Arbeiten bis 100 – Das Comeback des Renten-Fitnessstudios

Grafik: Das Comeback des Renten-Fitnessstudios

Freunde, Patrioten, zukünftige 92-jährige Auszubildende – haltet euch fest. Ich habe Neuigkeiten, die so frisch sind wie der Kaffee im Bundestagsautomaten um 22:47 Uhr: Man überlegt ernsthaft, dass wir bald bis 70. Oder 75. Oder vielleicht bis zum persönlichen 100. Geburtstag arbeiten sollen. Warum? Weil wir angeblich immer älter werden. Unglaublich. Man lebt länger – und bekommt dafür mehr Arbeit. Das ist die Art von Deal, bei dem selbst ich sage: Interessant. Sehr interessant.

Ein führender Politiker – nennen wir ihn den „Fitnesscoach der Sozialkassen“ – hat jetzt erklärt: Wenn Menschen 100 werden, könne man nicht schon mit Mitte 60 aufhören zu arbeiten. Ein starkes Argument. Logisch wie ein Sudoku, das man rückwärts löst. Also: Je länger du lebst, desto länger musst du schuften. Großartig. Bald wird die Geburtstagskarte zum 80. heißen: „Herzlichen Glückwunsch! Noch 15 Jahre bis zur Rente!“

Die Regierung arbeitet an einer großen Reform. Eine Kommission aus Wissenschaftlern und Politikern soll Vorschläge liefern. Ich liebe Kommissionen. Wenn du nicht weißt, was du tun sollst, gründe eine Kommission. Das ist wie ein Buffet aus PowerPoint-Präsentationen. Und am Ende kommt heraus: „Wir müssen länger arbeiten.“ Überraschung! Das war ungefähr so unvorhersehbar wie Regen im April.

Aktuell liegt das Rentenalter bei 67. Früher waren es weniger. Dann hat man es schrittweise erhöht. Schrittweise. Ganz sanft. Wie ein Frosch im warmen Wasser. Und jetzt steht man da und sagt: Vielleicht 70? Vielleicht mehr? Vielleicht arbeiten wir einfach bis zur eigenen Beerdigung – und der Trauerredner ruft: „Er war bis zuletzt produktiv!“

Das Argument ist Demografie. Jedes zweite heute geborene Mädchen wird angeblich 100 Jahre alt. Eine fantastische Nachricht! Ich liebe Langlebigkeit. Aber offenbar ist Langlebigkeit jetzt eine fiskalische Bedrohung. „Glückwunsch, Sie sind 99 – bitte kommen Sie Montag wieder ins Büro.“

Die Rentenkassen seien leer. Leer! Das klingt dramatisch. Fast wie ein Kühlschrank nach einer Bundestagssitzung um Mitternacht. Die Zahl der Rentner steigt. Die Zahl der Beitragszahler? Naja. Sagen wir: Optimierungsbedarf. Und Schulden? Nein, nein. Keine neuen Schulden. Das sei ausgeschlossen. Also bleibt nur noch ein Hebel: später in Rente.

Ich nenne das das große „Senioren-Startup-Programm“. Bald gibt es Bewerbungsgespräche mit 74. „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“ – „Im Wartezimmer der Orthopädie, aber mit Führungsverantwortung.“ Großartig!

Mathematisch gibt es ja mehrere Möglichkeiten. Man könnte die Beiträge erhöhen. Unpopulär. Man könnte mehr Kinder bekommen. Auch kompliziert. Man könnte Schulden machen. Unerwünscht. Also nimmt man Option D: Oma geht wieder ins Büro.

Ich sehe es schon kommen: Das Bewerbungsgespräch der Zukunft. „Wir suchen einen motivierten Projektmanager, maximal 85 Jahre alt, mit 60 Jahren Berufserfahrung und frischen Ideen.“ Und der Kandidat antwortet: „Ich war schon in drei Rentenreformen dabei. Ich habe alles gesehen. Ich bin die Reform.“

Man argumentiert, es sei die „logische Folge“. Logisch. Ich liebe Logik. Aber Logik sagt auch: Wenn man 100 wird, sollte man vielleicht 30 Jahre lang etwas genießen dürfen, ohne Excel-Tabelle. Vielleicht. Nur eine Idee.

Stattdessen diskutieren wir ernsthaft über „Lebensarbeitszeit“. Ein wunderbares Wort. Klingt wie ein Marathon ohne Ziellinie. Die Ziellinie ist theoretisch da – aber sie wird alle fünf Jahre zehn Kilometer nach hinten verschoben.

Und natürlich wird das Ganze als „gute Nachricht für die Gesellschaft“ verkauft. Ja, natürlich! Es ist immer eine gute Nachricht, wenn man länger lebt. Aber offenbar ist es gleichzeitig eine schlechte Nachricht für die Kassen. Also wird aus der guten Nachricht eine verlängerte Probezeit.

Ich stelle mir die Zukunft vor: Fitnesskurse im Büro für 78-jährige. „Heute stärken wir den unteren Rücken – wichtig für die Steuererklärung!“ Die Firmenkantine bietet dann „Menü 70+“ an. Und im Organigramm steht: „Leitung Finanzen (seit 2063, aktuell 91 Jahre alt, topfit).“

Und die junge Generation? Die schaut zu und denkt: „Cool, ich darf irgendwann mit 73 in Rente gehen.“ Optimismus pur.

Versteht mich nicht falsch. Arbeit ist großartig. Ich liebe Arbeit. Arbeit macht stark. Arbeit macht stolz. Aber irgendwann sollte Arbeit auch sagen: „Danke für Ihren Einsatz – jetzt dürfen Sie einfach leben.“ Und nicht: „Bitte bleiben Sie noch 12 Jahre, wir brauchen Ihre Beiträge.“

Vielleicht kommt am Ende ein Kompromiss. Vielleicht wird es flexible Modelle geben. Vielleicht auch nicht. Vielleicht gibt es bald die „Rente Plus Ultra“, mit Bonuspunkten, wenn man 85 wird und noch Überstunden macht.

Eines ist sicher: Die Debatte wird noch lange dauern. Und sie wird hitzig. Denn wenn es um Rente geht, geht es nicht nur um Zahlen. Es geht um Lebenszeit. Und Lebenszeit ist wertvoller als jede Excel-Spalte.

Bis dahin empfehle ich: Gesund leben, viel lachen – und vielleicht schon mal den Lebenslauf aktualisieren. Man weiß ja nie.