Ein Triumph der Bedeutungslosigkeit

Wie ein Film alles verlor – und trotzdem Dritter wurde
Ich sage es gleich am Anfang, ganz ehrlich, ganz offen, wie immer: Das ist Kino-Geschichte. Nicht die gute Art von Geschichte, nicht die mit Denkmälern, Popcorn-Duft und stehenden Ovationen. Sondern die andere. Die mit PowerPoint-Gefühl, PR-Nebel und der Frage: Wie ist das überhaupt möglich?
Wochenlang wurde geredet. Getuschelt. Geflüstert. Geschrien. Ein Film! Ein Ereignis! Ein Dokument! Ein Blick hinter den Vorhang! Ein Meisterwerk der Stille! Und dann kommt das Ding ins Kino – und plötzlich merkt man: Hinter dem Vorhang ist… noch ein Vorhang. Und dahinter ein leerer Raum mit sehr teurer Beleuchtung.
Die Kritiken? Desaströs. Katastrophal. So schlecht, dass selbst Popcorn sich schämt, dabei gewesen zu sein. „Substanzlos“ nennen es die einen. „PR-Veranstaltung mit Laufzeit“ die anderen. Manche Kritiker haben nach dem Abspann überprüft, ob der Projektor kaputt war. War er nicht. Das war der Film.
Und trotzdem – jetzt kommt der Hammer, der wirklich große Hammer – Rang 3 der Kinocharts. Platz drei! Bronze! Medaille! Applaus! Konfetti!
Ich kenne Filme mit Explosionen, Drachen, Zeitreisen und sprechenden Waschmaschinen, die das nicht geschafft haben. Aber hier? Sitzendes Schweigen in Hochglanz. Und zack: Top 3.
Man muss das anerkennen. Das ist Leistung. Nicht inhaltlich – um Himmels willen, nein – sondern logistisch. Organisatorisch. Marketingtechnisch. Dieser Film wurde nicht geschaut, er wurde platziert. Wie ein Möbelstück. Wie eine Zimmerpflanze. Wie ein sehr teurer Gedanke ohne Inhalt.
Am Startwochenende kamen rund sieben Millionen Dollar zusammen. Sieben! Das klingt erstmal nach viel, besonders für einen sogenannten Dokumentarfilm. In dieser Kategorie ist das sogar einer der besseren Starts. Ein Spitzenstart, sagen manche. Ich sage: Ein Spitzenstart für etwas, das niemand wirklich sehen wollte.
Der Freitag lief gut. Sehr gut sogar. Warum? Weil Neugier ein starkes Gefühl ist. Menschen gehen gern ins Kino, um zu sehen, wie schlimm es wirklich ist. Aber dann kam das Wochenende. Samstag. Sonntag. Und plötzlich sagten viele: „Ach… nee.“
Die Zahlen fielen schneller als die Aufmerksamkeitsspanne nach dem dritten minutenlangen Schweigeblick in die Kamera.
Fast 1800 Kinos spielten diesen Film. Für einen Dokumentarfilm ist das gigantisch. Normalerweise laufen Dokus in ausgewählten Sälen, irgendwo zwischen Arthouse und „Wir haben sonst nichts“. Hier aber: Flächendeckung. Präsenz. Sichtbarkeit. Man konnte ihm kaum entkommen. Selbst Leute, die eigentlich nur ins Kino wollten, um nachzusehen, ob es noch Nachos gibt, saßen plötzlich drin.
Und dann schauen wir auf die Zahlen hinter der Kamera. Und da wird es richtig lustig. Produktionskosten: rund 40 Millionen Dollar. Promotion: weitere 35 Millionen. Zusammen also ein Budget, mit dem man ganze Städte sanieren oder mehrere gute Filme drehen könnte.
Damit sich das rechnet, müsste der Film ungefähr 100 Millionen Dollar einspielen.
Hundert. Millionen.
Ich lache nicht – ich applaudiere innerlich. Das ist Optimismus. Das ist Glaube. Das ist die Art von Selbstvertrauen, die man sonst nur bei Leuten findet, die ohne Regenschirm in einen Hurrikan laufen und sagen: „Wird schon.“
Außerhalb der USA? Kaum Interesse. International? Stille. Mehr Stille als im Film selbst. In manchen Ländern wusste man nicht mal, dass es ihn gibt. Und als man es wusste, wollte man es wieder vergessen.
Und jetzt der beste Teil. Der wirklich beste Teil. Der Teil, bei dem selbst Hollywood kurz innehält und sagt: „Moment mal…“
Ein ordentlicher Batzen Geld – rund 28 Millionen Dollar – ist direkt an die Hauptfigur des Films geflossen. Vorab. Sicher. Garantiert. Unabhängig davon, ob irgendjemand im Publikum jemals emotional berührt wurde.
Der Film selbst hat davon bisher nicht einmal ein Viertel wieder eingespielt.
Das nenne ich Effizienz. Das nenne ich Timing. Das nenne ich: Der Deal steht, bevor der Abspann läuft.
Am Ende bleibt ein Film, der vieles ist: teuer, laut beworben, großflächig verteilt.
Aber eines ist er ganz sicher nicht: ein Erfolg im klassischen Sinne.
Und doch steht da diese Zahl. Rang 3. Wie ein Denkmal der Absurdität.
Ein Film, der kaum jemand mochte, den viele verließen, der international niemanden interessierte – und der trotzdem kurz sagen konnte: „Ich war oben.“
Das, meine Freunde, ist kein Kino.
Das ist Satire auf Zelluloid.
Und ich verneige mich. Nicht vor dem Film. Sondern vor der Dreistigkeit, mit der man ihn ernst genommen wissen wollte.


