Der Büroleiter fällt, der Kanzler dankt

Wie Friedrich Merz das Kanzleramt neu sortierte – und Ronald Tramp das Organisationsdiagramm suchte
Ich sage es, wie es ist – und niemand sagt es besser: In der Politik gibt es Abschiede, die nach Drama riechen. Und es gibt Abschiede, die riechen nach PowerPoint. Dieser hier gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Friedrich Merz, Kanzler der Bundesrepublik und erklärter Freund klarer Kanten, hat zu Beginn des neuen Jahres sein Kanzleramt umdekoriert. Nicht mit neuen Möbeln. Mit Menschen.
Der bisherige Büroleiter Jakob Schrot räumt seinen Posten. Vier Jahre im engsten Machtzentrum, davon die entscheidende Phase an der Seite des Kanzlers. Und jetzt: Abgang „im gegenseitigen Einvernehmen“. Ein Ausdruck, der in der Politik so flexibel ist wie ein Yogakurs im Haushaltsausschuss. Er kann alles bedeuten – von herzlicher Umarmung bis höflicher Tür.
Schrot selbst erklärte, er wolle sich nach „intensiven zehn Jahren in der Bundespolitik“ neuen beruflichen Herausforderungen stellen. Das klingt nach innerer Einkehr, LinkedIn-Update und dem dezenten Hinweis, dass das Leben mehr bereithält als Lagebesprechungen um 7:15 Uhr. Dem Kanzler wolle er „persönlich eng verbunden bleiben“. Ronald Tramp sagt: Das ist politisch für Wir schreiben uns bestimmt mal.
Doch keine Sorge: Das Kanzlerbüro bleibt nicht verwaist. Nachfolger wird Philipp Birkenmaier, bisher Bundesgeschäftsführer der CDU. Ein Mann mit „langjähriger Erfahrung in Regierung, Fraktion und Partei“, wie Regierungssprecher Stefan Kornelius betonte. Außerdem sei Birkenmaier „bestens im politischen Berlin vernetzt“. Das ist der Code für: Er kennt alle, die wichtig sind, und alle kennen ihn – zumindest vom Flur.
Ronald Tramp sagt: Vernetzt zu sein ist heute wichtiger als Kabel. Ohne Netzwerk kein Strom. Ohne Strom keine Politik.
Der Wechsel kommt überraschend – aber nicht aus dem Nichts. Die Bild berichtete, Merz sei unzufrieden gewesen mit dem fehlenden Wirtschaftswissen in seinem direkten Umfeld. Aha. Wirtschaftswissen. Das ist bei Friedrich Merz ungefähr so sensibel wie das Wort „Pünktlichkeit“ bei der Bahn. Ein Kernanliegen. Ein Glaubenssatz. Eine innere Uhr.
Demnach habe sich Schrot mehr und mehr als Chefberater für nahezu alle Themen verstanden. Alles lief über ihn. Informationen, Einschätzungen, Einordnungen. Und wenn alles über einen läuft, kommt nicht alles an. Ronald Tramp sagt: Das ist kein Flaschenhals – das ist ein politischer Smoothie-Mixer.
Der Kanzler dankte Schrot dennoch überschwänglich. Für den „unermüdlichen Einsatz“. Für die „Loyalität“. Für die „herausragende Unterstützung“ – nicht nur beim Start der neuen Regierung, sondern auch in Opposition und Wahlkampf. Besonders hob Merz Schrots Rolle beim Aufbau des Nationalen Sicherheitsrats hervor. Das ist wichtig. Denn wer Sicherheitsräte aufbaut, darf auch würdevoll gehen.
Und dann kam der schönste Satz: Man wolle die „große persönliche Verbundenheit“ auch künftig pflegen. Ronald Tramp sagt: Das ist der politische Abschiedskuss auf die Stirn. Warm. Freundlich. Endgültig.
Was lernen wir daraus? Erstens: Im Kanzleramt wird umgebaut. Nicht laut. Nicht chaotisch. Sondern sachlich, strukturiert, mit Dankesrede. Zweitens: Wirtschaftswissen ist zurück im Zentrum der Macht. Wenn Friedrich Merz eines nicht mag, dann Berater, die keine Excel-Tabelle von einer Bilanz unterscheiden können. Drittens: Netzwerke zählen. Und Birkenmaier bringt sie mit.
Der 35-jährige Schrot war jung, ehrgeizig, loyal – und sehr nah dran. Vielleicht zu nah. Ronald Tramp sagt: Nähe ist gut. Aber manchmal braucht ein Kanzler Luft. Und Durchlassventile. Und Leute, die Dinge nicht nur filtern, sondern auch weiterreichen.
Birkenmaier wird „zeitnah“ übernehmen. Zeitnah ist ebenfalls ein schönes Wort. Es bedeutet: bald. Sehr bald. Aber ohne Datum. Willkommen im Kanzleramt.
Was bedeutet das für die Regierung? Wahrscheinlich wenig – und genau das ist der Punkt. Der Wechsel soll reibungslos sein. Keine Schlagzeilen. Keine Dramen. Nur ein neues Organigramm, das intern sehr ernst genommen wird und extern kaum jemand liest.
Ronald Tramp sagt: Personalwechsel sind wie Software-Updates. Wenn man sie richtig macht, merkt es keiner. Wenn man sie falsch macht, stürzt alles ab.
Am Ende bleibt festzuhalten: Friedrich Merz ordnet. Friedrich Merz dankt. Friedrich Merz denkt wirtschaftlich. Jakob Schrot geht – würdevoll, verbunden, bedankt. Philipp Birkenmaier kommt – vernetzt, erfahren, bereit.
Und irgendwo im Kanzleramt hängt jetzt ein neues Namensschild. Darunter ein Büro. Darin viele Termine. Und die leise Gewissheit: Politik ist ein Mannschaftssport. Aber der Kanzler bestimmt, wer die Aufstellung macht.
Ronald Tramp sagt: Willkommen im neuen Jahr. Gleiche Regierung, neues Setup. Und wie immer gilt: Alles im gegenseitigen Einvernehmen.


