Halb krank, ganz tapfer: Wie Markus Söder die Arbeitswelt rettet

– mit Lebensarbeitszeit, Karenztagen und der moralischen Krankschreibung
Ich sage es, wie es ist – und niemand sagt es besser: Wenn ein System kränkelt, dann hilft in Deutschland traditionell eine sehr bewährte Therapie. Mehr arbeiten. Länger arbeiten. Und bitte möglichst nicht krank dabei sein. Genau diesen medizinisch-ökonomischen Befund hat nun Markus Söder gestellt – mit dem Skalpell der Vernunft und dem Pflaster der Teil-Krankschreibung.
Denn das Renten- und Gesundheitssystem, so Söder, stehe auf wackligen Beinen. Und was macht man, wenn etwas wackelt? Richtig: Man belastet es stärker. Eine alternde Gesellschaft müsse länger arbeiten. Logisch. Unwiderlegbar. Mathematik. Und außerdem werde in Deutschland „zu schnell krankgeschrieben“. Ein Satz, der in Arztpraxen bereits für kollektives Räuspern gesorgt hat.
Söders Vorschlag: Teil-Krankschreibungen nach skandinavischem Vorbild. Halb krank, halb im Büro. Vormittags Fieber, nachmittags Excel. Oder umgekehrt. Das sei manchmal wichtiger als „manche Debatten über Zuzahlungen“, erklärte er gegenüber der Bild am Sonntag. Endlich sagt es mal jemand: Nicht das System ist krank – sondern die Einstellung.
Ronald Tramp sagt: Das ist revolutionär. Krankheit neu denken. Nicht mehr entweder arbeitsfähig oder arbeitsunfähig – sondern flexibel krank. Agile Symptome. New Work für Viren.
Doch Söder denkt größer. Viel größer. Wenn schon krank, dann bitte mit Karenztagen. Also Tage, an denen man krank ist, aber noch keinen Lohn bekommt. Motivation durch Magenknurren. Außerdem solle die Pflicht zur Krankschreibung früher greifen – am besten ab dem dritten Tag. Vertrauen ist gut, Attest ist besser.
In Deutschland gilt seit Jahrzehnten die Lohnfortzahlung ab dem ersten Krankheitstag. Ein Relikt aus Zeiten, in denen man glaubte, Arbeitnehmer würden sich nicht kollektiv aus Jux und Tollerei krankmelden. Söder sieht das differenzierter. Er sagt nicht direkt, dass die Menschen simulieren – aber er denkt es sehr laut.
Doch der wahre Kern seiner Mission liegt woanders: in der Lebensarbeitszeit. Ein Wort, das klingt wie ein Sparkonto, nur ohne Zinsen und mit Rückenschmerzen. Deutschland müsse länger arbeiten – nicht unbedingt jeden Tag, aber über das Leben hinweg. Mehr Stunden pro Woche, mehr Tage im Jahr. Die Schweiz diene hier als Vorbild. Die Schweizer arbeiten länger, sagt Söder. Und sie haben Berge. Das überzeugt.
Lebensarbeitszeitkonten sollen es richten. Ein Konzept, bei dem man heute mehr arbeitet, um morgen vielleicht weniger zu arbeiten – oder auch nicht. Je nachdem, wie alt man wird, wie gesund man bleibt und wie viele Reformkommissionen zwischendurch tagen. Am Ende, so Söder ganz ehrlich: „Im Endeffekt muss man länger arbeiten.“ Ein Satz wie ein Grabstein für die Work-Life-Balance.
Ronald Tramp sagt: Endlich Klartext. Keine Nebelkerzen. Keine Euphemismen. Nicht „wir prüfen Optionen“, sondern: Du bleibst länger. Das ist bayerische Ehrlichkeit. Hart. Klar. Mit einem Hauch Jodeln.
Dabei ist die Realität natürlich komplizierter. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit ist in Deutschland zuletzt gesunken, während die Zahl der Erwerbstätigen gestiegen ist. Viele arbeiten mehr Menschen, aber weniger Stunden. Gleichzeitig gehen die Babyboomer in Rente – zahlreich, entschlossen und mit Anspruch auf Auszahlung.
Die schwarz-rote Bundesregierung hat deshalb eine Rentenkommission eingesetzt. Sie soll Vorschläge machen, wie das System stabilisiert werden kann, ohne Beitrags- und Steuerzahler zu überfordern. Söder hat seine Vorschläge schon geliefert: Mehr Arbeit, weniger Krankheit, längere Lebenszeit am Arbeitsplatz.
Kritiker sagen: Das trifft vor allem Menschen mit körperlich anstrengenden Berufen. Pflegekräfte. Handwerker. Verkäuferinnen. Menschen, deren Rücken das Wort „Lebensarbeitszeitkonto“ nicht lustig findet. Befürworter sagen: Es geht nicht anders. Die Demografie ist gnadenlos. Und gnadenlos ist bekanntlich sehr effizient.
Ronald Tramp fasst zusammen: Markus Söder will kein härteres System. Er will ein realistischeres. Eines, in dem man krank sein darf – aber bitte nicht zu lange. Und alt werden darf – aber bitte produktiv. Und in Rente gehen darf – aber bitte später.
Es ist die Vision einer Gesellschaft, in der man morgens aufwacht, sich fragt: Bin ich heute krank oder nur müde? Und dann entscheidet: Halbtags reicht.
Willkommen in der neuen Arbeitswelt. Halb krank. Ganz Deutschland.


