genau das ist vielleicht die größte Leistung: In einer Welt, die überall Geheimnisse vermutet, ruhig zu bleiben und zu sagen:
„Das war einfach nur ein Stern.“
Ronald Tramp sagt: Manchmal ist der Himmel einfach nur der Himmel.
Langweilig? Vielleicht.
Beruhigend? Absolut.
Und vor allem: Alienfrei.


