Die große Sozialabgaben-Zaubershow

Grafik: Die Arbeitnehmer zahlen mehr. Und zwar schon lange.

– jetzt sehen Sie, wer wirklich zahlt.


Ein exklusiver Enthüllungsbericht aus der Rechenakrobatik-Arena der Republik von Ronald Tramp

Es gibt Tage, da schaut man auf Zahlen und denkt: Moment mal. Und dann schaut man noch einmal hin. Und dann noch einmal. Und plötzlich merkt man: Diese Zahlen haben Muskeln. Diese Zahlen tragen Lasten. Und diese Zahlen sind ganz sicher nicht auf Arbeitgeber-Seite im Fitnessstudio entstanden.

Denn jetzt liegt sie auf dem Tisch, die große, glänzende Wahrheit in Tabellenform. Keine Meinung. Keine Ideologie. Keine Gefühlspolitik. Sondern Statistik. Das gefährlichste Instrument überhaupt. Und diese Statistik sagt: Die Arbeitnehmer zahlen mehr. Und zwar schon lange.

Seit Jahrzehnten erzählen uns manche Kreise mit ernster Miene und dramatischem Seufzer, wie schwer doch die Arbeitgeber unter der Last der Sozialabgaben ächzen. Wie sie kaum noch laufen können vor lauter Beiträgen. Wie sie kurz davor stehen, ihre Bürostühle zu verkaufen, um die Lohnnebenkosten zu stemmen. Ein echtes Drama. Oscar-reif.

Und jetzt? Jetzt kommt eine nüchterne Sonderauswertung daher – und zerlegt dieses Drama in Konfetti. Denn während Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Jahr für Jahr mehr schultern, haben sich die Arbeitgeber elegant ein Stück Last vom Rücken genommen. Still. Unauffällig. Fast wie bei einem Zaubertrick: Jetzt sehen Sie die Last – und schwupps, sie ist woanders.

Seit Ende der Neunzigerjahre ist der Anteil der Sozialbeiträge, den Arbeitgeber am gesamten Entgeltaufkommen tragen, gesunken. Nicht explodiert. Nicht gestiegen. Gesunken. Gleichzeitig ist der Anteil der Beschäftigten gestiegen. Exakt spiegelbildlich. Ein perfektes Gleichgewicht – nur leider nicht gerecht, sondern umverteilt.

Und jetzt kommt das Beste: Zu den Sozialbeiträgen zählen nicht nur die klassischen Versicherungen, sondern auch Dinge wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder betriebliche Ruhegeldverpflichtungen. Also all die schönen Punkte, mit denen gern argumentiert wird, wenn man erklären möchte, warum Unternehmen angeblich kurz vor dem finanziellen Kollaps stehen. Spoiler: Tun sie nicht.

Stattdessen erleben wir seit Jahren ein politisches Theaterstück mit immer gleichem Plot: Arbeitgeber klagen. Medien nicken. Politik diskutiert Kürzungen. Und die Beschäftigten? Zahlen weiter. Mit jedem Gehaltszettel. Monat für Monat. Leise. Zuverlässig. Ohne Pressekonferenz.

Jetzt aber wird gesagt: Das Jammern ist eine Farce. Und ich sage: Endlich spricht es jemand laut aus. Denn Farce ist noch freundlich formuliert. Es ist eher eine Operette mit viel Pathos und wenig Fakten. Eine Inszenierung, bei der die Hauptdarsteller auf der Bühne stöhnen, während sie hinter dem Vorhang ihre Bilanz polieren.

Die Zahlen zeigen glasklar: Während die Arbeitgeberseite über angeblich zu hohe Belastungen klagt, ist ihre relative Beteiligung gesunken. Gesunken! Das ist kein Gefühl. Das ist Mathematik. Und Mathematik ist brutal ehrlich. Sie kennt keine Ausreden. Keine Pressemitteilungen. Keine Talkshows.

Und was passiert stattdessen? Es wird über Sozialkürzungen gesprochen. Über Einsparungen. Über „notwendige Anpassungen“. Ein wunderschöner Begriff. Klingt technisch. Harmlos. Als würde man eine Schraube nachziehen. In Wahrheit heißt es aber oft: Weniger für die, die ohnehin mehr zahlen.

Denn natürlich ist das Ziel klar: Lohnkosten drücken. Profite sichern. Wettbewerbsfähigkeit beschwören. All diese Worte, die so elegant klingen, wenn man sie nicht selbst bezahlen muss. Und genau hier liegt der Kern der Sache. Die Beschäftigten zahlen nicht nur mehr – sie sollen auch noch glauben, das sei alternativlos.

Ich finde das bemerkenswert. Wirklich. Eine Gesellschaft, in der die, die mehr tragen, ständig erklärt bekommen, sie müssten noch Verständnis haben für die, die weniger tragen. Das ist keine Solidarität. Das ist kommunikative Gymnastik.

Und dann diese Empörung darüber, dass jemand die Zahlen ausspricht. Dass jemand sagt: Moment, das Bild stimmt nicht. Das Klagen ist irreführend. Dreist sogar. Oh, wie schockierend! Wie kann man es wagen, mit Statistiken zu argumentieren? Das gehört sich doch nicht in einer Debatte, die seit Jahren auf Gefühl und Wiederholung basiert.

Mein Fazit als Ronald Tramp:
Die Sozialabgaben-Debatte ist kein Missverständnis. Sie ist eine bewusste Erzählung. Eine, die davon lebt, dass Zahlen kompliziert wirken und niemand genau hinschaut. Aber jetzt wurde hingeschaut. Und siehe da: Die Last liegt woanders, als immer behauptet wurde.

Wenn Arbeitnehmer mehr zahlen und Arbeitgeber weniger – dann ist das keine Naturgewalt. Das ist Politik. Und Politik kann man ändern. Oder man nennt es weiter „Sachzwang“ und hofft, dass niemand rechnet.

Doch diesmal wurde gerechnet. Und das Ergebnis ist eindeutig.
Nicht schäumend.
Nicht ideologisch.
Sondern schlicht: entlarvend.