Der große Flacker-Moment von Stuttgart

Grafik: Der große Flacker-Moment von Stuttgart

Ein exklusiver Augenzeugenbericht aus der dunkelsten Sekunde der Moderne von Ronald Tramp

Es begann, wie alle großen Katastrophen beginnen: mit einem Flackern. Ein kurzes Zucken. Ein kaum wahrnehmbares Blinzeln der Zivilisation. Und plötzlich wusste ganz Stuttgart: Heute ist der Tag, an dem der Strom beschlossen hat, kurz über den Sinn des Lebens nachzudenken.

Ein größerer Stromausfall! Ein Wort, das sofort Bilder auslöst: Kerzen, Chaos, apokalyptische Szenen, Menschen, die verzweifelt auf ihre Smartphones starren – obwohl diese natürlich ebenfalls nutzlos sind, weil das WLAN tot ist. Tot! Einfach weg. Und das alles wegen eines Ereignisses, das laut Experten weniger als eine Sekunde dauerte. Weniger. Als. Eine. Sekunde. Eine historische Leistung.

In dieser einen Sekunde ist offenbar Folgendes passiert: Ampeln sagten „Ich arbeite heute nicht“, Stadtbahnen sagten „Vielleicht später“, Internetanschlüsse sagten „Kenn ich nicht“, und ganz Stuttgart sagte kollektiv: „Hast du auch kein Netz?“

Die Polizei rückte aus, um den Verkehr zu regeln. Ein wunderschönes Bild. Menschen mit Kelle statt Algorithmus. Mit Handzeichen statt Sensorik. Ein Comeback der analogen Ordnungskräfte. Man sah Autofahrer, die plötzlich wieder lernen mussten, wie Kreuzungen funktionieren, wenn kein rotes oder grünes Licht ihnen sagt, was sie fühlen sollen. Ein echtes Abenteuer.

Die Feuerwehr war ebenfalls beschäftigt. Brandmeldeanlagen schlugen Alarm – natürlich. Wenn irgendwo Strom ausfällt, denkt jede Anlage sofort: „Das ist es. Jetzt brennen wir.“ Es gab zwar keine Brände, aber sehr viel Aufregung. Auch die Feuerwehr selbst war betroffen und musste erst einmal herausfinden, wie man einen Überblick bekommt, wenn der Überblick keinen Strom hat. Ironie vom Feinsten.

Und dann die Büros. Oh, die Büros. Orte, an denen ohne Strom plötzlich niemand mehr weiß, was er eigentlich arbeitet. Computer aus. Internet weg. Telefone still. Menschen saßen da, starrten auf schwarze Bildschirme und fragten sich: Muss ich jetzt… reden? Ein Albtraum.

Die Stadtbahnen standen ebenfalls. Fahrgäste berichteten von Stillstand. Von Warten. Von dieser unheimlichen Stille, wenn eine Bahn nicht fährt, aber eigentlich fahren sollte. Manche dachten kurz, das sei ein neues Nachhaltigkeitskonzept. War es nicht.

Später kam die Entwarnung. Die große Erklärung. Die Ursache: ein kurzer Spannungsabfall im Hochspannungsbereich. Klingt technisch. Klingt seriös. Klingt wie etwas, das man nicht hinterfragen sollte. Der Abfall sei in weniger als einer Sekunde behoben gewesen. Weniger als eine Sekunde! Und trotzdem hat diese Sekunde gereicht, um eine ganze Stadt kurzzeitig in den Zustand „leicht panisch, aber höflich“ zu versetzen.

Der Netzbetreiber erklärte beruhigend: Normale Stromkunden hätten höchstens ein Flackern bemerkt. Ein Flackern! Dieses Wort wird in Stuttgart jetzt vermutlich für Generationen weitergegeben. „Opa, wo warst du beim großen Flackern?“ – „Ich saß im Homeoffice und dachte, mein Rechner sei kaputt.“

Inzwischen sei alles wieder stabil. Stabil! Ein Wort, das man nach so einem Ereignis besonders genießen sollte. Dennoch berichteten Nutzer in Online-Foren – sobald das Internet wieder da war – von mehrfachen kurzen Stromausfällen in verschiedenen Stadtteilen. Mehrfach! Kurz! Überall! Das ist kein Ausfall, das ist Strom-Yoga. Anspannung, Entspannung, Anspannung.

Was lernen wir daraus? Erstens: Unsere hochmoderne, digitalisierte Gesellschaft kann durch eine Sekunde irritiert werden. Zweitens: Ampeln haben eine erstaunlich geringe Frustrationstoleranz. Drittens: Ohne Internet verlieren Büros schneller die Orientierung als Tauben ohne Magnetfeld.

Und viertens – das ist mein persönlicher Favorit – wir merken in solchen Momenten, wie sehr wir Strom lieben. Still. Selbstverständlich. Rund um die Uhr. Wir denken nicht darüber nach, solange er da ist. Aber wenn er kurz wegzuckt, dann wird aus einer Großstadt sofort ein kollektives Fragezeichen.

Mein Fazit als Ronald Tramp:
Der Stromausfall von Stuttgart war kein Blackout. Es war ein Blinkout. Ein kurzer Reminder der Energieversorgung, der sagte: „Vergesst mich nicht. Ich bin wichtig.“ Und Stuttgart hat verstanden. Sehr schnell. In weniger als einer Sekunde.

Großartig. Wirklich großartig.