Check-in verweigert

Grafik: Wie die AfD auf Hotelsuche ging

Wie die AfD auf Hotelsuche ging – und vom Sicherheitsdienst zum Quartalsticket weitergereicht wurde

Von Ronald Tramp, zertifizierter Krisenmanager für verlorene Tagungsräume

Ich sage es, wie es ist: Politik ist hart. Aber Hotelpolitik ist härter. Und wenn beides zusammenkommt, dann stehen plötzlich Bundestagsabgeordnete mit Rollkoffer im Regen und fragen sich, ob es irgendwo noch WLAN, Kaffee und eine Steckdose für große Ideen gibt. Willkommen zur neuesten Episode aus dem Genre „Klausurtagung ohne Klausur“.

Die Alternative für Deutschland wollte eigentlich im Februar ein Strategietreffen ihrer Bundestagsfraktion abhalten. Ein klassischer Plan. Man trifft sich, denkt nach, schreibt Stichpunkte, nickt sich zu und sagt Sätze wie „Wir müssen sichtbarer werden“. Alles ganz normal. Doch dann kam der Gastgeber. Und sagte: Nein.

Das gebuchte Hotel – Name unbekannt, Ort geheim, Stornoknopf offenbar sehr präsent – zog die Reißleine. Tagungsräume weg. Unterkünfte weg. Alles weg. Grund: „erforderlicher Sicherheitsaufwand“. Ein schöner Satz. Ein Satz, der alles sagt und nichts erklärt. Er bedeutet: Das wird uns zu kompliziert. Oder: Wir möchten unseren Feuerlöscher behalten. Oder einfach: Bitte woanders.

Die Nachricht kam – natürlich – über die BILD. Wo sonst. Und plötzlich war klar: Die Klausurtagung muss verschoben werden. Nicht ein bisschen. Nicht um Tage. Ins zweite Quartal. Das ist kein Aufschub, das ist ein Geschäftsbericht. Ein Fraktionssprecher bestätigte: Ort noch unklar. Zeitfenster offen. Zukunft vage. Sehr vage.

Man stelle sich das vor: Abgeordnete, die in Berlin Gesetze mitverhandeln, scheitern an der Hotelrezeption. Nicht an Argumenten. Nicht an Mehrheiten. An der Frage: „Können wir hier bitte zwei Tage lang in Ruhe tagen?“ Antwort: „Leider nein.“ Check-out ist um zwölf. Ideologien müssen draußen bleiben.

Und ich frage mich: Was ist passiert mit dem guten alten Tagungshotel? Früher war das einfach. Teppich mit Muster, Kaffee in Thermoskannen, Beamer mit eigenem Willen. Heute gibt es Sicherheitsbewertungen, Lageeinschätzungen, Risikoanalysen. Heute fragt das Hotel nicht mehr: „Wie viele Personen?“ – sondern: „Wie viele Einsatzkräfte?“

Der Fraktionssprecher sagt, der Sicherheitsaufwand sei der Grund. Ein Aufwand, der offenbar so groß war, dass er das Hotel überforderte. Das ist bemerkenswert. Denn Hotels sind normalerweise Profis im Umgang mit Aufwand. Hochzeiten. Junggesellenabschiede. Vertretertagungen. Aber offenbar gibt es Veranstaltungen, bei denen selbst der Zimmerservice sagt: „Das ist uns zu heiß.“

Die AfD ist als rechtsextrem eingestuft. Das ist keine Überraschung. Das ist Aktenlage. Und mit dieser Einstufung kommt ein Rucksack. Kein kleiner. Ein Rucksack voller Fragen, Proteste, Absperrungen und Sicherheitskonzepte, die dicker sind als die Minibar-Liste. Und genau diesen Rucksack wollte das Hotel offenbar nicht tragen.

Natürlich sagt die Partei: Das ist Diskriminierung. Natürlich sagt sie das. Sie sagt es immer. Und das ist ihr gutes Recht. Aber Hotels haben auch Rechte. Zum Beispiel das Recht, nicht zur Logistikzentrale für politische Großwetterlagen zu werden.

Ich sehe das Bild vor mir: Der Hotelmanager sitzt da, liest die Anfrage, schaut auf den Kalender, schaut auf den Feueralarmplan – und denkt: Wir haben nächste Woche eigentlich ein Yoga-Retreat. Und dann klickt er auf „Stornieren“. Ruhig. Professionell. Mit einem Lächeln, das man nicht sieht, aber spürt.

Die Partei muss nun warten. Zweites Quartal. Das ist die politische Variante von „Wir melden uns.“ Kein Ort steht fest. Vielleicht ein anderes Hotel. Vielleicht ein Tagungszentrum. Vielleicht ein Campingplatz mit guter Absicherung. Vielleicht auch gar nichts. Planung ist schwierig, wenn die Gastgeber nicht mitspielen.

Und das ist der eigentliche Punkt: Politik findet nicht im luftleeren Raum statt. Sie braucht Räume. Physische. Mit Stühlen. Mit Fluchtwegen. Mit Versicherungen. Und wenn diese Räume sagen: Nein, dann ist das keine Zensur. Dann ist es Organisation.

Ich sage: Das ist kein Skandal. Das ist Marktwirtschaft. Ein Hotel entscheidet, was es leisten will. Und wenn es sagt: Dieser Aufwand passt nicht zu unserem Frühstücksbuffet, dann ist das eine unternehmerische Entscheidung. Keine politische. Auch wenn sie politisch wirkt.

Am Ende bleibt die Erkenntnis:
Man kann viel fordern.
Man kann laut sein.
Man kann im Bundestag sitzen.

Aber ohne Hotel gibt es keine Klausur.
Ohne Klausur keine Strategie.
Und ohne Strategie bleibt nur die Suche nach einem Ort,
der bereit ist, den Schlüssel zu drehen.

Check-in offen?
Zurzeit leider nicht.