Die große Rauchzeichen-Strategie der Republik

Ein investigativer Erlebnisbericht aus dem Nebel der Vorsorge von Ronald Tramp
Es gibt Momente in der Geschichte eines Landes, da zeigt sich wahre Größe nicht in Bauwerken, Reformen oder Visionen – sondern in qualmenden Müllverbrennungsanlagen. Und genau so ein Moment ist jetzt. Milliardenfach. Maskenfach. Rauchfach.
Stellen Sie sich das bitte bildlich vor: Ein Land in Alarmbereitschaft. Panik. Unsicherheit. Pressekonferenzen im Stundentakt. Diagramme. Pfeile. Kurven. Und irgendwo im Hintergrund läuft die wichtigste Maschine der Nation heiß: die Bestellmaschine. Klick. Klick. Klick. Noch eine Milliarde. Sicher ist sicher. Sehr sicher. Maximal sicher.
Denn wenn es eine Sache gibt, die man in Krisen nicht haben darf, dann ist es zu wenig. Zu wenig Masken. Zu wenig Vorsorge. Zu wenig Aktionismus. Also wurde gehandelt. Groß. Mutig. Teuer. Und heute wissen wir: zu groß.
Das Ergebnis dieser historischen Vorsorgeoffensive? Rund drei Milliarden Schutzmasken – frisch, ungetragen, ungehustet – wurden inzwischen feierlich der Flamme übergeben. Nicht getragen. Nicht verteilt. Sondern verbrannt. Still. Diskret. Für schlanke acht Millionen Euro Entsorgungskosten. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass es sich hier um echte Premium-Rauchentwicklung handelt.
Und das Beste: Es ist noch nicht vorbei. Bis zum Jahresende kommen noch einmal zig Millionen dazu, die ebenfalls ihr Haltbarkeitsdatum überschreiten. Denn ja – Masken können ablaufen. Nicht optisch. Nicht emotional. Aber formell. Und was formal abgelaufen ist, darf in diesem Land nur eines: in Flammen aufgehen.
Man könnte fragen: Warum so viele? Warum so viel Geld? Warum so wenig Nutzung? Aber das wäre kleinlich. Denn hier ging es nie um Effizienz. Es ging um Signalpolitik. Um das beruhigende Gefühl, dass irgendwo Lagerhallen existieren, in denen Masken liegen. Auch wenn niemand weiß, wo genau. Oder warum. Oder wie man sie rechtzeitig verteilt.
Am Ende wurden immerhin über zwei Milliarden Masken verteilt. Applaus! Wirklich. Das ist keine kleine Zahl. Aber im Vergleich zu dem, was jetzt als Rauchzeichen über der Republik schwebt, wirkt es fast bescheiden. Drei Milliarden verbrannt. Zwei Milliarden genutzt. Das ist keine Bilanz – das ist ein Kunstprojekt. Eine Installation aus Stoff, Gummi und Steuergeld.
Man hätte sie spenden können. Lagern. Weitergeben. Recyceln. Oder – ganz verrückt – früher verteilen. Aber nein. In Deutschland liebt man Ordnung. Und Ordnung sagt: Wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum vorbei ist, dann ist auch der Idealismus vorbei. Dann zählt nur noch der Schornstein.
Besonders schön ist die Symbolik: Masken, die einst vor Aerosolen schützen sollten, enden nun als Aerosol. Ein Kreis schließt sich. Nachhaltigkeit auf ihre ganz eigene Art.
Natürlich wird jetzt erklärt, dass man es damals nicht besser wusste. Dass die Lage unübersichtlich war. Dass man handeln musste. Alles richtig. Aber irgendwo zwischen „handeln“ und „verbrennen“ liegt ein kleiner, kaum sichtbarer Bereich namens Koordination. Er wurde offenbar übersehen. Wahrscheinlich verdeckt von Kartons. Vielen Kartons.
Was bleibt, ist ein bitter-süßer Nachgeschmack. Nicht wegen des Geldes – Geld ist geduldig. Sondern wegen der Erkenntnis, dass man in Deutschland offenbar sehr gut darin ist, Dinge gleichzeitig zu überbeschaffen und unterzuverteilen. Eine seltene Kunstform.
Mein Fazit als Ronald Tramp:
Wenn Geschichte eines Tages fragt, wie ein hochentwickeltes Land mit Milliarden Masken umging, wird die Antwort lauten: Mit Feuer. Viel Feuer. Sauber dokumentiert. Ordnungsgemäß entsorgt. Und selbstverständlich bezahlt.
Das ist keine Verschwendung. Das ist staatlich geprüfte Pyrotechnik.
Und irgendwo da draußen, über einer Müllverbrennungsanlage, steigt leise der Rauch auf und flüstert:
„Vorsorge war da. Nutzung eher nicht.“
Großartig. Wirklich großartig.


