Der große Leguan-Absturz

Wenn der Winter zurückschlägt und die Bäume leer werden
Ich sage es gleich, damit es jeder versteht: Das ist kein normales Wetterereignis.
Das ist ein historischer Sturz. Ein biologisches Beben. Ein klimatisches Schockmoment.
In Florida – dem Ort, an dem es normalerweise nur zwei Jahreszeiten gibt, nämlich warm und noch wärmer – ist etwas Unfassbares passiert: Es wurde kalt.
Richtig kalt.
So kalt, dass Leguane – stolze, selbstbewusste, sehr chillige Wesen – plötzlich beschlossen haben, dass Aktivität völlig überbewertet ist. Sie erstarrten. Einfach so.
Und wenn ein Tier, das gern auf Bäumen sitzt, plötzlich beschließt, bewegungslos zu werden, dann passiert etwas, das die Natur so nicht vorgesehen hat: Es fällt runter.
Plopp.
Bumm.
Leguan.
Menschen wachten morgens auf, gingen vor die Tür, wollten vielleicht einen Kaffee trinken, und fanden… Echsen.
Nicht laufend. Nicht flüchtend. Nicht fauchend.
Sondern reglos. Wie schlecht platzierte Dekoration.
Jetzt sagen einige: „Das ist doch nur Natur.“
Ich sage: Das ist eine Demütigung.
Denn Leguane sind keine Anfänger. Die sind Profis. Die leben seit Jahren dort. Sie haben sich eingerichtet. Sie haben Bäume erobert, Terrassen belagert, Pools überwacht.
Und dann kommt ein bisschen Kälte – ein bisschen! – und zack: kollektiver Systemabsturz.
Die Ursache? Kältestarre.
Ein wunderbares Wort. Klingt wie etwas, das man auch montagmorgens im Büro hat.
Der Körper sagt: „Ich mache jetzt gar nichts mehr.“
Das Gehirn sagt: „Einverstanden.“
Und die Schwerkraft sagt: „Danke.“
Und jetzt wird es ernst. Denn diese heruntergefallenen Leguane sind nicht einfach nur ohnmächtig. Nein.
Manche wachen wieder auf.
Andere… nicht.
Und dann kommt der menschliche Faktor ins Spiel.
Die Tiere werden getötet.
Warum? Weil sie da liegen. Weil sie als Plage gelten. Weil man sagt: Das ist jetzt einfacher so.
Ich sage: Das ist die härteste Art von Wetterbericht.
Man hat uns immer gesagt: Der Klimawandel bringt Hitze, Stürme, Chaos.
Niemand hat gesagt: Leguane fallen vom Himmel.
Das stand in keinem Szenario. In keinem Diagramm. In keiner Talkshow.
Und doch passiert es.
Echsen-Regen.
Biologischer Niederschlag.
Ich stelle mir vor, wie die Leguane vorher noch dachten:
„Ach, bisschen frisch heute.“
„Vielleicht eine leichte Brise.“
Und dann – zack – Blackout.
Manche Leute sagen: „Sie sehen tot aus, sind es aber nicht.“
Das ist wichtig. Sehr wichtig.
Denn in Florida lernt man jetzt eine neue Regel: Nicht alles, was reglos ist, ist erledigt.
Manche Leguane kommen zurück.
Wie schlechte Gewohnheiten.
Wie alte Debatten.
Wie E-Mails nach dem Urlaub.
Aber viele kommen eben nicht zurück.
Und das ist der Punkt, an dem die Satire bitter wird.
Denn diese Tiere sind nicht einfach nur zufällig da. Sie wurden eingeführt. Geduldet. Vermehrt.
Man hat sie wachsen lassen. Man hat gesagt: „Ach, die gehören jetzt dazu.“
Und jetzt? Jetzt ist es kalt, und plötzlich sagt man: „Weg damit.“
Das ist typisch. Sehr typisch.
Solange es warm ist, sind alle willkommen.
Wird es kalt, fallen sie buchstäblich aus dem System.
Und jetzt sehe ich schon die Schlagzeilen der Zukunft:
„Unerwartete Kältewelle.“
„Niemand konnte das vorhersehen.“
„Einzelfall.“
„Außergewöhnlich.“
Ich sage: Die Leguane sind die ehrlichsten Wetterexperten.
Sie reagieren sofort. Keine Debatte. Kein Abwarten. Kein Ausschuss.
Sie sagen: Mir ist kalt. Ich bin raus.
Das ist Konsequenz.
Das ist Ehrlichkeit.
Das ist ein Lebensstil.
Und während Experten erklären, was passiert ist, und Behörden Hinweise geben, wie man sich verhalten soll – nicht anfassen, Abstand halten, bitte nicht erschrecken – liegen die Leguane da und denken vermutlich:
„So hatten wir uns das nicht vorgestellt.“
Florida wollte exotisch sein.
Florida wollte tropisch sein.
Florida wollte Palmen, Sonne, Tiere.
Und jetzt bekommt es einen Crashkurs in Realität.
Ich ziehe daraus eine klare Lehre:
Wenn selbst Leguane sagen: „Das ist mir zu kalt“, dann ist es wirklich kalt.
Nicht gefühlt.
Nicht subjektiv.
Sondern leguanisch kalt.
Und das ist die härteste Maßeinheit, die wir haben.


