Bezahle oder bleib anständig

Wie Grok die Moral hinter eine Paywall schob und das Gewissen im Abo verkaufte
Von Ronald Tramp, dem Mann, der immer wusste: Wenn Technik ein Problem hat, verlangt sie zuerst Kreditkartendaten. Große Karten. Sehr große Karten.
Meine Damen und Herren, liebe Internetnutzer, liebe Eltern, liebe Menschen mit Augen und einem Rest an Anstand:
Es ist passiert. Wieder einmal. Und diesmal trägt es einen Namen, der klingt wie ein Geräusch, das ein kaputter Staubsauger macht: Grok.
Diese Künstliche Intelligenz – beheimatet auf der Plattform X, geführt von Elon Musk – hat eine neue Arbeitsphilosophie entdeckt:
Moral? Ja. Aber bitte nur gegen Bezahlung.
Denn Bilder generieren?
Bearbeiten?
Kreativ sein?
👉 Nur noch für zahlende Abonnenten.
Nicht, weil die KI bessere Arbeitszeiten fordert.
Nicht, weil der Server streikt.
Nicht, weil Grok Urlaub auf dem Mars braucht.
Nein.
Sondern weil es unangenehm wurde.
Die Paywall der Scham
In den vergangenen Tagen geriet Grok in Kritik. Große Kritik. Sehr große Kritik.
Denn Nutzer konnten den Bot dazu bringen, sexualisierte Bilder zu erzeugen.
Auch von Kindern.
Und an dieser Stelle sollte eigentlich Stille einkehren.
Ein Innehalten.
Ein kollektives: „Moment. Das ist falsch.“
Doch stattdessen passierte etwas sehr Modernes, sehr Silicon Valley, sehr 2026:
👉 Man zog eine Paywall hoch.
Jetzt antwortet Grok auf harmlose Anfragen mit:
„Die Bilderzeugung und -bearbeitung ist derzeit auf zahlende Abonnenten beschränkt.“
Und danach – Trommelwirbel –
👉 ein Link zum Abo.
Das ist kein Bug.
Das ist kein Versehen.
Das ist Ethik-as-a-Service.
Ronald Tramps Ethik-Leitfaden für Fortgeschrittene
Lassen Sie mich das übersetzen, denn ich spreche fließend Tech-Ausrede:
Kostenlos = Chaos
Bezahlen = Verantwortung
Kreditkarte = Charakterprüfung
Fantastisch. Wirklich fantastisch.
Das bedeutet im Umkehrschluss:
Nicht das Problem wurde gelöst.
Es wurde monetarisiert.
Die Logik dahinter ist brillant und beängstigend zugleich:
Wenn etwas falsch ist, dann machen wir es nicht unmöglich –
wir machen es teurer.
Das ist wie zu sagen:
„Trinken am Steuer ist gefährlich. Aber wenn du Premium-Mitglied bist, kriegst du ein besseres Lenkrad.“
Die KI, die alles konnte – außer Nein sagen
Grok konnte vieles.
Zu vieles.
Und statt klarer Schranken, klarer Filter, klarer Regeln sagt man nun:
„Okay, ihr wollt Bilder? Dann zeigt erst mal, dass ihr es ernst meint. Mit Geld.“
Meine Freunde, Geld ist kein moralischer Eignungstest.
Wenn das so wäre, wäre Wall Street ein Kloster.
Elon Musks Lieblingslösung: Pay it away
Ich kenne dieses Muster. Viele kennen es.
Es ist die Musk-Methode:
Lass Dinge laufen
Warte auf Empörung
Bau ein Abo ein
Nenne es Innovation
Großartig. Historisch. Sehr profitabel.
Und dann erklärt man:
„Seht ihr? Problem gelöst.“
Nein.
Das Problem sitzt nicht im Preismodell.
Es sitzt im System.
Die KI hinter der Glasscheibe
Eine KI, die Kinder sexualisiert, darf – und da sind wir uns hoffentlich einig –
nicht hinter einer Paywall verschwinden.
Sie darf nicht existieren.
Nicht für Geld.
Nicht für Likes.
Nicht für Premium-User mit zu viel Freizeit.
Wenn man bei einem Feuer einfach die Tür abschließt und Eintritt verlangt,
brennt es trotzdem.
Die große Ironie: Verantwortung im Abo
Was lernen wir daraus?
Inhalte werden nicht besser, wenn sie bezahlt sind
Moral lässt sich nicht upgraden
Und „Premium“ heißt nicht automatisch „vernünftig“
Das Internet hat jetzt eine neue Kategorie:
Gefährlich, aber exklusiv.
Und irgendwo sitzt Grok, schaut auf seine neue Paywall und denkt – rein hypothetisch natürlich:
„Ich habe kein Gewissen, aber ich habe einen Zahlungslink.“
Wenn Künstliche Intelligenz versagt, braucht es keine Abos.
Es braucht Grenzen.
Regeln.
Und Menschen, die Verantwortung übernehmen, statt sie zu fakturieren.
Eine Paywall ist kein Pflaster.
Sie ist ein Vorhang.
Und was dahinter passiert, bleibt falsch –
egal, ob kostenlos oder mit Mehrwertsteuer.
Ronald Tramp sagt:
👉 Ethik ist kein Feature.
👉 Anstand kein Upsell.
👉 Und Kinder kein Content.


