Der große Abwasser-GAU

Grafik: Wenn der Potomac plötzlich Parfum braucht

Wenn der Potomac plötzlich Parfum braucht

Meine fantastischen, unglaublich brillanten Leserinnen und Leser – haltet euch fest, denn heute sprechen wir über ein Thema, das buchstäblich stinkt. Und zwar gewaltig. Mitten im Herzen der Hauptstadt – direkt dort, wo normalerweise nur Macht, Monumente und sehr große Egos fließen – ergoss sich plötzlich etwas ganz anderes in den berühmten Fluss.

Ja, wir reden über ein Abwasser-Desaster. Ein Rohrbruch. Ein epischer Moment der Sanitärgeschichte. Schmutzwasser strömte ungehindert in den Potomac. Und ich sage euch: Wenn der Fluss anfängt, sich selbst zu fragen, ob er noch ein Fluss oder schon eine Brühe ist, dann haben wir ein Problem.

Der Präsident – ein Mann mit ausgeprägtem Sinn für Dramatik und noch ausgeprägterem Sinn für Social Media – sprach von einem „Katastrophengebiet im Herzen Washingtons“. Und ganz ehrlich? Wenn man es mit genug Großbuchstaben postet, klingt selbst ein kaputtes Rohr wie der Untergang Roms.

Aber lassen Sie uns kurz die Fakten anschauen: Am 19. Januar bricht eine Abwasserleitung im Umland. Schmutzwasser läuft in den Fluss. Am 24. Januar wird eine Umgehungsleitung aktiviert. Technisch gesehen also ein Problem mit Ablaufdatum. Doch politisch? Oh, politisch ist das ein Goldschatz.

Denn was ist ein Rohrbruch ohne Schuldzuweisung? Richtig – nur Klempnerarbeit. Also wird daraus ein episches Duell: Republikaner gegen Demokraten. Kompetenz gegen angebliche Inkompetenz. Sauberes Wasser gegen schmutzige Politik.

Der Präsident schreibt auf seiner Plattform – dramatisch, sehr dramatisch –, er könne nicht zulassen, dass Inkompetenz den Fluss im Herzen Washingtons in ein Katastrophengebiet verwandelt. Ich stelle mir das bildlich vor: Der Potomac mit einem kleinen Schild: „Bitte nicht weiter verschmutzen, ich bin schon empfindlich.“

Und dann die Ankündigung: Bundesbehörden sollen eingreifen! Katastrophenhilfe! FEMA! Wenn man das liest, denkt man an Hurrikans, Erdbeben, Alien-Invasionen. Und jetzt auch an ein sehr, sehr unglückliches Abwasserrohr.

Ich liebe diese Eskalation. Ein Rohr bricht, und plötzlich ist es geopolitisch relevant. Bald gibt es vielleicht Sondersitzungen, Expertenkommissionen, vielleicht sogar ein neues Ministerium für Strategische Rohrintegrität.

Natürlich arbeiten lokale, regionale und landesweite Behörden bereits zusammen. Aber das klingt nicht dramatisch genug. „Zusammenarbeit“ ist kein gutes Schlagwort. „Einschreiten!“ – das ist stark. Das ist Action. Das klingt nach jemandem, der mit einem goldenen Schraubenschlüssel vor dem Fluss steht und ruft: „Ich werde das reparieren! Persönlich!“

Und ich, Ronald Tramp, sage euch: Nichts ist politisch so ergiebig wie ein stinkender Fluss. Man kann ihn riechen, man kann ihn sehen, man kann ihn fotografieren. Es ist das perfekte Symbol. Der Fluss als Metapher für den Zustand der Nation. Fließt er klar? Oder braucht er dringend einen Luftreiniger?

Man stelle sich die Szene vor: Touristen stehen am Ufer, schauen auf das Wasser, schnuppern – und plötzlich beginnt das große Rätselraten. „Ist das Natur? Oder Politik?“ Ein bisschen wie bei Wahlversprechen: Man weiß nie genau, woher es kommt, aber man hofft, dass es bald wieder verschwindet.

Der Präsident will handeln. Was genau geplant ist? Unklar. Aber Unklarheit ist in der Politik kein Mangel, sondern ein Stilmittel. Vielleicht kommt eine große Initiative. Vielleicht ein „Clean River Task Force“. Vielleicht ein Sonderbeauftragter für Duftoptimierung.

Und natürlich wird das Ganze zur Frage der Führung. Wer hat es zugelassen? Wer hat es übersehen? Wer hat nicht schnell genug reagiert? In Washington ist selbst ein Rohrbruch ein ideologisches Statement.

Dabei ist die Absurdität herrlich: Ein technischer Defekt wird zum moralischen Versagen erklärt. Als hätte jemand absichtlich beschlossen: „Heute kippen wir mal ein bisschen extra Abwasser in den Fluss.“

Und doch – der Potomac fließt weiter. Er ist geduldig. Er hat Kriege gesehen, Skandale, Amtseinführungen, Proteste. Und jetzt auch einen besonders unglücklichen Sanitärmoment. Er wird auch das überstehen.

Aber politisch? Oh, politisch wird das nachhallen. Es wird Posts geben. Pressekonferenzen. Vielleicht sogar symbolische Wasserproben mit dramatischem Blick in die Kamera. „Sehen Sie sich das an!“ – sagt jemand und hält ein Glas hoch. Hoffentlich durchsichtig.

Ich stelle mir vor, wie die Katastrophenhilfe mit ernstem Gesicht am Ufer steht. Karten werden ausgerollt. Pfeile eingezeichnet. „Hier floss es rein. Hier reparieren wir. Hier machen wir ein Foto.“

Und irgendwo, in einem ruhigen Büro, sitzt ein Ingenieur und denkt sich: „Es war nur ein Rohr.“ Aber in Washington gibt es kein „nur“. Alles ist historisch. Alles ist dramatisch. Alles ist ein Statement.

Der Präsident sieht ein Katastrophengebiet. Andere sehen einen technischen Zwischenfall. Ich sehe vor allem eine Bühne. Und auf dieser Bühne spielen alle ihre Rollen mit Leidenschaft.

Am Ende wird das Rohr repariert sein. Die Umgehungsleitung läuft. Das Wasser klärt sich. Und der Potomac atmet auf. Doch die Schlagzeilen? Die bleiben. Und vielleicht lernt Washington eine wichtige Lektion: In einer Stadt, in der ständig heiße Luft produziert wird, sollte man zumindest die Abwasserleitungen im Griff haben.

Ronald Tramp verabschiedet sich für heute – mit einem Rat: Wenn das Wasser trüb ist, prüfen Sie zuerst das Rohr. Und erst dann die Parteizugehörigkeit.