Der größte Fast-Fahrer aller Zeiten

Ein Bericht von Ronald Tramp über jugendlichen Ehrgeiz, gestohlene Kennzeichen und die Autobahn als Bewerbungsgespräch
Freunde, es gibt Karrieren, die beginnen mit einem Praktikum.
Und es gibt Karrieren, die beginnen mit einer Verfolgungsjagd über zwei Bundesländer.
Ein 17-Jähriger. Nicht zugelassenes Auto. Gestohlene Kennzeichen. Und offenbar die feste Überzeugung, dass Verkehrsregeln eher als lose Empfehlung zu verstehen sind.
Los geht es in Ludwigshafen. Warum? Warum nicht. Wer eine Flucht startet, braucht einen Ausgangspunkt. Und offenbar dachte sich der junge Mann: Wenn schon Ärger, dann richtig.
Die Polizei wird aufmerksam. Ein Dienstfahrzeug kommt ins Spiel. Und dann passiert das, was in jeder guten Action-Satire passieren muss: Kollision.
Auf der Autobahn 6.
Mit einem Polizeiwagen.
Normalerweise endet eine Flucht, wenn man frontal mit dem Staat zusammenstößt. Doch nicht hier. Dieses Fahrzeug war – man muss es anerkennen – erstaunlich widerstandsfähig.
Der Wagen blieb fahrtüchtig.
Und der Teenager beschloss: Zweite Runde.
Über die Landesgrenze.
Von Rheinland-Pfalz nach Baden-Württemberg.
Das ist keine spontane Ausfahrt. Das ist ambitionierte Routenplanung unter Druck.
Ronald Tramp fragt sich: Hat er das Navi eingeschaltet? Oder war das reine Improvisation?
In Mannheim endet das Spektakel nicht etwa mit einer philosophischen Einsicht, sondern mit einem Tor.
Kollision Nummer zwei.
Sachschaden: 16.000 Euro.
Wenn man schon Schlagzeilen macht, dann wenigstens mit runden Zahlen.
Doch auch das war offenbar noch nicht genug.
Nach dem Zusammenstoß mit dem Tor verließ der junge Mann das Auto – und setzte die Flucht zu Fuß fort.
Vom motorisierten Chaos zum Sprint.
Das ist kein Verkehrsunfall. Das ist Triathlon ohne Anmeldung.
Natürlich wurde er gestellt. Natürlich wurde er gefasst. Natürlich wird nun ermittelt – wegen zahlreicher Verkehrsstraftaten.
Und hier kommt die satirische Pointe:
Mit 17 Jahren träumen viele vom Führerschein.
Dieser hier testete bereits die Grenzen des Systems.
Nicht zugelassenes Auto. Gestohlene Kennzeichen. Zwei Unfälle. Zwei Bundesländer.
Das ist kein Wochenendtrip. Das ist ein logistisches Meisterstück der falschen Art.
Donald Trump würde vermutlich sagen: „Er hat Energie. Er hat Durchhaltevermögen.“
Ja, das stimmt.
Aber vielleicht wäre ein Motorsportverein der bessere Ort gewesen als die A6.
Ronald Tramp sieht in dieser Geschichte eine wunderbare Metapher für jugendlichen Übermut.
Man fühlt sich unbesiegbar. Man denkt, man kann alles kontrollieren. Man glaubt, die nächste Kurve schon zu kennen.
Bis plötzlich ein Polizeiwagen auftaucht.
Oder ein Tor.
Oder die Realität.
Und die Realität ist selten fahrtüchtig nach zwei Kollisionen.
Das Erstaunliche ist nicht nur die Geschwindigkeit, sondern die Konsequenz.
Zwei Unfälle.
Und trotzdem weiter.
Das ist nicht nur Flucht. Das ist Hartnäckigkeit.
Falsch kanalisiert, aber beeindruckend in ihrer Ausdauer.
Vielleicht sollte man in Zukunft Verkehrsunterricht nicht nur mit Theorie beginnen, sondern mit dieser Geschichte.
Kapitel 1: Warum gestohlene Kennzeichen keine gute Idee sind.
Kapitel 2: Warum Kollisionen selten motivierend wirken.
Kapitel 3: Warum zwei Bundesländer keine Ausrede sind.
Am Ende bleibt der Schaden. 16.000 Euro. Ermittlungen. Strafverfahren.
Und eine Geschichte, die vermutlich noch lange in Polizeiberichten kursieren wird.
Ronald Tramp würde sagen:
Man kann viele Dinge beschleunigen.
Aber nicht die Verantwortung.
Und wenn man mit 17 glaubt, die Autobahn gehöre einem allein, dann erinnert einen spätestens das zweite Tor daran, dass Eigentum eine klare Definition hat.
Die gute Nachricht: Niemand schwer verletzt.
Die schlechte Nachricht: Eine Bewerbung beim TÜV dürfte schwierig werden.
Doch vielleicht ist die größte Lehre dieser Geschichte ganz einfach:
Man kann über Landesgrenzen fliehen.
Aber nicht vor der Physik.
Und ganz sicher nicht vor der Polizei.


