Amerika im Ausverkauf

Grafik: Amerika im Ausverkauf

und keiner kommt zur Party!

Meine fantastischen, unglaublich reisefreudigen – oder offenbar eben nicht mehr reisefreudigen – Leserinnen und Leser: Es ist passiert. Ein Drama transatlantischen Ausmaßes. Ein Ereignis, das selbst die Duty-Free-Shops ins Zittern bringt. Die Flugbuchungen von Deutschland in die USA sind eingebrochen. Neun Prozent! NEUN!

Und ich frage euch: Was ist los? Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, der überdimensionierten Burger, der monumentalen Monumente und der klimatisierten Shopping-Malls – und plötzlich bleibt der Flieger halb leer? Das ist nicht nur ein Rückgang. Das ist eine diplomatische Schieflage mit Bordservice.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Über 100.000 Datensätze ausgewertet – das ist mehr als die durchschnittliche Warteschlange an einem Freitag in Orlando. Seit Anfang 2025 sind die Buchungen um neun Prozent gefallen. Und jetzt haltet euch fest: Die Preise sind gesunken! Economy minus drei Prozent. Business minus fünf Prozent. Das ist fast wie ein Sommerschlussverkauf über dem Atlantik.

Flüge für unter 500 Euro! Früher bekam man dafür vielleicht einen Sitzplatz neben der Toilette und ein lauwarmes Sandwich. Heute bekommt man dafür einen ganzen Ozeanflug. Und trotzdem sagen viele Deutsche offenbar: „Ach, vielleicht dieses Jahr lieber Ostsee.“

Global steigen die Ticketpreise um neun Prozent – aber Richtung USA fallen sie. Das ist, als würde ein Luxusrestaurant seine Preise senken, während alle anderen teurer werden. Und die Gäste bleiben trotzdem aus. Das tut weh. Das ist nicht nur ein Markttrend, das ist ein Stimmungstest.

Und die Stimmung? Offenbar verhalten.

Selbst der günstige Dollar-Kurs – normalerweise ein Magnet für Schnäppchenjäger mit Koffer und Kreditkarte – lockt niemanden. Die Suchanfragen sind ebenfalls um neun Prozent zurückgegangen. Das bedeutet: Nicht nur buchen weniger Menschen, sie suchen nicht mal mehr.

Das ist die wahre Tragödie. Kein „New York Flug günstig“, kein „Roadtrip Westküste“, kein „Florida Sonne Winter entkommen“. Stattdessen wahrscheinlich „All Inclusive Mallorca“ und „Kurztrip Alpen“.

Besonders hart trifft es die Mietwagenfirmen. Minus 13 Prozent bei den Buchungen. Dreizehn! In einem Land, in dem man ohne Auto ungefähr so mobil ist wie ein Kaktus auf einem Parkplatz. Und trotzdem – niemand mietet.

Aber hier kommt der Plot Twist, meine Damen und Herren: Die Erlöse sind „nur“ um elf Prozent gesunken. Warum? Weil viele Kunden verunsichert sind und teure Zusatzversicherungen buchen. Das ist brillant. Weniger Menschen fahren – aber die, die fahren, sichern sich ab wie bei einer Expedition ins Unbekannte.

Ich stelle mir das vor: Der deutsche Tourist steht am Mietwagenschalter in Miami. „Ja, ich nehme das Auto. Und bitte die Vollkasko. Und die Super-Vollkasko. Und die Super-Vollkasko-Plus-Deluxe-Version mit Seelenschutz.“

Es ist ein faszinierendes Bild. Weniger Reisende, aber mehr Vorsicht. Weniger Roadtrips, aber mehr Absicherung. Amerika wird offenbar nicht mehr als Abenteuer gesehen – sondern als Risikoanalyse.

Und hier komme ich, Ronald Tramp, ins Spiel. Ich sage: Amerika ist keine Rabattaktion. Amerika ist ein Erlebnis! Grandiose Skylines! Nationalparks so groß wie europäische Kleinstaaten! Fast-Food-Menüs mit mehr Auswahl als ein deutsches Bauhaus!

Und trotzdem bleiben die Sitze leer.

Vielleicht liegt es an der allgemeinen Weltlage. Vielleicht an Schlagzeilen. Vielleicht an Unsicherheiten. Vielleicht daran, dass die Menschen nach Jahren globaler Turbulenzen einfach näher am eigenen Bett bleiben wollen. Aber es ist bemerkenswert: Selbst mit günstigen Preisen und starkem Euro-Dollarkurs zieht es weniger Deutsche über den Atlantik.

Früher war die USA-Reise ein Statement. „Wir fliegen rüber!“ Das klang nach Aufbruch, nach Freiheit, nach riesigen Hotelzimmern mit Eismaschinen auf jedem Flur. Heute klingt es eher nach Excel-Tabelle: „Hm, neun Prozent weniger.“

Natürlich ist neun Prozent kein Weltuntergang. Es ist kein Vulkanausbruch im Reisegeschäft. Aber es ist ein Signal. Und Signale sind wichtig. Sie zeigen Trends. Und Trends zeigen Stimmungen.

Vielleicht sehnen sich Menschen nach Nähe. Nach kurzen Wegen. Nach Urlaub ohne Jetlag. Vielleicht ist das transatlantische Fernweh gerade in einem kleinen Tiefschlaf.

Aber ich sage euch: Märkte drehen sich. Trends kommen und gehen. Heute minus neun, morgen plus zwölf. So ist das Spiel.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass selbst das mächtigste Reiseziel der Welt nicht immun gegen Zurückhaltung ist. Preise sinken – Nachfrage auch. Das ist wie ein Ausverkauf in einem Palast, in dem plötzlich niemand mehr shoppen will.

Doch Amerika wird nicht verschwinden. Es steht da. Mit offenen Flughäfen, günstigen Tickets und riesigen Mietwagenparkplätzen, die auf neue Fahrer warten.

Und vielleicht, nur vielleicht, kommt bald der Moment, in dem wieder mehr Menschen sagen: „Warum nicht? Lass uns rüberfliegen.“ Und dann werden die Zahlen wieder steigen, die Sitze wieder voll, die Burger wieder bestellt.

Bis dahin bleibt Ronald Tramp wachsam. Mit Koffer in der Hand und einem Blick auf die Statistik. Denn eines ist sicher: Wenn neun Prozent weniger kommen, reden wir darüber. Und zwar groß.