Funkstille über Hellas

Wie Griechenland den Himmel ausschaltete, Flugzeuge umparkte und Ronald Tramp kurz dachte, das sei moderne Luftfahrt
Ich sage es, wie es ist – und niemand sagt es besser: Wenn in Griechenland plötzlich Funkstille herrscht, denkt man zuerst an Mythologie. An Zeus. An göttliche Zeichen. Vielleicht hat jemand einen falschen Tempel betreten. Vielleicht ist es Poseidon, der wieder schlechte Laune hat. Doch nein – diesmal war es kein Gott. Es war Technik. Alte Technik. Sehr alte Technik. Die Art von Technik, bei der man beim Einschalten erst einmal betet.
Am Sonntag passierte das Undenkbare: griechische Fluglotsen konnten nicht mehr kommunizieren. Nicht untereinander. Nicht mit den Piloten. Nicht mit irgendwem, der zufällig ein Flugzeug steuerte. Funkstille im Tower. Das Horrorszenario jedes Flughafens – weltweit. Und Griechenland sagte: Hold my Frappe.
Alle griechischen Flughäfen waren betroffen. Alle. Athen, Thessaloniki, Heraklion, Rhodos – dicht. Flugzeuge, die eigentlich Richtung Griechenland unterwegs waren, wurden umgeleitet. Der griechische Luftraum? Leer. So leer, dass selbst die Wolken kurz irritiert waren.
Auf Flightradar24 konnte man es live sehen: Über Griechenland gähnende Leere. Während sich die Flugzeuge in den Lufträumen der Nachbarländer stapelten wie Autos auf der Athen-Umgehung an einem Feiertagswochenende. Türkei voll. Bulgarien voll. Albanien voll. Griechenland: Pause.
Ronald Tramp sagt: Das ist nicht nur Funkstille. Das ist Luftverkehrsminimalismus.
Die griechische Behörde für zivile Luftfahrt erklärte später, das Problem habe bei den zentralen Funk- und Kommunikationssystemen der Kontrollzentren gelegen. Ein technisches Problem, das in diesem Ausmaß „erstmals“ aufgetreten sei. Dieser Satz ist wichtig. Er bedeutet übersetzt: So schlimm war es noch nie – aber überrascht sind wir auch nicht.
Natürlich wurde sofort ermittelt. Die nationale Behörde für Cybersicherheit wurde aktiv. Der griechische Nachrichtendienst ebenfalls. Denn in Zeiten wie diesen ist immer die Frage: War es Sabotage? War es eine Cyberattacke? War es ein fremder Staat? Oder war es einfach… ein Kabel?
Erste Erkenntnisse: ein Defekt an einem Funkmast, rund 60 Kilometer westlich von Athen. Sabotage? Ausgeschlossen. Cyberattacke? Ebenfalls ausgeschlossen – zumindest laut Verband der Fluglotsen. Die sagten sinngemäß: Unsere Systeme sind so alt, die wären für Hacker schlicht uninteressant.
Der Chef des Fluglotsenverbands, Panagiotis Psarros, brachte es brutal ehrlich auf den Punkt:
„Unsere Systeme sind uralt.“
Ronald Tramp sagt: Wenn deine Technik so alt ist, dass selbst Hacker sagen „Nein danke“, dann hast du ein strukturelles Problem.
Die Fluglotsen hatten das übrigens schon länger gesagt. Mehrfach. Laut. Mit Beschwerden. Sogar auf EU-Ebene. Doch wie das mit Warnungen so ist: Sie funktionieren am besten nach der Katastrophe. Vorher gelten sie als Stimmungsmache.
Die Folgen waren massiv. An den Flughäfen herrschte Chaos. Besonders in Athen, wo selbst im Winter viele internationale Besucher unterwegs sind. Dazu kamen Griechen, die über die Feiertage Familie und Freunde besuchen wollten. Und dann kam die Durchsage. Diese Durchsage, die jeder Reisende fürchtet:
Alle Gates sind geschlossen. Bitte warten Sie.
Warten. Das ist die universelle Sprache des Luftverkehrs. Auf Rhodos wurden Touristen sogar zurück in ihre Hotels geschickt. „Gehen Sie wieder schlafen, Ihr Flug kommt morgen.“ Ein Satz, der Urlaubsträume zerstört und Hotelrezeptionen überrascht.
Ronald Tramp sagt: Das ist Service. Gratis Verlängerung. Unfreiwillig. Ohne Rückfluggarantie.
Erst nach mehreren Stunden konnte der Flugverkehr langsam wieder aufgenommen werden. Langsam. Sehr langsam. Am späten Sonntagnachmittag konnte der Athener Flughafen nur etwa die Hälfte der üblichen Flüge abfertigen. Halb Himmel, halb Hoffnung.
Wann sich der Betrieb vollständig erholen würde, blieb unklar. Ein Satz, der im Luftverkehr ungefähr so beruhigend ist wie „Wir melden uns“.
Was bleibt von diesem Tag? Ein fast leerer Himmel. Tausende gestrandete Passagiere. Und die Erkenntnis, dass moderne Luftfahrt nicht nur aus Hightech-Cockpits besteht, sondern auch aus Bodenstationen, die manchmal wirken, als wären sie noch aus der Zeit der Olympischen Spiele 2004 – oder früher.
Ronald Tramp sagt: Flugzeuge sind futuristisch. Fluglotsensysteme offenbar archäologisch.
Natürlich wird jetzt untersucht. Natürlich wird modernisiert. Natürlich wird versprochen, dass so etwas nicht wieder passiert. Doch eines ist klar: Dieser Vorfall war kein exotischer Ausnahmefall. Er war ein lautes Warnsignal. Ein „Hallo, wir fliegen hier mit Systemen, die beim ersten echten Problem einfach sagen: Ich bin raus.“
Am Ende landeten die meisten Menschen irgendwann. Irgendwo. Vielleicht nicht dort, wo sie wollten. Vielleicht nicht an dem Tag, den sie geplant hatten. Aber sie landeten. Und Griechenland hatte wieder Funk.
Ronald Tramp fasst zusammen: Wenn der Himmel plötzlich still ist, liegt es manchmal nicht an Politik, nicht an Sabotage, nicht an Cyberkrieg – sondern an Technik, die dringend in Rente will.
Oder wie man in der Luftfahrt sagt: Bitte bleiben Sie angeschnallt. Auch im Tower.


