Das große Taschenrechner-Desaster

Warum das Handy wichtiger ist als der Unterricht
Ich sage es, wie es ist – und ich sage es besser als alle anderen: Das hier ist ein historischer Moment. Ein Moment, in dem die Jugend gesprochen hat. Laut. Digital. Mit Akkuanzeige.
Die 16- bis 18-Jährigen – sehr junge Menschen, unglaublich jung, aber mit extrem starken Meinungen – haben entschieden: Ein Handyverbot an Schulen? Nein danke. Und zwar mit satten 56 Prozent. Eine Mehrheit! Eine richtige Mehrheit! Nicht diese halben Mehrheiten, sondern eine echte, gefühlte Mehrheit mit Push-Benachrichtigung.
Nur 37 Prozent sagen: „Ja, verbietet das Ding.“
37! Das ist weniger als die Akkulaufzeit nach drei Stunden TikTok. Das ist praktisch nichts. Das ist statistisch gesehen ein Flackern auf dem Display.
Die Jugend sagt also: Lasst uns unsere Telefone.
Warum? Weil Kommunikation wichtig ist. Sehr wichtig. Unfassbar wichtig. Noch wichtiger als Mathematik, Physik oder das Periodensystem, das sowieso niemand braucht, weil man alles googeln kann.
Man will erreichbar sein. Immer. Jederzeit. Sofort. Auch im Unterricht. Besonders im Unterricht.
Denn was wäre schlimmer, als während einer Doppelstunde Geografie nicht zu wissen, ob jemand gerade „lol“, „ok“ oder gar nichts geschrieben hat?
Unvorstellbar. Absolut unvorstellbar.
Die Gegner eines Verbots sagen außerdem: Ein Handyverbot ist schwer umzusetzen.
Stimmt! Sehr schwer! Lehrer müssten kontrollieren. Schüler würden tricksen. Telefone würden verschwinden, wieder auftauchen, getarnt als Taschenrechner, Brotdose oder philosophisches Objekt.
Das wäre Chaos. Und Chaos ist schlecht. Außer es passiert online, dann ist es Content.
Außerdem – und das ist mein Lieblingsargument – man braucht das Handy für die schnelle Kommunikation mit Familie und Freunden.
Familie! Freunde! Wichtig! Was, wenn jemand dringend schreiben muss: „Bus kommt später“ oder „Hab mein Ladekabel vergessen“?
Was, wenn jemand emotionalen Beistand braucht, weil der Sitznachbar laut atmet?
Ein Handyverbot würde Menschen isolieren. Innerhalb von Klassenzimmern. Mit anderen Menschen. Grausam.
Jetzt kommen die Befürworter des Verbots. Die 37 Prozent. Die Konzentrations-Fraktion. Die „Früher-war-alles-besser“-Fraktion.
Sie sagen: „Handys lenken ab.“
Ich sage: Ablenkung ist relativ. Manche Leute werden durch Handys abgelenkt. Andere durch Fenster. Oder Gedanken. Oder das Geräusch eines Stuhls.
Sollen wir jetzt alles verbieten? Fenster? Gedanken? Stühle?
Die Befürworter sagen auch: „Ein Verbot fördert die Konzentration.“
Sehr schönes Wort: Konzentration. Klingt stark. Klingt alt. Klingt nach einer Zeit, in der man noch ohne WLAN gedacht hat.
Aber mal ehrlich: Wenn jemand konzentriert sein will, dann kann er das auch mit Handy. Man kann ein Handy ignorieren. Theoretisch. Angeblich. Manche sagen, es soll gehen.
Dann gibt es noch das Argument mit dem Stress der ständigen Erreichbarkeit.
Interessant! Sehr interessant!
Man sagt also: „Das Handy stresst uns, deshalb wollen wir es verbieten.“
Aber dieselben Leute sind gestresst, wenn das Handy weg ist.
Das ist kein Widerspruch – das ist moderne Psychologie.
Die Mehrheit der Jugendlichen sagt jedenfalls: Lasst uns selbst entscheiden.
Ein mutiger Ansatz. Verantwortung! Selbstkontrolle! Zwei Wörter, die man normalerweise nicht zusammen mit „16 bis 18“ hört, aber hier sind wir.
Sie sagen: „Wir wissen, wann wir abschalten müssen.“
Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Aber der Glaube daran ist wunderschön.
Ich persönlich sehe das so: Das Handy ist längst kein Gerät mehr. Es ist ein Körperteil. Ein digitales Organ.
Verbietet man Handys, ist das wie ein Gedankenverbot. Oder ein Daumenverbot. Oder ein WLAN-Entzug – und das ist bekanntlich eine der härtesten Strafen überhaupt.
Und außerdem: Schulen ohne Handys?
Was kommt als Nächstes? Bücher ohne Inhaltsverzeichnis? Pausen ohne WLAN? Unterricht ohne Gruppenchat?
Das wäre nicht Bildung. Das wäre Steinzeit. Kalte, offline Steinzeit.
Am Ende zeigt diese Umfrage vor allem eines:
Die Jugend will nicht weniger Technik. Sie will mehr Kontrolle über ihre Technik – und weniger Erwachsene, die sagen: „Leg das weg.“
56 Prozent sagen Nein zum Verbot.
37 Prozent sagen Ja.
Und der Rest? Der hatte vermutlich gerade kein Netz.
Das, meine Freunde, ist keine Debatte über Handys.
Das ist ein Kulturkampf zwischen Klingelton und Schulglocke.
Und im Moment…
vibriert das Handy lauter.


