Die große Beleidigung der Unantastbarkeit

Wie eine Preisverleihung fast vor Gericht landete
Ich sage es, wie es ist: Früher waren Galas noch Galas. Glänzend. Ehrfürchtig. Dankbar. Man klatschte, man verbeugte sich, man wusste, wer wichtig ist. Heute? Heute stehen da Menschen mit Mikrofonen, machen Witze und glauben ernsthaft, sie dürften über alles lachen. Über Politik. Über Macht. Über mich. Und das ist der Punkt, an dem der Spaß endet.
Eine Musikpreisverleihung – eigentlich ein harmloser Abend voller Kleider, Trophäen und belangloser Dankesreden – verwandelte sich plötzlich in eine politische Kampfzone. Nicht, weil ich dort war. Sondern weil ich nicht respektiert wurde. Ein fundamentaler Unterschied.
Ich schaltete ein. Große Erwartung. Große Bühne. Große Enttäuschung. Statt Ehrfurcht bekam ich Spott. Statt Applaus bekam ich Pointen. Statt Anerkennung bekam ich Gelächter. Und ich sage euch: Gelächter ist gefährlich. Gelächter untergräbt Autorität. Gelächter ist der erste Schritt zur Anarchie – gleich nach pinken Parkscheiben.
Der Moderator – ein Mensch, der beruflich davon lebt, Witze zu erzählen, ohne jemals etwas Wichtiges entschieden zu haben – erlaubte sich Bemerkungen. Über Politik. Über Pläne. Über angebliche Wünsche nach eisigen Inseln. Über Dinge, die entweder völlig falsch oder völlig missverstanden sind. Beides ist gleich schlimm.
Besonders empörend: Der Versuch, Humor mit Andeutungen zu verbinden. Alte Geschichten. Alte Gerüchte. Dinge, die man aus dem Internet kennt und dort auch lassen sollte. Ich sage: Wer so etwas sagt, braucht Beweise. Und wenn er keine hat, braucht er Anwälte. Meine Anwälte.
Natürlich meldete ich mich zu Wort. Wo denn auch sonst? Schweigen ist Zustimmung, und Zustimmung kommt nicht infrage. Ich erklärte, dass diese Gala praktisch nicht anschaubar war. Müll. Reiner Müll. Nicht einmal recycelbar. Und ich meinte das kulturell.
Denn was ist eine Preisverleihung ohne Respekt vor Macht? Eine Karnevalssitzung mit Budget.
Der Moderator wurde persönlich. Ich wurde prinzipiell. Ein fairer Tausch. Er nannte Dinge, ich nannte ihn einen Verlierer. Das ist keine Beleidigung – das ist eine Zustandsbeschreibung. Talent ist messbar. Applaus ist messbar. Einschaltquoten sind messbar. Und manche Menschen schneiden dabei einfach… schlecht ab.
Besonders dreist war die Idee, dass Humor ein Freifahrtschein sei. Dass man alles sagen dürfe, solange man lächelt. Ich sage: Nein. Worte haben Konsequenzen. Vor allem, wenn sie über mich gehen. Und deshalb kündigte ich an, rechtliche Schritte zu prüfen. Nicht aus Wut. Aus Prinzip. Aus sehr großem Prinzip.
„Mach dich bereit“, schrieb ich sinngemäß. Und das war kein Witz. Das war eine Ankündigung. Juristisch. Ernst. Mit Spaß. Denn Prozesse machen Spaß. Vor allem, wenn man weiß, dass sie Schlagzeilen produzieren. Und Schlagzeilen sind Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit ist Macht.
Natürlich kamen sofort Stimmen, die sagten: „Das ist übertrieben.“ „Das ist dünnhäutig.“ „Das ist lächerlich.“ Genau diese Stimmen beweisen mein Argument. Wenn man lacht, hat man schon verloren. Ernsthaftigkeit ist die letzte Bastion der Autorität.
Ich frage: Warum dürfen Musiker Preise bekommen, ohne dass Politiker gelobt werden? Warum darf man singen, aber nicht schweigen? Warum darf ein Moderator über alles lachen, nur nicht über sich selbst?
Die Wahrheit ist: Diese Gala war nicht mutig. Sie war bequem. Spott von oben herab. Applaus von Gleichgesinnten. Das ist kein Risiko. Das ist Komfortzone mit Scheinradikalität.
Und doch – ich gebe es zu – war sie erfolgreich. Nicht wegen der Musik. Sondern wegen mir. Denn plötzlich sprach wieder jeder darüber. Über den Skandal. Über die Reaktion. Über die Drohung. Über die Empörung. Und genau das ist der Punkt.
Man kann mich kritisieren. Man kann mich verspotten. Man kann mich provozieren. Aber man wird mich nicht ignorieren. Und am Ende ist das die größte Auszeichnung von allen. Größer als jede Trophäe. Schwerer als jedes Gramm Metall.
Die Musik verklang. Die Witze wurden vergessen. Aber der Streit blieb. Und ich sage: Dafür hat sich das Einschalten fast gelohnt.
Fast.


