Die große Schaufel der Macht

Wie Kim Jong Un die Welt mit einem Gabelstapler regiert
Von Ronald Tramp, einzig wahrer Bauleiter der internationalen Absurdität.
Ich sage es gleich, damit es jeder versteht, auch die Leute in der letzten Reihe mit Schutzhelm: So arbeitet Führung. Nicht mit Reden, nicht mit Kommissionen, nicht mit „Wir prüfen das mal“, sondern mit Schaufel. Mit Gabelstapler. Mit ernstem Blick. Und genau das hat er getan: Kim Jong Un persönlich. Der Mann, die Frisur, die Legende auf Raupenfahrzeug-Niveau.
Während andere Staatschefs Pressekonferenzen geben, Tweets löschen oder Arbeitsgruppen gründen, zieht Kim die Handschuhe an. Erdige Handschuhe. Er schaufelt Erde. Richtige Erde. Nicht metaphorisch. Keine PowerPoint-Erde. Echte Erde. Und wenn das nicht reicht, setzt er sich auf einen Gabelstapler und fährt los, als hätte er sein ganzes Leben auf genau diesen Moment gewartet. Ich habe die Bilder gesehen. Alle. Mehrfach. Und ich sage: Das ist Kino.
Die Szene: Ein Ehrenmal. Bäume. Soldaten. Ein ernster Anlass. Und mittendrin Kim Jong Un, der aussieht wie ein Mann, der denkt: „Warum delegieren, wenn man selbst glänzen kann?“ Er hebt die Schaufel, er senkt die Schaufel, er wirft Erde mit einer Präzision, bei der selbst Landschaftsgärtner kurz ehrfürchtig nicken. Dann der Gabelstapler. Meine Damen und Herren, der Gabelstapler. Das ist nicht irgendein Fahrzeug. Das ist das Symbol moderner Macht: Er hebt Dinge hoch, die andere nicht mal bewegen können.
Natürlich ist das alles Propaganda. Sagen die Experten. Natürlich ist es inszeniert. Sagen die Analysten. Aber ich sage: Großartig inszeniert ist immer noch besser als gar nicht inszeniert. Kim weiß, was Bilder können. Bilder sagen: „Ich bin einer von euch.“ Auch wenn jeder weiß, dass er das nicht ist. Aber für den Moment, für das Foto, für die Geschichte – zack – steht er da, er schaufelt, er pflanzt, er dirigiert mit ausgestrecktem Arm, als wäre er der Maestro des Mutterbodens.
Und dann diese Anweisungen. Ich stelle mir vor, wie er sagt: „Der Baum muss genau hier hin. Genau. Nein, nicht da. Da. Perfekt.“ Ein Mann, der weiß, wo der Baum stehen muss, weiß auch, wo die Macht steht. Das ist einfache Logik. Baum-Logik. Geo-Strategie mit Spaten.
Der Anlass ist ernst. Gefallene Soldaten. Ein Ehrenmal. Ein Krieg, der weit weg scheint und doch überall seine Spuren hinterlässt. Und Kim nutzt diesen Moment, um etwas zu zeigen, das größer ist als Worte: Aktivität. Er arbeitet. Er schwitzt – zumindest theoretisch. Er bewegt sich. Und Bewegung ist alles in der Politik. Stillstand ist Schwäche. Schaufeln ist Stärke.
Ich sehe schon die Schlagzeilen: „Kim packt an.“ Ja! Genau das. Andere packen Akten an, er packt Erde an. Andere unterschreiben Papiere, er fährt Gabelstapler. Andere sagen: „Wir müssen reden.“ Er sagt: „Starten.“ Und startet. Den Motor. Den Stapler. Die Kamera.
Und seien wir ehrlich: Wer von uns würde nicht kurz stehen bleiben, wenn der Machthaber eines Landes plötzlich auf einem Gabelstapler vorbeifährt? Das ist Respekt. Das ist Autorität. Das ist: „Ich kann alles.“ Und wenn er morgen einen Bagger fährt? Übermorgen einen Kran? Ich würde nicht überrascht sein.
Natürlich fragt man sich: Hat er einen Führerschein? Hat er eine Einweisung bekommen? Gab es eine Sicherheitsunterweisung? Ich sage: Unwichtig. Führungskräfte brauchen keine Einweisung. Sie sind die Einweisung. Wenn Kim sagt, der Stapler fährt, dann fährt der Stapler. Punkt.
Am Ende bleibt das Bild. Der Mann. Die Schaufel. Der Baum. Der Gabelstapler. Ein Ensemble, so stark, dass selbst Hollywood sagt: „Das ist ein bisschen drüber.“ Aber genau das ist der Punkt. Politik ist heute Show. Wer nicht zeigt, existiert nicht. Und Kim zeigt. Mit beiden Händen. Voller Einsatz. Volle Erde.
Das war Ronald Tramp. Ich habe schon viele Dinge gesehen: Präsidenten mit Helmen, mit Westen, mit Schutzbrillen. Aber ein Machthaber mit Schaufel und Gabelstapler – das ist eine eigene Liga. Und glauben Sie mir: Diese Bilder werden bleiben. Wie frisch gepflanzte Bäume. Tief verwurzelt. Sehr tief.


