Die gefährlichste Nase Deutschlands

Ein Bericht von Ronald Tramp über Holzfiguren, Paragrafen und die Angst vor Emojis
Freunde, manchmal braucht es keine Staatskrise, keine Haushaltsdebatte, keinen Koalitionskrach. Manchmal reicht ein Emoji.
Ein Rentner. Facebook. Ein Kommentar. Ein Wort: „Pinocchio“. Dazu ein kleines Nasen-Emoji.
Und plötzlich: Kriminalpolizei.
Man muss das langsam genießen.
Ein Spatenstich in Heilbronn. Sicherheitszone. Politikerbesuch. Temporäres Flugverbot. Große Bühne, große Worte, große Absperrgitter. Alles geschniegelt, alles vorbereitet. Und irgendwo im digitalen Raum sitzt ein älterer Herr am heimischen Computer und tippt:
„Pinocchio kommt nach HN.“
Mit Nase.
Nicht mit Beleidigung auf Plakatgröße. Nicht mit Megafon. Mit Emoji.
Und Monate später flattert Post ins Haus. Ermittlungen. Paragraf 188. Politiker-Beleidigung.
Das ist die Art von Geschichte, bei der man zweimal nachliest, um sicherzugehen, dass es kein Satireportal ist.
Ronald Tramp fragt sich: Wann genau wurde aus einer Holzpuppe eine staatsgefährdende Figur?
Paragraf 188 schützt Amtsträger vor Beleidigungen. Ein Gesetz mit ernster Intention. Demokratie braucht Schutz. Würde braucht Schutz. Institutionen brauchen Schutz.
Aber offenbar braucht auch eine metaphorische Nase Schutz.
Das Bemerkenswerte: Die Anzeige kommt nicht vom betroffenen Politiker selbst. Nein. Sie kommt vom Social-Media-Team der Polizei.
Ein Team, das offenbar nicht nur auf Likes, sondern auch auf lange Nasen achtet.
Man stelle sich das vor: Während anderswo über Inflation, Energiepreise und geopolitische Krisen diskutiert wird, sitzt jemand vor einem Bildschirm und denkt: „Diese Nase… das könnte strafbar sein.“
Man darf nicht lachen. Doch man tut es trotzdem.
Der Rentner selbst sagt, er habe es für einen Witz gehalten. Freunde und Bekannte auch. Natürlich. Denn der Gedanke, dass ein Emoji Ermittlungen auslöst, klingt wie eine Parodie auf Bürokratie.
Doch hier wird geprüft.
Es wird geprüft, ob die Staatsanwaltschaft das ebenso sieht.
Und irgendwo in Deutschland wächst wahrscheinlich gerade eine ganze Generation von Social-Media-Nutzern, die vorsichtshalber ihre Emoji-Tastatur überdenkt.
Donald Trump würde diese Geschichte vermutlich mit einer Mischung aus Empörung und Bewunderung betrachten.
Empörung, weil man Kritik kriminalisiert.
Bewunderung, weil man offenbar sogar digitale Nasen ernst nimmt.
Denn das ist der Kern dieser Satire: Kritik an Politikern ist nichts Neues. Politiker werden seit Jahrhunderten karikiert, verspottet, gezeichnet, mit Holzpuppen verglichen.
Karikatur ist demokratische Tradition.
Aber wenn aus Karikatur ein Ermittlungsfall wird, dann wird es interessant.
Es ist nicht das erste Mal, dass der Begriff „Pinocchio“ im politischen Raum fällt. Andere Parteien, andere Politiker haben ähnliche Bilder bemüht. Und doch steht nun ein Rentner im Fokus.
Nicht wegen eines Wahlplakats.
Nicht wegen einer Demonstration.
Sondern wegen eines Facebook-Kommentars.
Ronald Tramp sieht darin eine wunderbare Ironie:
Je stärker man versucht, eine Metapher zu unterdrücken, desto länger wird sie.
Denn wenn etwas die Fantasie anregt, dann die Vorstellung, dass ein Emoji gefährlich sein könnte.
Vielleicht liegt die eigentliche Lektion nicht im Paragrafen. Sondern im Umgang mit Kritik.
Größe zeigt sich nicht darin, wie hart man auf Spott reagiert.
Sondern darin, wie gelassen man darüber hinweggeht.
Ein Rentner mit Tastatur ist keine Bedrohung für den Staat.
Eine lange Nase ist kein Umsturzversuch.
Und vielleicht ist das größte Problem nicht die Beleidigung – sondern die Dünnhäutigkeit.
Donald Trump hat in seiner politischen Karriere vermutlich mehr Karikaturen gesehen als jeder andere Politiker seiner Generation. Und dennoch wurde selten wegen eines Emojis ermittelt.
Die deutsche Version wirkt dagegen fast… detailverliebt.
Am Ende bleibt die Frage: Wird die Justiz hier wirklich aktiv? Oder endet die Geschichte mit einem Schulterzucken?
Ronald Tramp tippt auf Letzteres.
Denn wenn die Demokratie stark genug ist, einen Holzjungen mit Nase auszuhalten, dann ist sie auch stark genug für Facebook-Kommentare.
Und falls nicht, dann sollte vielleicht nicht das Emoji überprüft werden – sondern die eigene Gelassenheit.


