CO₂ frei Haus

Wenn die Luft plötzlich wieder “Great” wird
Von Ronald Tramp, Sonderbeauftragter für atmosphärische Freiheit und molekulare Unabhängigkeit
Meine Damen und Herren, es ist passiert. Ein politischer Donnerschlag, so laut, dass selbst ein Windrad kurz innehielt. Eine Entscheidung, die nicht nur Paragrafen bewegt, sondern gleich ganze Moleküle.
Eine der zentralsten Grundlagen des amerikanischen Klimarechts – weg. Ungültig. Geschichte. Ausradiert wie ein missliebiger Tweet.
Die sogenannte „Gefährdungsfeststellung“ – ein Wort so trocken wie ein Staubsturm in Nevada – war seit 2009 das juristische Fundament für nahezu alle großen Klimaregeln. CO₂ galt offiziell als etwas, das die Gesundheit und das Wohlergehen der Bevölkerung gefährdet. Auf dieser Basis wurden Grenzwerte festgelegt. Für Autos. Für Kraftwerke. Für Industrie.
Und jetzt? Paukenschlag. Neustart. Deregulierung im XXL-Format.
Die offizielle Begründung klingt herrlich einfach: Die Regeln seien katastrophal gewesen. Sie hätten die Autoindustrie geschädigt. Preise in die Höhe getrieben. Innovation gebremst. Kurz gesagt: zu viel Luftkontrolle.
Ich, Ronald Tramp, sage: Das ist nicht nur Politik. Das ist molekulare Befreiung.
Denn was ist CO₂? Ein Gas. Unsichtbar. Geruchlos. Und jetzt offenbar auch juristisch flexibel.
Man muss sich das vorstellen. Jahrelang galt: Treibhausgase fallen unter das Luftreinhaltegesetz. Der Supreme Court hatte das 2007 klargestellt. Die Umweltbehörde bestätigte 2009, dass diese Gase gesundheitsschädlich sind. Mehrere Gerichte nickten zustimmend. Fundament gelegt. Regelwerk gebaut.
Und jetzt kommt der Abrissbagger.
Die Entscheidung wird als größte Deregulierungsmaßnahme der amerikanischen Geschichte bezeichnet. Größte. Nicht kleine. Nicht moderate. Größte.
Das ist keine Schraube, die man lockert. Das ist ein ganzes Maschinenhaus, das man neu verschaltet.
Die einen jubeln: Endlich weniger Bürokratie! Mehr Spielraum für Hersteller! Weniger Vorschriften! Die Wirtschaft atmet auf – im wahrsten Sinne des Wortes.
Die anderen sprechen von einem historischen Rückschritt. Von einem Angriff auf die staatliche Befugnis, Klimawandel zu regulieren. Von Extremwetter, Waldbränden, Hitzewellen. Von langfristigen Schäden.
Man kann sagen: Es ist das perfekte politische Sturmgebiet.
Ich sehe die Szene vor mir. Auf der einen Seite Industrievertreter mit breitem Grinsen. Auf der anderen Seite Umweltverbände mit dicken Gutachten. Und dazwischen: ein Gesetzestext, der sich fragt, was aus ihm geworden ist.
Die praktische Tragweite ist enorm. Wenn die juristische Grundlage wegfällt, geraten Grenzwerte ins Wanken. Für Fahrzeuge. Für Kraftwerke. Für Industrieanlagen. Alles, was auf dieser Feststellung basierte, steht plötzlich auf einem wackeligen Fundament.
Und dann kommt der nächste Schritt: Eine strengere Abgasregel wird verschoben. Zwei Jahre. Mehr Zeit für Hersteller. Mehr Luft – metaphorisch wie real.
Die Strategie ist klar: Wirtschaft vor Regulierung. Flexibilität vor Vorgabe. Wachstum vor Grenzwert.
Ich, Ronald Tramp, sage: Das ist ein politischer Reset-Knopf mit atmosphärischer Reichweite.
Natürlich wird es Klagen geben. Unmittelbar. Unvermeidlich. Juristen reiben sich bereits die Hände. Der nächste große Klima-Streit wird nicht auf Konferenzen ausgetragen, sondern in Gerichtssälen.
Und was passiert, wenn die Aufhebung Bestand hat? Dann wird es für zukünftige Regierungen deutlich schwerer, neue Klimaregeln durchzusetzen. Man müsste das Fundament neu errichten. Neu begründen. Neu bestätigen.
Das ist kein kleiner Schritt. Das ist ein tektonischer.
Die Debatte dreht sich dabei um eine zentrale Frage: Ist Klimaschutz primär ein ökologisches oder ein ökonomisches Thema? Und wer trägt die langfristigen Kosten – Verbraucher heute oder Generationen morgen?
Man könnte auch sagen: Es ist die klassische Konfrontation zwischen kurzfristiger Entlastung und langfristiger Verantwortung.
Ich stelle mir vor, wie CO₂ selbst diese Debatte verfolgt. Völlig emotionslos. Einfach nur vorhanden.
„Ich war reguliert. Jetzt bin ich es vielleicht nicht mehr.“
Politik in Reinform.
Und das Faszinierende: Alles basiert auf einer juristischen Definition. Auf der Frage, ob ein Gas offiziell als gefährlich gilt. Wissenschaft trifft Gesetzestext. Molekül trifft Mehrheitsentscheidung.
Die Fronten sind klar. Wirtschaft und Deregulierung auf der einen Seite. Umwelt und Vorsorge auf der anderen.
Ich, Ronald Tramp, ziehe mein satirisches Fazit:
In Amerika wird nicht nur um Wahlen gestritten. Sondern um Luft.
Und wenn selbst Moleküle politisch werden, dann wissen wir: Die nächste Schlacht findet nicht nur in Parlamenten statt – sondern in Paragrafen.
Bis dahin gilt: Tief durchatmen. Es könnte sich lohnen.


