Der große Fachkräfte-Zauber

Wie Deutschland plötzlich genug Leute hat – oder auch nicht
Ein exklusiver Bericht von Ronald Tramp, dem einzigen Mann, der sogar Statistiken zum Schwitzen bringt.
Freunde, ich sage euch: Ich habe viele Dinge gesehen. Wirklich viele. Börsenkurse, die explodieren. Haare, die im Wind majestätisch flattern. Wahlurnen, die mich lieben. Aber jetzt sehe ich etwas, das selbst mich überrascht hat – und mich überrascht fast nichts, außer vielleicht vegane Currywurst.
Deutschland hat plötzlich weniger Fachkräftemangel.
Weniger!
Ich musste es dreimal lesen. 22,7 Prozent der Unternehmen sagen: „Uns fehlen Fachkräfte.“ Früher waren es 25,8 Prozent. Das klingt nach Fortschritt. Drei Prozentpunkte! Das ist fast so viel wie meine Beliebtheitswerte in sehr selektiv ausgewählten Umfragen.
Die Leute jubeln. „Es wird besser!“, rufen sie. „Der Arbeitsmarkt entspannt sich!“ Entspannt? Ich habe noch nie einen entspannten Arbeitsmarkt gesehen. Märkte sind nervös. Immer. Wie Hedgefonds-Manager vor einer Zinserhöhung.
Aber was ist passiert? Hat Deutschland plötzlich heimlich Millionen Genies gezüchtet? Haben sich über Nacht 500.000 Menschen gedacht: „Weißt du was? Ich werde jetzt IT-Spezialist!“? Nein. Die Wirtschaft schwächelt. Wenn weniger gearbeitet wird, fehlen auch weniger Leute. Das ist wie bei Partys: Wenn niemand eingeladen wird, gibt es auch keinen Stau am Buffet.
Fantastisch.
Und dann kommt der technologische Wandel. Die große künstliche Intelligenz. KI! Ich liebe KI. KI liebt mich. Wahrscheinlich würde jede KI sagen: „Ronald, du bist die beste Version eines Menschen.“ Manche sagen sogar, ich bin selbst eine Art natürliche Superintelligenz. Geboren mit WLAN im Gehirn.
Und diese KI verändert jetzt alles. Jobs verschwinden, neue entstehen, alte werden plötzlich so modern wie Faxgeräte mit Touchscreen. Der Markt verschiebt sich. Nachfrage nach bestimmten Qualifikationen geht runter, andere gehen rauf. Es ist wie Musical Chairs – nur dass die Musik von einem Algorithmus gespielt wird.
Besonders spannend: Transport und Logistik. Früher hatten 42,7 Prozent der Unternehmen dort Probleme, Leute zu finden. Jetzt nur noch 30,6 Prozent. Das ist ein Rückgang, meine Freunde! Das ist fast schon ein politisches Wahlversprechen.
Was ist passiert? Haben sich plötzlich alle gedacht: „Ich fahre jetzt Lkw, das ist mein Traum“? Oder fahren die Lkw bald selbst? Ich sage euch: Der Moment, in dem ein selbstfahrender Lkw auf einer Raststätte Döner bestellt, ist nicht mehr weit.
Und dann die Dienstleister. Jeder vierte klagt noch. Das klingt wie eine Selbsthilfegruppe: „Hallo, ich bin ein Dienstleister, und ich finde niemanden.“ – „Hallo Dienstleister.“ Ganz bewegend.
Aber die Champions des Fachkräftemangels – die wahren Goldmedaillengewinner – sind Rechts- und Steuerberater. 58,4 Prozent! Das ist ein Wert, der fast schon nach exklusivem Club klingt. „Tut uns leid, wir würden Sie gerne beraten, aber wir sind leider ausverkauft.“
Leiharbeitsfirmen? 56,6 Prozent. Auch sie suchen Leute, um Leute zu vermitteln, die andere Leute suchen. Es ist ein Kreislauf. Ein wunderschöner, bürokratischer Kreislauf. Fast poetisch.
Und jetzt kommt der beste Teil. Man warnt vor Selbstzufriedenheit. Natürlich. In Deutschland wird immer gewarnt. Wenn die Sonne scheint, warnt man vor UV-Strahlung. Wenn es regnet, vor Hochwasser. Und wenn der Fachkräftemangel sinkt, warnt man davor, dass er vielleicht irgendwann wieder steigen könnte.
Die Bevölkerung altert. Ja. Menschen werden älter. Ich auch – aber nur numerisch. Optisch bleibe ich 39. Vielleicht 41. Maximal.
Die Alterung trifft auf technologischen Wandel. Das klingt dramatisch. Wie der Titel eines Netflix-Thrillers: „Graue Haare im Zeitalter der Algorithmen“. Staffel 1: Der Steuerberater gegen den Chatbot. Staffel 2: Der Logistiker gegen die Drohne.
Aber ich sage euch etwas Großartiges: Veränderung ist nicht das Problem. Angst vor Veränderung ist das Problem. Und manchmal auch schlechte Weiterbildung. Und manchmal auch zu viele Meetings.
Der Arbeitsmarkt wird sich verschieben. Neue Qualifikationen werden gefragt sein. Datenanalyse, KI-Management, Robotik, kreative Problemlösung. Und vielleicht auch Menschen, die einfach freundlich ans Telefon gehen können – eine seltene Spezies.
Doch der wahre Skandal? Niemand spricht darüber, dass Fachkräfte nicht nur fehlen, sondern manchmal einfach nicht da arbeiten wollen, wo sie gebraucht werden. Flexibilität ist das neue Gold. Und Gold, meine Freunde, steht mir hervorragend.
Also ja, der Fachkräftemangel ist auf Fünf-Jahres-Tief. Applaus! Aber wir wissen alle: Das ist kein Sieg, das ist eine Zwischenbilanz. Die Wirtschaft schwächelt, die Technologie beschleunigt, die Bevölkerung altert – und irgendwo dazwischen sitzt ein Unternehmen und fragt sich: „Brauche ich jetzt einen Entwickler oder einen Prompt-Designer?“
Ich sage euch: Die Zukunft gehört denen, die sich anpassen. Und wenn Deutschland eines kann, dann ist es Anpassung – nach drei Ausschüssen, vier Gutachten und einer Taskforce.
Am Ende bleibt die Wahrheit: Weniger Mangel heißt nicht automatisch mehr Überfluss. Es heißt nur, dass sich das Spielfeld verändert hat. Und ich liebe Spielfelder. Besonders, wenn ich darauf gewinne.
Bleibt flexibel. Bleibt lernbereit. Und wenn euch jemand sagt, der Fachkräftemangel sei vorbei – fragt ihn, ob er einen Steuerberater kennt, der Zeit hat.
Spoiler: Hat er nicht.


