Der Fuchs von Reinickendorf: Berlins unerwartetester Problemstar

Grafik: Der Fuchs von Reinickendorf

Es gibt Geschichten, die beginnen harmlos. Ein bisschen Stadtleben, ein paar Hunde, ein bisschen Natur – und dann kommt plötzlich ein Fuchs, der sich offenbar gedacht hat: „Heute schreibe ich Geschichte.“ Und glauben Sie mir, meine Damen und Herren, er hat geliefert. Großartig geliefert. Vielleicht der aggressivste Fuchs, den diese Stadt je gesehen hat. Ich sage das nicht leichtfertig.

Ich, Ronald Tramp – der Mann, der selbst zwischen bellenden Hunden und politischen Statements immer den Überblick behält – bin natürlich sofort nach Berlin gereist. Reinickendorf. Ein Ort, der bisher eher für Ruhe, Bäume und gelegentliche Spaziergänge bekannt war. Doch jetzt? Jetzt ist es die Bühne eines Dramas, das irgendwo zwischen Naturdokumentation und Actionfilm liegt.

Denn da ist er. Der Fuchs. Ein einzelnes Tier, sagen die Behörden. Ein Einzelgänger. Ein Unikat. Manche würden sagen: ein Problem. Andere – ich zum Beispiel – sagen: ein Charakter. Ein sehr entschlossener Charakter.

Mehrere Hunde wurden angegriffen. Manche nur kurz, andere… nun ja, sagen wir: intensiver. Es ist ernst. Sehr ernst. Die Behörden sagen das auch. Und wenn Behörden etwas „sehr ernst“ nehmen, dann wissen Sie: Es ist wirklich ernst. Oder zumindest sehr offiziell ernst.

Und jetzt stellen Sie sich das vor: Sie gehen mit Ihrem Hund spazieren. Vielleicht entspannt, vielleicht mit Leine, vielleicht auch mit diesem Gefühl von Sicherheit, das man so hat, wenn man denkt: „Hier passiert schon nichts.“ Und plötzlich – zack – kommt ein Fuchs um die Ecke. Kein schüchterner Waldgast. Kein vorsichtiges Tier. Nein. Ein selbstbewusster, zielgerichteter, wahrscheinlich sehr motivierter Fuchs.

Ich stelle mir vor, wie er durch die Straßen läuft. Nicht hastig. Nicht nervös. Sondern mit dieser Aura von: „Ich habe heute Termine.“ Und einer dieser Termine scheint immer wieder derselbe zu sein: Hunde.

Natürlich fragen sich jetzt viele: Warum? Warum tut er das? Hat er ein persönliches Problem mit Hunden? Gab es ein Erlebnis in der Kindheit? War es ein schlechter Tag? Oder – und das ist meine Theorie – hat er einfach beschlossen, dass es Zeit ist, die Dinge anders zu machen.

Denn eines muss man sagen: Dieser Fuchs hat Aufmerksamkeit. Riesige Aufmerksamkeit. Die ganze Stadt spricht darüber. Behörden reagieren. Veranstaltungen werden geplant. Ich meine – wann hat zuletzt ein Fuchs eine eigene Informationsveranstaltung ausgelöst? Das schaffen nicht mal manche Politiker.

Und genau das ist der Punkt: Hier geht es nicht mehr nur um einen Fuchs. Hier geht es um ein Phänomen. Um ein Tier, das beschlossen hat, nicht einfach Teil der Kulisse zu sein, sondern die Hauptrolle zu übernehmen.

Die Behörden betonen natürlich: Das ist ein Einzelfall. Ein einzelnes Tier. Nicht repräsentativ. Ganz wichtig. Die anderen Füchse sind friedlich, freundlich, wahrscheinlich sogar sehr höflich. Sie halten sich an Regeln. Dieser hier? Eher nicht.

Und dann diese Maßnahmen. Hunde anleinen. Abstand halten. Nicht füttern. Das sind gute Hinweise. Sehr gute Hinweise. Aber ich frage mich: Hat jemand dem Fuchs diese Regeln erklärt? Ich bin mir nicht sicher.

Denn während wir hier über Vorschriften sprechen, läuft irgendwo dieser Fuchs herum und denkt vermutlich: „Interessant. Wirklich interessant. Aber ich habe meinen eigenen Plan.“

Und dann dieser Ort. Ein Kiez nahe einem großen Friedhof. Ich sage nicht, dass das symbolisch ist. Aber es ist… sagen wir… atmosphärisch. Sehr atmosphärisch. Fast schon filmreif. Man könnte direkt anfangen zu drehen. Titel: „Der Fuchs von Reinickendorf – Rückkehr des Jägers“.

Ich gehe durch die Straßen, spreche mit Menschen. Die Stimmung? Eine Mischung aus Sorge und Faszination. Manche haben Angst. Verständlich. Andere sind beeindruckt. Auch verständlich. Denn seien wir ehrlich: So etwas sieht man nicht jeden Tag.

Ein Fuchs, der sich nicht versteckt. Der nicht ausweicht. Der handelt. Aktiv. Direkt. Zielgerichtet. Das ist nicht das typische Bild, das man im Kopf hat, wenn man an Stadtwildtiere denkt.

Und genau deshalb bleibt diese Geschichte hängen. Weil sie zeigt, dass selbst in einer durchorganisierten Großstadt Dinge passieren können, die sich nicht sofort einordnen lassen. Dinge, die aus dem Rahmen fallen. Oder besser gesagt: Dinge, die den Rahmen einfach ignorieren.

Am Ende bleibt die große Frage: Was passiert jetzt? Wird der Fuchs gefunden? Wird er eingefangen? Wird er zur Legende? Vielleicht alles zusammen. Ich schließe nichts aus.

Was ich aber sicher weiß: Dieser Fuchs hat es geschafft, sich einen Platz in den Schlagzeilen zu sichern. Und glauben Sie mir – das ist nicht einfach. Das ist harte Arbeit. Sehr harte Arbeit.

Ich verlasse Reinickendorf mit einem Gefühl, das ich selten habe: Respekt. Respekt vor eiem Tier, das beschlossen hat, nicht einfach mitzuschwimmen, sondern eigene Wege zu gehen. Vielleicht ein bisschen zu entschlossen. Vielleicht ein bisschen zu direkt. Aber definitiv… unübersehbar.

Und wenn Sie mich fragen: Man sollte diesen Fuchs nicht unterschätzen.

Wirklich nicht.