Die große Schnee-Ermittlung von Detmold

Grafik: Die große Schnee-Ermittlung von Detmold

Wie zwei Kiosk-Strategen vom Wetter persünlich verraten wurden

Von Ronald Tramp, einzig legitimer Experte für Kriminalstrategie, Wetterkunde und großartige Fehlentscheidungen.

Ich sage es gleich am Anfang, sehr klar, sehr deutlich, damit auch wirklich niemand behaupten kann, er habe es nicht kommen sehen: Man kann vieles über Verbrechen sagen, aber eines sollte man niemals tun – Spuren im Schnee hinterlassen. Das ist Kriminalität auf Anfänger-Niveau. Das ist nicht Oceans Eleven, das ist Oceans Elf Jahre alt.

Und genau das geschah in Nordrhein-Westfalen, im glamourösen, weltbekannten, absolut unterschätzten Detmold. Eine Stadt, die man kennt für Ruhe, Ordnung und gelegentlich für Nachrichten, bei denen man sich denkt: „Das kann man sich nicht ausdenken.“ Doch diesmal hat man es versucht – und ist grandios gescheitert.

Zwei junge Männer, beide 18 Jahre alt, also alt genug, um zu wissen, dass Schnee keine gute Idee ist, beschlossen mitten in der Nacht: Heute wird eingebrochen. Nicht leise. Nicht clever. Nein. Mit einem Gullydeckel. Meine Damen und Herren, wer mit einem Gullydeckel eine Tür einschlägt, der will nicht unauffällig sein. Der will, dass die Nachbarschaft weiß: „Ich bin da.“

Ein aufmerksamer Zeuge – wir nennen ihn ab jetzt den Sherlock von Detmold – hörte den Lärm, schaute aus dem Fenster und dachte sich vermutlich: „Entweder ist es ein Erdbeben oder zwei sehr entschlossene Kiosk-Fans.“ Er tat das einzig Richtige: Er rief die Polizei. Großartig. Wirklich großartig. Law & Order made in NRW.

Die beiden Täter stürmten den Kiosk, griffen sich Tabakwaren und E-Zigaretten – eine Beuteauswahl, die schreit: „Wir haben keinen langfristigen Geschäftsplan.“ Keine Tresore, kein Bargeld, keine Kunstwerke – nein, Vapes und Zigaretten. Das ist nicht Heist, das ist Heißluft.

Und jetzt kommt mein Lieblingsteil, der Teil, den man in Polizeischulen als Fallstudie verwenden sollte, unter dem Titel: „Warum Schnee dein schlimmster Feind ist.“ Die beiden machten sich aus dem Staub. Flucht! Freiheit! Erfolg! Dachten sie. Aber der Schnee dachte anders. Der Schnee sagte: „Nicht mit mir.“

Denn während die beiden rannten, liefen, stapften, trampelten – hinterließen sie perfekte Schuhabdrücke im Schnee. So klar, so deutlich, so schön, dass man fast applaudieren möchte. Es war kein Spurensuchen, es war Spurenspazieren. Die Polizei musste nicht kombinieren, nicht rätseln, nicht einmal nachdenken. Sie folgte einfach den Fußspuren. Schritt für Schritt. Wie bei einer Schatzkarte. X markiert den Parkplatz.

Und dort stand es: Das Fluchtfahrzeug. Direkt am Ende der Schneespur. Kein Umweg. Kein Richtungswechsel. Kein Versuch, klug zu sein. Einfach: Spur – Auto – Täter – Beute. Ich sage: Effizienter kann man sich selbst nicht überführen.

Die Beamten entdeckten die beiden jungen Männer samt ihrer frisch ergaunerten Tabakwaren. Ich stelle mir den Moment vor. Ein Polizist schaut auf den Schnee, dann auf das Auto, dann auf die Täter und denkt: „Das war jetzt einfacher als Google Maps.“ Vorläufige Festnahme. Ende der Karriere als Untergrund-Legende.

Jetzt wird wegen schweren Diebstahls ermittelt. Schwerer Diebstahl. Das klingt nach Drama, nach Spannung, nach Krimi. Aber in Wahrheit war es eine Lehrstunde in Sachen Physik und gesunder Menschenverstand. Schnee speichert Informationen. Schnee vergisst nicht. Schnee ist der größte Ermittler seit Sherlock Holmes – nur kälter.

Ich sage das nicht gerne, aber: Das Wetter hat gewonnen. Nicht die Technik, nicht die Taktik, nicht der Einsatz modernster Polizeimethoden – nein. Niederschlag. Flocken. Minusgrade. Ein bisschen weißes Pulver vom Himmel, das sagt: „Ich sehe alles.“

Und was lernen wir daraus, liebe Leser? Erstens: Wenn du einbrechen willst – tu es nicht. Zweitens: Wenn du es trotzdem tust – tu es nicht im Schnee. Drittens: Wenn du es trotzdem im Schnee tust – lauf nicht direkt zu deinem Auto. Und viertens: Wenn du mit einem Gullydeckel arbeitest, hast du ohnehin verloren.

Detmold kann wieder ruhig schlafen. Der Kiosk hat eine neue Geschichte zu erzählen. Die Polizei einen erfolgreichen Einsatz. Und zwei junge Männer eine sehr kalte Erinnerung daran, dass man dem Schnee niemals trauen sollte.

Das war Ronald Tramp. Ich beobachte. Ich analysiere. Und ich sage: Verbrechen mag viele Gesichter haben – aber im Winter tragen sie immer Fußabdrücke.