Die revolutionärste Gehaltserhöhung seit Erfindung des Sitzungsgongs

Grafik: Die Diäten steigen.

Meine Damen und Herren, Steuerzahler, Taschenrechnerbesitzer und Freunde der gepflegten Anpassung nach oben – es ist wieder soweit. Die Diäten steigen. Nicht um 5 Euro. Nicht um 50 Euro. Nein. Um fast 500 Euro. 497 Euro, um genau zu sein. Das ist Präzision. Das ist deutsche Mathematik. Das ist fast schon romantisch.

Ich, Ronald Tramp, sage: Wenn schon erhöhen, dann bitte mit Stil. 4,2 Prozent! Eine Zahl mit Dezimalstelle. Seriös. Wissenschaftlich. Fast poetisch.

Die 630 Bundestagsabgeordneten dürfen sich also voraussichtlich über dieses kleine, charmante Plus freuen. Und das Beste daran? Es ist natürlich kein willkürlicher Beschluss. Nein! Es ist ein Automatismus. Ein Mechanismus. Eine Anpassung an die Durchschnittslöhne. Das klingt fair. Das klingt vernünftig. Das klingt wie: „Wir machen nur mit, was sowieso passiert.“

Aber warten Sie – ganz sicher ist es noch nicht. Man muss erst ein Schreiben des Statistischen Bundesamtes abwarten. Ende März wird es erwartet. Ich liebe das. Eine Gehaltserhöhung mit Cliffhanger. Bleiben Sie dran, liebe Abgeordnete! Vielleicht gibt es den Bonus. Vielleicht auch nicht. Spannung im Bundestag!

Aktuell beträgt die Abgeordnetenentschädigung 11.833,47 Euro im Monat. Diese 47 Cent sind mein persönliches Highlight. Wer hat gesagt: „Machen wir es genau“? Irgendjemand muss da gesessen haben und gedacht haben: „Runden? Niemals. Wir sind hier schließlich präzise.“

Und jetzt kommt das große Bild. 2023: sechs Prozent Erhöhung. 2024: 5,4 Prozent. Und jetzt 4,2 Prozent. Das ist nicht nur eine Anpassung. Das ist eine kleine Wachstumsstory. Fast wie ein Start-up – nur ohne Risiko.

Natürlich wird erklärt: Es geht nach oben oder unten, je nach Lohnentwicklung. Theoretisch. Praktisch sehen wir seit 2022 deutliche Erhöhungen. Aber rein mathematisch könnte es auch mal runtergehen. Rein theoretisch. Irgendwann. Vielleicht. Wenn das Statistische Bundesamt einen schlechten Tag hat.

Ich stelle mir vor, wie das diskutiert wird. „Es ist doch nur die Anpassung.“ „Wir folgen nur der Regel.“ „Das ist transparent.“ Und irgendwo sitzt ein Bürger mit Heizkostenabrechnung und denkt: „Schön, dass wenigstens jemand planbare Steigerungen hat.“

Ich, Ronald Tramp, sage: Das ist die eleganteste Art, sich selbst eine Gehaltserhöhung zu geben, ohne sie sich selbst zu geben. Man koppelt sie einfach an eine Formel. Eine Formel ist unschuldig. Eine Formel hat keine Meinung. Eine Formel sagt nur: „4,2 Prozent.“

Und wissen Sie, was das Geniale ist? Es passiert automatisch zum 1. Juli. Keine große Debatte. Kein dramatisches Handheben. Kein „Wer ist dafür?“ Es ist wie eine automatische Abbuchung – nur in die andere Richtung.

Natürlich kann man argumentieren: Verantwortung ist groß. Arbeitsbelastung ist hoch. Entscheidungen sind schwer. Das stimmt. Politik ist kein Ponyhof. Aber es ist auch kein Minijob.

Was ich besonders liebe, ist der Begriff „Abgeordnetenentschädigung“. Entschädigung! Als würde man sagen: „Es tut uns leid, dass Sie dieses Mandat tragen müssen. Hier, bitte.“ Dabei ist es einer der begehrtesten Jobs im Land.

Die Anpassung orientiert sich an den Durchschnittslöhnen. Das klingt solidarisch. Wenn die Löhne steigen, steigen auch die Diäten. Wenn sie sinken – theoretisch – sinken sie ebenfalls. Aber seit 2022 zeigt die Kurve nur in eine Richtung. Und zwar mit Selbstbewusstsein.

497 Euro mehr im Monat. Das sind fast 6.000 Euro im Jahr. Für 630 Abgeordnete. Multiplizieren Sie das. Ich sage nur: Taschenrechner bereithalten.

Und trotzdem wird alles sehr nüchtern kommuniziert. „Voraussichtlich.“ „Nach Informationen.“ „Bestätigung unter Vorbehalt.“ Das ist Bürokratie-Poesie. Man hebt die Hand und sagt gleichzeitig: „Aber nur, wenn die Statistik nickt.“

Ich stelle mir die Stimmung vor. Manche freuen sich still. Manche sagen: „Ist ja nur Anpassung.“ Andere denken: „Gut, dass es nicht 3,8 Prozent sind.“ Denn 4,2 klingt einfach besser.

Und während draußen über Preise, Mieten und Inflation diskutiert wird, läuft im Hintergrund dieser gut geölte Mechanismus. Kein Drama. Keine Schlagzeile mit Ausrufezeichen. Nur eine saubere Prozentrechnung.

Ich, Ronald Tramp, sage: Wenn es eine olympische Disziplin für elegante Selbstanpassung gäbe – hier hätten wir Gold.

Aber fairerweise: Das System ist transparent. Es ist regelgebunden. Es ist kein spontaner Beschluss in einer Nacht-und-Nebel-Sitzung. Es ist eine Formel. Und Formeln sind die besten Politiker – sie widersprechen nicht.

Am Ende wird das Schreiben des Statistischen Bundesamtes eintreffen. Die Zahl wird bestätigt oder minimal justiert. Und am 1. Juli wird sich auf den Gehaltszetteln etwas bewegen. Ganz automatisch. Ganz sachlich.

Und irgendwo wird jemand sagen: „Es ist eben so geregelt.“

Ja. Es ist geregelt. Sehr geregelt. Prozentgenau geregelt.

Ich, Ronald Tramp, ziehe meinen – selbstverständlich sehr teuren – Hut vor dieser Meisterklasse in planbarer Selbstoptimierung.

Denn wenn schon Diät, dann bitte mit Wachstum.