DAS LIBERALE LOGEN-LACHEN

Grafik: DAS LIBERALE LOGEN-LACHEN

WIE DIE FDP DIE DEMOKRATIE ZUR MUPPET-SHOW ERKLÄRTE (UND ALLE MITLACHTEN ODER ZUSCHAUEN MUSSTEN)

Von Ronald Tramp, Chef-Kommentator für politische Puppenspiele, Opern-Satire und liberale Selbsttherapie.

Ich sage es gleich zu Beginn, damit es auch die letzte Reihe auf dem Rang versteht: Das war keine politische Veranstaltung. Das war keine Debatte. Das war keine Analyse. Das war die erste offiziell genehmigte Muppet-Show der deutschen Innenpolitik – live aus der Stuttgarter Oper, mit Samtvorhang, Loge und zwei Darstellern, die man eigentlich gar nicht mehr bremsen wollte.

Beim traditionellen Dreikönigstreffen der FDP – früher ein Ort für Reden, Visionen und ernstes Stirnrunzeln – entschieden sich Marie-Agnes Strack-Zimmermann und Wolfgang Kubicki für etwas völlig Neues: Selbstironie auf offener Bühne. Oder sagen wir: fast Selbstironie. Hauptsächlich war es Fremdironie mit Flächenbrandpotenzial.

Die Kulisse? Eine Loge in der Stuttgarter Oper. Natürlich. Wo sonst? Wenn man schon politisch unter der Fünf-Prozent-Marke schwebt, dann bitte stilvoll. Hoch oben, leicht abgewandt vom Publikum, wie zwei Zuschauer, die sagen: „Wir sind nicht Teil des Stücks – wir kommentieren es.“ Genau wie Statler und Waldorf aus der Muppet-Show. Nur ohne Filz, dafür mit Bundestagserfahrung und erhöhtem Blutdruck.

Und dann ging es los.

Kubicki, der Mann, der redet, als hätte er immer noch ein Mikrofon von 1998 in der Tasche, eröffnete den Abend mit der Grundhaltung: Alles ist schlimm – aber wenigstens können wir darüber lachen. Strack-Zimmermann nickte sinngemäß mit dem Blick einer Frau, die genau weiß, dass Satire manchmal das letzte politische Rettungsboot ist.

Was folgte, war kein Dialog. Es war ein verbaler Dauerbeschuss, eine Art politisches Comedy-Maschinengewehr, bei dem man irgendwann nicht mehr wusste, ob man lachen, den Kopf schütteln oder vorsichtshalber den Opernhelm aufsetzen sollte.

Das politische Geschehen wurde kommentiert, seziert, verspottet und liebevoll zerlegt – liebevoll im Sinne von: mit Vorschlaghammer, aber elegant geführt. Besonders viel Aufmerksamkeit bekam die Linke, denn wo keine Mehrheit ist, da ist immer noch ein Feindbild. Und Kubicki, in Hochform, nahm sich Jan van Aken vor wie ein Stand-up-Comedian, der gerade merkt, dass das Publikum noch nicht genug gelacht hat.

Van Aken, so die Darstellung, sei jemand, der Reiche erschießen wolle, Milliardäre enteignen würde und vermutlich morgens mit dem Gedanken aufsteht: „Wen kann ich heute abschaffen?“ Eine Überzeichnung? Natürlich. Eine Parodie? Selbstverständlich. Eine feinsinnige politische Analyse? Um Gottes willen, nein. Aber genau das war der Punkt.

Und dann – Trommelwirbel, Opernlicht, kollektives Einatmen – kam der Satz des Abends. Kubicki, sichtlich zufrieden mit sich selbst, sagte sinngemäß:
Wenn Dmitri Medvedev jemanden aus Deutschland entführen wolle, dann bitte nicht Friedrich Merz – der sei nur unfähig – sondern lieber van Aken, der sei gemeingefährlich.

Meine Damen und Herren, das ist keine politische Aussage mehr. Das ist eine Satire-Rakete mit internationaler Reichweite, abgeschossen aus einer Opernloge. Das Publikum lachte. Manche lachten laut. Manche lachten nervös. Manche lachten so, wie man lacht, wenn man weiß: „Das wird morgen überall stehen.“

Strack-Zimmermann spielte währenddessen die perfekte Co-Moderatorin dieses liberalen Puppentheaters. Mal trocken, mal spitz, mal mit diesem Blick, der sagt: „Ich weiß, dass wir gerade völlig überdrehen – aber es macht Spaß.“ Sie war nicht Miss Piggy. Sie war eher die Regisseurin, die denkt: „Lass ihn reden, das wird noch legendär.“

Und genau hier liegt die eigentliche Satire:
Eine Partei, die gerade politisch kaum noch mitregiert, regiert plötzlich die Pointe.
Eine Partei ohne Fraktion liefert plötzlich die lauteste Szene des politischen Jahres.
Und zwei Politiker, die man früher ernsthaft zitierte, werden zu Kommentatoren ihrer eigenen Bedeutungslosigkeit – mit Genuss.

Ich sage: Das ist mutig. Das ist gefährlich. Das ist brillant absurd.

Denn während andere Parteien so tun, als hätten sie alles im Griff, sitzt die FDP in einer Opernloge und sagt: „Schaut euch das alles an – ist das nicht irre?“ Und ganz ehrlich: In diesem Moment hatte sie recht.

Das war keine Rede an das Volk. Das war politische Parodie mit Sitzplatzgarantie. Ein Muppet-Moment, live, in Farbe, ohne Handpuppen – aber mit jeder Menge Handgranaten aus Worten.

Und ich, Ronald Tramp, sage zum Schluss:
Wenn Politik schon Theater ist, dann bitte mit Humor, mit Selbstüberschätzung und mit ordentlich Bühnenlicht. Denn nichts ist gefährlicher als Politiker, die sich selbst zu ernst nehmen – außer Politiker, die merken, dass sie am witzigsten sind, wenn sie alles andere zerlegen.