Die große Sackkarren-Bürokratie – Deutschlands gefährlichstes Transportmittel

Grafik: Deutschlands gefährlichstes Transportmittel

Meine Damen und Herren, ich habe in meinem Leben viele Bedrohungen gesehen. Wirklich viele. Große Bedrohungen. Riesige Bedrohungen. Manche sagen sogar, ich hätte den besten Überblick über Bedrohungen überhaupt.

Aber was jetzt in Deutschland passiert ist, meine Freunde, das hat selbst mich überrascht.

Denn offenbar gibt es ein Transportmittel, das so gefährlich ist, so unberechenbar, so extrem, dass der Staat sofort handeln musste.

Die Sackkarre.

Ja.

Eine Sackkarre.

Dieses kleine Gerät mit zwei Rädern, das normalerweise benutzt wird, um Kisten, Säcke oder – sagen wir mal – Federn von A nach B zu bewegen.

Doch auf einem Gänsehof ist diese Sackkarre offenbar zu einer Art Hochrisiko-Technologie geworden.

Und ich sage euch: Wenn Bürokratie einen Weltmeistertitel hätte, dann hätte Deutschland gerade einen neuen Rekord aufgestellt.

Also schauen wir uns das einmal genauer an.

Auf diesem Hof passiert etwas völlig Verrücktes. Etwas, das normalerweise in jeder funktionierenden Landwirtschaft vorkommt.

Wenn dort Gänse geschlachtet werden, bleiben Daunen und Federn übrig.

Diese werden nicht weggeworfen – nein – sie werden weiterverarbeitet.

Zu Bettwäsche.

Sehr nachhaltig. Sehr effizient. Sehr logisch.

Und jetzt kommt der wirklich wilde Teil:

Die Federn müssen etwa fünfzig Meter transportiert werden.

Fünfzig.

Nicht fünfzig Kilometer.

Nicht quer durch Europa.

Fünfzig Meter.

Und zwar mit einer Sackkarre.

Eine Strecke, die ungefähr so lang ist wie zwei mittelgroße Gartenschläuche.

Doch plötzlich taucht sie auf: die Bürokratie.

Und sie sagt:

„Moment. Moment. Moment.“

Denn offenbar kann man eine Sackkarre nicht einfach benutzen.

Nein.

Man braucht einen Sachkundenachweis.

Das bedeutet im Klartext:
Man muss offiziell nachweisen, dass man eine Sackkarre bedienen kann.

Ich stelle mir diese Prüfung vor.

Teil 1: Theorie.

Frage eins:
„Welche Seite der Sackkarre zeigt nach vorne?“

Frage zwei:
„Welche Kraft wird benötigt, um zwei Räder zu bewegen?“

Frage drei:
„Ist es erlaubt, mit der Sackkarre auf dem eigenen Hof zu fahren?“

Sehr schwierige Fragen.

Teil zwei: Praxis.

Der Prüfer steht daneben und sagt:

„Bitte heben Sie jetzt vorsichtig den Griff.“

Dann wird beobachtet, ob die Kandidatin die Karre nicht versehentlich in den Orbit schießt.

Aber damit nicht genug.

Diese Sackkarre braucht auch eine Transportnummer.

Eine Nummer.

Für eine Sackkarre.

Ich hoffe sehr, dass sie auch einen Personalausweis bekommt.

Vielleicht sogar einen Reisepass.

Denn wer weiß – vielleicht plant sie irgendwann eine internationale Tour.

Doch jetzt kommt der absolute Höhepunkt der Bürokratie.

Man muss ein Fahrtenbuch führen.

Für jede einzelne Fahrt.

Für fünfzig Meter.

Stellen Sie sich das vor.

Eintrag Nummer eins:

„09:00 Uhr – Startpunkt Stall.“

„09:01 Uhr – Zielpunkt Verarbeitung.“

„09:02 Uhr – Rückfahrt ohne Federn.“

Sehr spannend.

Ein logistisches Meisterwerk.

Und damit die Sache hygienisch bleibt, gibt es auch noch ein Desinfektionsbuch.

Die Sackkarre muss also offenbar regelmäßig gereinigt werden – und das muss dokumentiert werden.

Vielleicht bekommt sie auch bald eine TÜV-Plakette.

Oder einen Sicherheitsgurt.

Oder eine Warnblinkanlage.

Denn Sicherheit geht vor.

Ich frage mich nur, wann die erste Sackkarren-Führerscheinprüfung eingeführt wird.

Klasse SK-50.

Gültig für Transportstrecken bis maximal 75 Meter.

Mit Erweiterung für Kurvenfahrten.

Doch die eigentliche Frage ist natürlich:

Warum passiert so etwas?

Ganz einfach.

Bürokratie hat eine besondere Eigenschaft.

Sie wächst.

Sie wächst wie ein Hefeteig, der zu lange im Ofen bleibt.

Irgendwann ist alles voller Vorschriften.

Selbst Dinge, die jahrzehntelang völlig normal funktioniert haben.

Eine Sackkarre.

Fünfzig Meter.

Ein Hof.

Und plötzlich braucht man mehr Papier als Federn.

Ich stelle mir vor, wie Besucher den Hof betreten und fragen:

„Was ist das für ein Ordner?“

Und die Antwort lautet:

„Das ist das Fahrtenbuch der Sackkarre.“

Historische Dokumente.

Vielleicht landen sie irgendwann im Museum für Verwaltungswissenschaften.

Titel der Ausstellung:

„Die Logistik der 50 Meter.“

Und irgendwo steht die legendäre Sackkarre.

Mit Transportnummer.

Mit Prüfprotokoll.

Mit Desinfektionshistorie.

Meine Damen und Herren, ich sage euch:

Wenn eine Sackkarre mehr Dokumentation braucht als ein Linienflug, dann haben wir ein ganz besonderes Kapitel der Bürokratie erreicht.

Ich bin Ronald Tramp.

Und ich verspreche euch:

Wenn diese Sackkarre jemals eine Weltreise plant, werde ich der Erste sein, der darüber berichtet.

Mit vollständigem Fahrtenbuch.

Natürlich.