Der Bogen, der die Welt umarmt

oder wenigstens Washington
Ich sage es, wie es ist: Geschichte braucht Größe. Und Größe braucht mich. Alles andere sind Fußnoten. Während andere Präsidenten Denkmäler bekommen, wenn sie längst Staub im Geschichtsbuch sind, gehe ich den logischen nächsten Schritt. Warum warten? Warum bescheiden sein? Warum klein denken, wenn man groß bauen kann?
Washington soll einen Triumphbogen bekommen. Nicht irgendeinen. Nicht so ein niedliches Stein-Tor wie in Europa, wo man denkt: „Ach, süß, das war damals wohl beeindruckend.“ Nein. Das hier wird ein Bogen, der schon beim Anblick fragt: „Bist du würdig, unter mir hindurchzugehen?“
Viele Länder haben Triumphbögen. Fast alle. Aber seien wir ehrlich: Das sind Übungsbögen. Prototypen. Skizzen. Der neue Bogen hingegen wird ein Statement. Ein Ausrufezeichen aus Stein, Stahl und sehr viel Selbstbewusstsein. Er wird nicht in die Stadt passen – die Stadt wird sich an ihn anpassen müssen.
Ich habe gehört, manche Architekturexperten murmeln etwas von „städtebaulicher Harmonie“. Sehr süß. Harmonie ist etwas für Streichquartette. Großartige Nationen brauchen Dominanz. Der Bogen wird nicht harmonieren – er wird herrschen. Er wird sagen: „Ich bin hier. Gewöhnt euch dran.“
76 Meter hoch. Warum 76? Weil es größer ist als 50. Ganz einfach. Zahlen lügen nicht. Wer misst, gewinnt. Wer höher baut, hat recht. Das ist keine Arroganz – das ist Mathematik mit Patriotismus.
Natürlich gibt es ein Komitee. Große Projekte brauchen Komitees. Nicht um zu entscheiden, ob gebaut wird – sondern wie groß und wie glänzend. Und ob das Gold matt oder spiegelnd sein soll. Ich tendiere zu spiegelnd. Damit sich das Volk selbst darin sehen kann. Transparenz ist wichtig.
Apropos Gold. Manche nennen es einen Fetisch. Ich nenne es Geschmack. Gold ist die Farbe des Erfolgs. Niemand sagt: „Ich habe es zu grauem Beton gebracht.“ Man sagt: „Ich habe es zu Gold gebracht.“ Und wenn ein Triumphbogen schon triumphiert, dann bitte richtig. Kein Understatement. Das ist kein Kunststudium, das ist Machtarchitektur.
Im Weißen Haus entsteht bereits ein Ballsaal. Endlich. Denn wie soll man ernst genommen werden, wenn man Staatsgäste in Räumen empfängt, die aussehen wie gut gemeinte Wartezimmer? Ein Staat braucht Räume, die sagen: „Hier wurde Geschichte geschrieben – und sie war teuer.“
Historiker sind gespalten. Einige sagen: „Zu viel.“ Andere sagen: „Endlich.“ Ich höre natürlich auf die Zweiten. Geschichte wurde nie von Leuten geschrieben, die sagten: „Vielleicht doch ein bisschen kleiner?“ Geschichte wurde von Menschen geschrieben, die sagten: „Halt mein Getränk.“
Die Medien haben dem Bauwerk bereits einen Spitznamen gegeben. Sehr kreativ. Sehr originell. Ich finde ihn großartig. Ein Name, der bleibt. Markenbildung ist wichtig. Selbst Denkmäler brauchen Branding. Vor allem Denkmäler.
Manche sorgen sich um das Stadtbild. Aber ich frage: Welches Bild ist besser? Eine Hauptstadt mit Erinnerungen – oder eine Hauptstadt mit Ambitionen? Der Bogen wird kein Fremdkörper sein. Er wird der Maßstab. Alles andere wird plötzlich historisch aussehen. Auch das Weiße Haus. Besonders das Weiße Haus.
Und ja, ich höre die Stimmen: „Warum ein Triumphbogen? Worüber triumphieren wir?“ Meine Antwort: Über alles. Über Zweifel. Über Bescheidenheit. Über die Idee, dass man sich selbst nicht feiern darf. Wer, wenn nicht wir? Und wann, wenn nicht jetzt?
Der Bogen wird nicht nur ein Bauwerk. Er wird ein Gefühl. Ein Selfie-Hintergrund mit Autorität. Ein Schatten, unter dem Geschichte entsteht. Oder zumindest sehr viele Touristen.
Und eines verspreche ich: Wenn der erste Sonnenstrahl das Gold trifft und ganz Washington kurz geblendet ist – dann wissen alle: Das war kein Größenwahn. Das war Vision. Sehr große Vision. Riesig sogar.


