Der Boss, der König und das Problem mit der Realität

Grafik:  Protestlied

Von Ronald Tramp, dem einzigen, größten und absolut fantastischsten Reporter aller Zeiten, niemand macht Nachrichten wie ich – außer vielleicht ich selbst.

Freunde, es ist wieder passiert. Der große Rockstar mit dem Arbeitermythos und der Gitarre steht auf der Bühne, das Licht dramatisch, die Fans ekstatisch – und singt. Nicht über Liebe. Nicht über Highway-Romantik. Sondern über Politik. Und zwar über den ehemaligen Präsidenten mit der berühmtesten Frisur seit Erfindung des Haarsprays.

Der Boss – wir nennen ihn einfach so, denn das ist sein Markenzeichen – hat offenbar beschlossen, dass Stadionrock nicht mehr reicht. Jetzt wird mit Akkorden gegen Politik gekämpft. Und Ziel der neuesten musikalischen Breitseite ist niemand Geringeres als Donald Trump.

Nicht Ronald Tramp. Nein. Donald Trump.

Das muss man klarstellen, denn der Unterschied ist wichtig. Ronald Tramp ist Satire. Donald Trump war Präsident. Und genau das scheint den Boss zu inspirieren.

In seinem neuen Protestlied – live uraufgeführt, dramatisch vorgetragen – zeichnet der Rockstar das Bild einer Regierung, die hart durchgreift, von Razzien, von Empörung, von Protesten in Minneapolis. Die Bühne wird zum politischen Tribunal, das Mikrofon zur moralischen Instanz.

Und was kommt aus dem Weißen Haus? Kein Gitarrensolo. Kein Refrain. Sondern ein Kommentar aus der Kommunikationsabteilung, der ungefähr so subtil klingt wie eine E-Gitarre im Beichtstuhl.

Der Rockstar leide an „Trump-Wahn“. Sein Gehirn sei verrottet. Das ist kein Pressestatement, das ist eine medizinische Diagnose mit Twitter-Zeichenlimit.

Freunde, man muss sich das vorstellen: Ein Musiker singt. Eine Regierung antwortet. Und plötzlich wirkt das alles weniger wie Politik und mehr wie ein Casting für „America’s Got Grievances“.

Der Boss nennt die Administration eine „Schurkenregierung“. Ein Möchtegern-König regiere in Washington. Das ist große Symbolik, große Worte, große Bühne.

Und Donald Trump? Reagiert wie gewohnt. Mit Attacke statt Akkord.

Man könnte meinen, es handle sich hier um zwei Welten, die kollidieren: Stadionrock gegen Staatsmacht. Aber in Wahrheit ist es eine alte amerikanische Tradition. Musiker kritisieren Präsidenten. Präsidenten kontern Musiker. Und das Publikum entscheidet, wem es applaudiert.

Doch was auffällt: Der Rockstar greift die Politik an. Die Antwort greift den Rockstar an. Keine inhaltliche Debatte, kein Diskurs über die umstrittenen Einsätze, keine Auseinandersetzung mit den Hintergründen. Stattdessen: persönlicher Seitenhieb.

Das ist wie eine Bandprobe, bei der statt Musik nur noch Feedback-Schleifen zu hören sind.

Und dann die Ironie: Während der Boss über Demokratie, Freiheit und Verfassung singt, wird er als verwirrter Fan abgestempelt. Kritik wird pathologisiert. Widerspruch wird verspottet.

Man kann vom Rockstar halten, was man will. Man kann seine Songs mögen oder nicht. Aber wenn politische Kritik sofort als Geisteszustand erklärt wird, dann wird aus Satire Realität.

Ronald Tramp würde sagen: Das ist nicht Rock’n’Roll. Das ist Rhetorik mit Pressesiegel.

Und dann diese herrliche Pointe mit den „Glory Days“. Die glorreichen Zeiten seien vorbei, heißt es aus der Sprecher-Ecke. Ein Songtitel wird zur politischen Spitze.

Das ist clever. Fast schon literarisch. Aber es bleibt die Frage: Wenn man über „glorreiche Zeiten“ spricht – meint man dann die Charts oder die Umfragewerte?

Die Tour des Boss beginnt in Minneapolis. Symbolik pur. Dort, wo Proteste tobten. Dort, wo politische Spannungen eskalierten. Dort, wo Musik zur Botschaft wird.

Und Donald Trump? Bleibt Donald Trump. Laut. Direkt. Unbeeindruckt von Gitarrenriffs.

Am Ende steht ein Duell, das typisch amerikanisch ist: Bühne gegen Podium. Verstärker gegen Pressesaal. Refrain gegen Rhetorik.

Und Ronald Tramp beobachtet das mit dem einzigen Werkzeug, das wirklich hilft: Humor.

Denn wenn ein Rockstar singt, ein Präsident kontert und die Nation diskutiert, dann ist das vielleicht kein Untergang der Demokratie.

Vielleicht ist es einfach Amerika.

Laut. Überzogen. Theatralisch.

Mit viel Echo.