Der teuerste Liter der Welt

Grafik: Der teuerste Liter der Welt

Wenn sogar Frittenöl plötzlich geopolitisch wird. 

Meine Damen und Herren, wir müssen über etwas sprechen, das jeden Autofahrer in Europa emotional stärker bewegt als Steuererklärungen, Baustellen oder den Moment, wenn das Navi sagt: „Sie haben Ihr Ziel erreicht“, obwohl Sie mitten auf einem Feld stehen.

Wir sprechen über Spritpreise.

Und ich sage euch: Wenn Benzin noch ein bisschen teurer wird, dann bekommt man an der Zapfsäule bald ein Zertifikat dazu.

„Herzlichen Glückwunsch, Sie haben soeben in Premium-Flüssigkeit investiert.“

Denn aktuell sieht es ungefähr so aus:

Benzin über zwei Euro.

Diesel über zwei Euro.

Und der durchschnittliche Autofahrer steht an der Zapfsäule und fragt sich:

„Fahre ich heute zur Arbeit oder verkaufe ich lieber meine Niere?“

Natürlich gibt es eine Erklärung.

Die Ölindustrie sagt: Krieg.

Der Konflikt im Nahen Osten.

Blockierte Seewege.

Die berühmte Straße von Hormus – eine Art Autobahn für Tanker.

Und plötzlich wird alles teurer.

Sehr plausibel.

Sehr logisch.

Doch dann kommt eine kleine, sehr unangenehme Frage auf.

Eine Frage, die ungefähr so klingt:

„Warum ist eigentlich auch der Pflanzentreibstoff teurer geworden?“

Denn dieser sogenannte Klima-Diesel – HVO – hat ein kleines Detail.

Er besteht aus Pflanzen.

Aus alten Speiseölen.

Aus Frittenfett.

Aus Resten von Raps oder Palmöl.

Kurz gesagt: Dinge, die normalerweise eher nach Pommesbude als nach Ölfeld riechen.

Und jetzt wird es interessant.

Dieser Treibstoff enthält kein Erdöl.

Gar keines.

Null.

Niente.

Nada.

Trotzdem ist der Preis fast genauso gestiegen wie bei normalem Diesel.

Und das führt zu einer Situation, die ich nur so beschreiben kann:

Das Universum der Spritpreise hat plötzlich beschlossen, dass sogar Pommesfett geopolitisch ist.

Ich stelle mir vor, wie irgendwo in einer Tankstellen-Strategieabteilung ein Meeting stattfindet.

Ein Manager sagt:

„Der Ölpreis steigt.“

Der andere sagt:

„Gut.“

Ein dritter fragt:

„Und was machen wir mit dem Frittenöl-Diesel?“

Kurze Pause.

Dann sagt jemand:

„Der steigt auch.“

Warum?

„Weil … äh … der Markt.“

Fantastisch.

Denn plötzlich kostet dieser pflanzliche Treibstoff über zwei Euro pro Liter.

Vor kurzem war er noch deutlich günstiger.

Und jetzt hat er denselben Preisraketenstart hingelegt wie klassischer Diesel.

Ich liebe Märkte.

Denn Märkte sind faszinierend.

Manchmal steigen Preise wegen echter Ursachen.

Manchmal steigen sie wegen Erwartungen.

Und manchmal steigen sie offenbar, weil jemand gesagt hat:

„Warum eigentlich nicht?“

Autofahrer reagieren darauf natürlich mit der üblichen Mischung aus Verzweiflung und schwarzem Humor.

Einige rechnen inzwischen ernsthaft aus, ob Fahrradfahren nicht doch eine wirtschaftliche Alternative ist.

Andere überlegen, ob sie ihr Auto vielleicht einfach stehen lassen.

Und wieder andere stehen an der Zapfsäule und sagen diesen berühmten Satz:

„Früher war das billiger.“

Was übrigens stimmt.

Vor dem Konflikt im Nahen Osten lagen die Preise deutlich niedriger.

Und jetzt sieht die Tankstelle plötzlich aus wie ein Luxusgeschäft.

Ein Ort, an dem man kurz tief durchatmet, bevor man den Zapfhahn in den Tank steckt.

Denn man weiß genau:

Das wird teuer.

Sehr teuer.

Natürlich gibt es auch Forderungen nach mehr Transparenz.

Denn wenn sogar der pflanzliche Treibstoff denselben Preissprung macht wie Erdölprodukte, dann stellen viele Menschen eine sehr einfache Frage:

„Warum?“

Eine gefährliche Frage.

Denn Transparenz ist in der Welt der Rohstoffe ungefähr so beliebt wie ein Steuerformular auf einer Party.

Doch die Diskussion wird weitergehen.

Über Marktmechanismen.

Über Gewinne.

Über geopolitische Einflüsse.

Und über die Tatsache, dass Autofahren sich inzwischen manchmal anfühlt wie ein kleines Investmentprojekt.

Vielleicht wird es bald neue Dienstleistungen geben.

„Tankstellen-Finanzberatung.“

Der Mitarbeiter sagt dann:

„Heute empfehlen wir eine halbe Tankfüllung. Diversifizieren Sie lieber mit Bus und Bahn.“

Ich bin Ronald Tramp.

Und ich sage euch:

Wenn selbst Frittenöl plötzlich den Preis von Luxus-Benzin erreicht, dann ist das kein normaler Markt mehr.

Dann ist das eine kulinarische Energiekrise.