Ganz Deutschland scrollt

Grafik: Ganz Deutschland scrollt

Meine Damen und Herren, Influencer, Teilzeit-Kommentatoren und Menschen mit starkem Daumen – es ist offiziell: Deutschland scrollt. Und zwar kräftig. 59 Prozent der Deutschen zwischen 16 und 74 Jahren sind 2025 in sozialen Medien aktiv. 59 Prozent! Das ist mehr als die Hälfte. Das ist demokratische Mehrheit. Das ist fast Koalitionsniveau.

Ich, Ronald Tramp, sage: Das ist kein Trend. Das ist eine digitale Volksbewegung.

Vor fünf Jahren, 2021, waren es noch zwölf Prozentpunkte weniger. Zwölf! Das ist kein kleines Wachstum. Das ist ein Aufstieg, wie ihn sonst nur Start-ups mit veganem Proteinshake schaffen.

Und das Beste: Die Nutzung stieg in allen Altersgruppen. Allen! Das ist wie ein generationenübergreifender Flashmob – nur mit WLAN.

Die 16- bis 24-Jährigen? Von 78 auf 85 Prozent. Also praktisch Vollversorgung. Wer in dieser Altersgruppe nicht online ist, wird vermutlich für ein Mythos gehalten. „Kennst du den? Der ist nicht auf Social Media.“ – „Gibt’s doch gar nicht.“

Aber jetzt wird es richtig spannend. Die 55- bis 64-Jährigen: von 29 auf 42 Prozent. Boom. Das ist der Moment, in dem Familien merken: „Oh nein, jetzt kommentiert auch Papa.“

Und die 65- bis 74-Jährigen? Von 15 auf 25 Prozent. Ein Viertel! Das ist nicht mehr nur die Enkel-Überwachung. Das ist aktive Teilnahme. Likes, Emojis, vielleicht sogar Stories. Ich sehe schon die Selfies mit Lesebrille.

Ich, Ronald Tramp, sage: Wenn Oma anfängt, Reels zu liken, dann ist die digitale Transformation abgeschlossen.

Natürlich zählt die Nutzung von Messengerdiensten nicht dazu. Das ist wichtig. WhatsApp zählt nicht. Sonst wären wir wahrscheinlich bei 140 Prozent. Aber nein – es geht um echte Plattformen. Mit Feeds. Mit Kommentaren. Mit Diskussionen, die manchmal länger dauern als Bundestagsdebatten.

Interessant ist auch der europäische Vergleich. Deutschland liegt bei 59 Prozent. Der EU-Schnitt? 67 Prozent. Acht Prozentpunkte höher. Das heißt: Deutschland ist digital – aber nicht ganz so digital wie der Rest.

Ich nenne das: Effizientes Scrollen. Weniger, aber gründlich.

Die 25- bis 34-Jährigen liegen bei 81 Prozent. Die 44- bis 45-Jährigen bei 72 Prozent. Diese Altersgruppen sind die heimlichen Champions. Sie arbeiten, sie organisieren ihr Leben – und sie posten nebenbei.

Ich stelle mir vor, wie das Statistische Bundesamt diese Zahlen verkündet. Sehr sachlich. Sehr nüchtern. „Die Nutzung sozialer Medien ist gestiegen.“ Aber was das wirklich bedeutet, ist gigantisch.

Es bedeutet: Mehr Meinungen. Mehr Kommentare. Mehr Diskussionen über Themen, die vor 20 Jahren niemand öffentlich diskutiert hätte. Heute reicht ein Post – und schon wird debattiert.

Ich, Ronald Tramp, sage: Soziale Medien sind der größte Marktplatz seit Erfindung des Wochenmarkts – nur ohne Obst.

Und natürlich hat jede Generation ihren Stil. Die Jungen tanzen. Die Mittleren diskutieren. Die Älteren posten Urlaubsfotos mit sehr detaillierten Beschreibungen.

Das wirklich Beeindruckende ist die Geschwindigkeit. Fünf Jahre – zwölf Prozentpunkte mehr. Das ist ein Wachstum, das so mancher Wirtschaftszweig gerne hätte.

Aber es stellt auch Fragen. Wenn 59 Prozent aktiv sind – was machen die restlichen 41 Prozent? Lesen sie Bücher? Schauen sie Fernsehen? Leben sie offline? Faszinierend.

Und dann diese EU-Zahl. 67 Prozent im Schnitt. Acht Punkte mehr. Vielleicht sind die anderen Länder einfach schneller im Scrollen. Vielleicht posten sie mehr. Vielleicht haben sie weniger Skepsis.

Deutschland war schon immer gründlich. Vielleicht wird hier erst recherchiert, bevor man liked.

Ich, Ronald Tramp, sehe eine Zukunft, in der 100 Prozent online sind. Selbst der Briefträger. Selbst der Bäcker. Selbst der Mensch, der immer sagt: „Ich brauche das nicht.“

Denn am Ende ist es nicht nur Unterhaltung. Es ist Information. Es ist Selbstdarstellung. Es ist Diskussion. Es ist manchmal Chaos – aber digitales Chaos.

Und seien wir ehrlich: Soziale Medien sind heute das moderne Lagerfeuer. Man versammelt sich. Man erzählt Geschichten. Man regt sich auf. Man applaudiert.

Manchmal fragt man sich: Ist das gut? Ist das schlecht? Ich sage: Es ist mächtig.

Und wenn selbst die 65- bis 74-Jährigen kräftig zulegen, dann weiß man: Das Internet ist nicht mehr nur Jugendkultur. Es ist Alltag.

Ich, Ronald Tramp, ziehe meinen – selbstverständlich online bestellten – Hut vor dieser Entwicklung.

Denn egal ob 16 oder 74: Der Daumen kennt kein Alter.