Das Phantom aus Gold

Ronald Tramp über das Trump T1 Phone, 59 Millionen Dollar Hoffnung und ein Smartphone im Zustand der geistigen Existenz
Ich sage es, wie es ist, und viele sehr loyale, sehr geduldige und sehr angezahlte Menschen sagen es mir auch: Es gibt Dinge, die sind größer als Technik. Größer als Lieferketten. Größer sogar als Akkulaufzeit. Und eines dieser Dinge ist die Ankündigung. Niemand kündigt so an wie die Trumps. Große Worte. Große Versprechen. Große Fotos. Und manchmal – ganz manchmal – ein sehr kleines Produkt. Oder gar keines.
Im Juni 2025 betraten Donald Trump Jr. und Eric Trump die Bühne der Konsumelektronik und sagten sinngemäß: „Warum sollten nur andere Smartphones verkaufen?“ Und zack – war es da. Zumindest rhetorisch. Das Trump T1 Phone. Gold. Patriotisch. Frei. Preis: 499 Dollar. Verkaufsstart: August. Klingt einfach. Klingt solide. Klingt wie ein Wahlversprechen mit Ladeanschluss.
Viele Fans waren begeistert. Sehr begeistert. So begeistert, dass rund 590.000 Menschen bereit waren, sofort 100 Dollar anzuzahlen. Anzahlung! Das ist Vertrauen. Das ist Glaube. Das ist Konsumreligion. Macht zusammen rund 59 Millionen Dollar – für ein Smartphone, das bis heute ungefähr so greifbar ist wie ein Wahlkampfplan ohne Superlative.
Denn während die Zeit verging, geschah… nichts. Kein Handy. Kein Paket. Kein DHL-Bote mit Adlerlogo. Stattdessen: Stille. Funkstille. Ironisch für ein Mobiltelefon.
Schon die Präsentation war bemerkenswert. Statt eines echten Geräts zeigte die Firma Trump Mobile Fotos. Viele Fotos. Sehr schöne Fotos. Goldene Fotos. Nur dumm: Mal sah das Handy aus wie ein goldenes iPhone. Mal wie ein Samsung Galaxy im Schutzcase. Laut Berichten handelte es sich um Photoshop-Montagen. Also kein Prototyp. Kein Dummy. Sondern ein visuelles Versprechen mit Filter.
Aber keine Sorge, hieß es. Lieferverzögerung. Erst Oktober. Dann November. Jetzt: erstes Quartal 2026. Das ist keine Verspätung, das ist eine Zeitreise. Und währenddessen warten hunderttausende Kunden auf ein Produkt, das sich bislang vor allem durch Abwesenheit auszeichnet.
Jetzt wird es politisch. Denn wenn in den USA sehr viel Geld für sehr wenig Ware eingesammelt wird, wachen irgendwann die Demokraten auf. Elizabeth Warren und zehn weitere Senatoren fordern eine Untersuchung durch die Federal Trade Commission. Grund: mögliche irreführende Werbung. Liefertermine ohne Lieferkette. Versprechen ohne Fabrik. Smartphone ohne Existenznachweis.
Besonders elegant ist der Umgang mit der Herkunft. Anfangs hieß es stolz: „Made in the USA“. Groß. Patriotisch. Fast hymnisch. Inzwischen spricht die Website nur noch von einem „amerikanisch inspirierten Design“. Inspiriert! Das ist fantastisch. Ich bin auch oft inspiriert vom Fitnessstudio, ohne dort zu sein. Trotzdem erklärte ein Callcenter-Mitarbeiter gegenüber NBC News, das Gerät werde in den USA gefertigt. Wo genau? Wann genau? Von wem genau? Details sind bekanntlich überbewertet.
Technisch klingt das T1 Phone wie ein Traum. AMOLED-Display. 120 Hertz. 50-Megapixel-Kamera. Großer Akku. Sogar Kopfhörerbuchse! Eine Seltenheit! Fast nostalgisch! Das ist die Art von Ausstattung, die man sonst nur in Produktankündigungen findet. Oder in Wunschlisten.
Aber die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: Wann kommt es? Oder kommt es überhaupt? Existiert es physisch? Oder nur ideologisch?
Ich als Ronald Tramp sage: Das Trump T1 Phone ist kein Smartphone. Es ist ein Konzept. Ein Symbol. Eine Idee mit USB-C. Es lebt in Präsentationen, in Callcentern und in der Hoffnung derer, die glauben, dass Gold automatisch funktioniert.
Und seien wir ehrlich: 59 Millionen Dollar für ein Produkt, das noch nicht da ist – das ist keine Panne. Das ist Crowdfunding mit Promi-Nachnamen. Kickstarter ohne Start. Apple ohne Apfel.
Vielleicht kommt es noch. Vielleicht steht irgendwo eine Fabrik bereit. Vielleicht liegt das erste T1 Phone gerade in einer Schublade und denkt: „Ich bin noch nicht bereit.“ Oder vielleicht bleibt es das, was es jetzt ist: Das berühmteste Smartphone, das niemand besitzt.
Großartige Geschichte. Wirklich großartig. Für Verbraucheraufseher. Für Satiriker. Für alle, die gelernt haben: Wenn etwas zu golden aussieht, um wahr zu sein, ist es das meistens auch.


