Die große Weißwäsche der Arbeitswelt

Ein exklusiver Lagebericht aus dem Fitnessstudio der Empörung von Ronald Tramp
Es ist wieder so weit. Die Welt hat ein neues Problem entdeckt. Ein riesiges Problem. Ein muskulöses Problem. Ein Problem mit Turnschuhen, Tabellen und sehr, sehr vielen Gefühlen. Die Rede ist von der großen, epochalen Frage unserer Zeit: Wer wird hier eigentlich diskriminiert – und warum fühlt es sich immer so an, als hätte jemand die Stoppuhr in der Hand?
In den Vereinigten Staaten – dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, aber leider auch der unbegrenzten Ausschüsse – ist eine Bundesbehörde auf die glorreiche Idee gekommen, einem weltbekannten Sportartikelhersteller ganz tief in die Personalakten zu schauen. Sehr tief. Ethnische Zusammensetzung, Teilnehmerlisten, Förderprogramme, Excel-Tabellen, wahrscheinlich sogar alte Kantinenpläne. Alles. Denn es besteht ein Verdacht. Ein schwerer Verdacht. Der Verdacht, dass Gleichstellung zu viel Gleichstellung sein könnte.
Programme für Diversität, Gleichstellung und Inklusion – drei Worte, die früher nach Zukunft klangen und heute klingen wie ein Fitnessprogramm, bei dem niemand weiß, ob er am Ende Muskeln oder nur Muskelkater bekommt. Diese Programme sollen eigentlich dafür sorgen, dass alle faire Chancen haben. Alle! Aber jetzt heißt es plötzlich: Moment mal. Was ist mit denen, die sich schon immer sehr fair behandelt gefühlt haben? Werden die jetzt… übersehen?
Kritiker sprechen von „umgekehrter Diskriminierung“. Ein fantastischer Begriff. Wirklich. Klingt wie Rückwärts-Einparken mit verbundenen Augen. Angeblich würden weiße Angestellte und Bewerber benachteiligt, weil andere Gruppen gezielt gefördert werden. Das ist ungefähr so, als würde man sagen: „Ich habe keinen Nachtisch bekommen, weil jemand anderes vorher noch nie Kuchen hatte.“ Skandalös!
Die Behörde sagt: Wir wollen nur Daten. Nur ein paar Zahlen. Ganz harmlos. Wer arbeitet hier? Wer wurde gefördert? Wer durfte mitmachen? Der Konzern sagt: Moment mal. Wir haben euch Tausende Seiten gegeben. Tausende! Mehr Seiten als manche Menschen Bücher im Leben lesen. Und trotzdem heißt es: Das reicht nicht. Wir wollen mehr. Immer mehr. Denn irgendwo da draußen muss sie sein – die Diskriminierung mit Pulsuhr.
Natürlich beteuert das Unternehmen, man halte sich an alle Gesetze. Fairness. Rechtmäßigkeit. Chancengleichheit. Alles dabei. Ein ganzer Baukasten an guten Absichten. Und trotzdem steht plötzlich das Wort „Eskalation“ im Raum. Eine „überraschende und ungewöhnliche Eskalation“. Was für ein Satz. Klingt, als hätte jemand beim Yoga plötzlich Liegestütze eingeführt.
Aber machen wir uns nichts vor: Es geht hier nicht nur um einen Konzern. Es geht um ein großes politisches Workout. Eine Regierung, die DEI-Programme mit Argwohn betrachtet, zieht jetzt die Daumenschrauben an. Kürzungen hier. Dekrete dort. Ein bisschen Druck auf Unternehmen, damit sie sich wieder an das alte Ideal erinnern: Gleichbehandlung, aber bitte ohne Betonung.
Denn Betonung ist gefährlich. Betonung führt zu Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit führt zu Fragen. Und Fragen führen zu Untersuchungen. Ein Teufelskreis! Früher hat man einfach gearbeitet, niemand hat gefragt, warum alle gleich aussahen, und alle waren zufrieden. Zumindest auf dem Papier. Ein großartiges System. Sehr effizient. Sehr ruhig.
Jetzt aber wird gezählt. Gemessen. Ausgewertet. Und plötzlich merken Menschen: Oh! Es gibt Unterschiede. Das allein ist schon verdächtig. Und wenn man versucht, diese Unterschiede auszugleichen, dann ist das… auch verdächtig. Willkommen im Hochleistungslabyrinth der modernen Empörung.
Ich sage: Wenn Gleichstellung dazu führt, dass jemand das Gefühl hat, nicht mehr automatisch im Mittelpunkt zu stehen, dann ist das kein Angriff – das ist Gewöhnung. Ein sehr anstrengender Prozess. Für manche fast unzumutbar.
Die Ironie ist ja: Alle Seiten behaupten, sie kämpfen gegen Diskriminierung. Alle! Die einen sagen: Wir wollen niemanden ausschließen. Die anderen sagen: Wir wollen auch nicht ausgeschlossen werden. Und irgendwo dazwischen sitzt eine Behörde mit Aktenordnern und denkt sich: „Das wird ein schöner Bericht.“
Mein Fazit als Ronald Tramp:
Wenn Programme für Gleichstellung plötzlich als Bedrohung empfunden werden, dann zeigt das nicht, dass sie zu weit gehen – sondern dass sie überhaupt wirken. Und das macht manche nervös. Sehr nervös. Zittrige Knie. Schweißperlen. Nicht vom Sport, sondern von der Angst, nicht mehr selbstverständlich zu sein.
Am Ende bleibt die wichtigste Regel des amerikanischen Arbeitsmarkts:
Alle sollen gleich behandelt werden – aber bitte so, dass sich niemand daran erinnern muss, warum das nötig war.


