Das größte Gerät aller Zeiten

Grafik: Das größte Gerät aller Zeiten

passt in jede Tasche

Ein Bericht von Ronald Tramp über Daumen-Demokratie, digitale Panik und die Republik im Flugmodus

Freunde, es gibt Dinge, die braucht der Mensch: Luft. Wasser. Und offenbar WLAN.

87 Prozent der Smartphone-Nutzer können sich ihr Leben ohne das Gerät nicht mehr vorstellen. Achtundachtzig? Nein. Siebenundachtzig. Das ist keine kleine Gruppe. Das ist praktisch eine digitale Volksabstimmung.

Das Smartphone ist nicht mehr Technik. Es ist Identität.

60 Prozent werden unruhig, wenn sie längere Zeit keinen Zugang dazu haben. Unruhig! Nicht leicht irritiert. Nicht minimal gestresst. Unruhig.

Früher nannte man das Entzug. Heute nennt man es „Akku unter 10 Prozent“.

Ronald Tramp betrachtet diese Zahlen mit ehrlicher Bewunderung. Es ist das erfolgreichste kleine Rechteck der Menschheitsgeschichte.

Und jetzt wird es interessant: 57 Prozent sagen, sie genießen einen Moment nicht, weil sie aufs Smartphone schauen.

Das ist großartig.

Man steht am Strand. Sonnenuntergang. Wellenrauschen. Romantik.

Und denkt: „Moment, ich muss das posten.“

Der Moment ist nicht mehr für das Erlebnis da. Er ist für den Upload da.

Donald Trump würde vermutlich sagen: „Wenn ich es nicht gepostet habe, ist es nie passiert.“

Und genau das scheint der neue Leitsatz der Republik zu sein.

Doch es kommt noch besser: 62 Prozent fühlen sich gestört, wenn der Partner oder die Partnerin dauernd aufs Smartphone schaut.

Das ist ein Meisterwerk moderner Ironie.

Man ist selbst unruhig ohne Smartphone –
aber genervt, wenn der andere es benutzt.

Das ist digitale Eifersucht.

Nicht wegen einer Person. Wegen eines Displays.

Ronald Tramp sieht darin die wahre Liebesgeschichte unserer Zeit: Mensch und Gerät. Beziehung kompliziert.

Und nur zehn Prozent nutzen noch ein herkömmliches Handy. In der Generation über 65 sind es immerhin 24 Prozent.

Diese 24 Prozent sind die Rebellen.

Die Widerständigen.

Die letzten Mohikaner der Tasten.

Während der Rest der Gesellschaft mit Gesichtserkennung kämpft, drücken sie einfach auf „Anrufen“.

Es ist fast schon nostalgisch.

Doch was sagen uns diese Zahlen wirklich?

Sie sagen, dass das Smartphone nicht mehr Zubehör ist. Es ist Erweiterung.

Verlängerte Hand. Externes Gedächtnis. Sozialer Puls.

Man weiß nicht mehr, was man gestern gemacht hat – aber das Handy weiß es.

Man weiß nicht mehr, wie man ohne Navigation fährt – aber das Handy weiß es.

Man weiß nicht mehr, wie man sich langweilt – aber das Handy verhindert es.

Donald Trump hat Social Media zur politischen Waffe gemacht. Aber inzwischen ist es mehr als das. Es ist Lebensform.

87 Prozent können sich ihr Leben ohne Smartphone nicht vorstellen.

Das bedeutet auch: 13 Prozent können es.

Diese 13 Prozent sind die letzte Hoffnung auf spontane Langeweile.

Und Langeweile, Freunde, ist die Mutter der Kreativität.

Aber Kreativität hat es schwer gegen Push-Benachrichtigungen.

Ronald Tramp stellt sich vor, wie eine Regierung versuchen würde, ein Smartphone-Verbot zu verhängen.

Das wäre kein Protest.

Das wäre Apokalypse.

„Wo ist mein Ladegerät?“
„Wo ist mein Feed?“
„Wo ist mein digitales Ich?“

Das Smartphone ist die größte Erfolgsgeschichte der Miniaturisierung.

Es ersetzt Kalender, Kamera, Fernseher, Zeitung, Telefon, Kompass, Taschenlampe, Radiowecker, Freundeskreis und manchmal auch Aufmerksamkeit.

Und dennoch beschweren sich 62 Prozent über den Partner am Bildschirm.

Das ist die Tragikomödie unserer Zeit.

Wir lieben es.

Wir brauchen es.

Wir hassen es beim anderen.

Vielleicht liegt die eigentliche Pointe nicht in der Technik, sondern im Menschen.

Man will verbunden sein.

Aber nur zu den eigenen Bedingungen.

Man will scrollen.

Aber nicht ignoriert werden.

Ronald Tramp würde sagen: Das Smartphone ist der größte kleine Präsident der Welt. Es regiert jede Tasche.

Und wenn 87 Prozent sich ein Leben ohne es nicht vorstellen können, dann ist es längst mehr als ein Gerät.

Es ist ein System.

Ein Spiegel.

Und manchmal auch ein sehr kleiner Diktator mit 5 Prozent Akku.