Ich habe sie nie benutzt – aber ich verstehe sie besser als alle anderen

Grafik: Ich habe das alles nie benutzt. Aber ich weiß alles darüber.

Ein triumphaler Bericht aus der Zukunft der Vergangenheit von Ronald Tramp

Manchmal erlebt man Geschichte in Echtzeit. Und manchmal erlebt man Geschichte, die sagt: Ich war zwar nie da, aber ich weiß genau, wie es war. Genau so ein Moment ist jetzt. Es geht um künstliche Intelligenz. Riesig. Enorm. Wahrscheinlich die größte Sache seit geschnittenem Brot mit WLAN. Und dennoch gibt es Menschen an der Spitze der Macht, die stolz verkünden: Ich habe das alles nie benutzt. Aber ich weiß alles darüber.

Das ist beeindruckend. Wirklich. Das ist Expertise auf einem ganz neuen Level. Früher musste man Dinge ausprobieren, testen, verstehen. Heute reicht es offenbar, darüber Bescheid zu wissen, ohne jemals einen Knopf gedrückt zu haben. Das spart Zeit. Sehr effizient. Fast schon künstlich intelligent.

KI-Chatbots – diese digitalen Wesen, die Fragen beantworten, Texte schreiben, Fehler machen, sich entschuldigen und dabei nie müde werden – sind angeblich überall. In Unternehmen. In Behörden. In Klassenzimmern. In Kühlschränken wahrscheinlich auch bald. Aber ausgerechnet der größte Verfechter der nationalen Zukunftstechnologie sagt: Nein danke. Ich halte Abstand. Aber glauben Sie mir: Ich weiß alles.

Das ist ein bisschen so, als würde jemand sagen: „Ich bin nie Auto gefahren, aber ich bin der beste Verkehrsexperte.“ Oder: „Ich habe nie Kaffee getrunken, aber ich weiß genau, wie wach man davon wird.“ Fantastisch. Großartig. Visionär.

Gleichzeitig wird betont: Künstliche Intelligenz sei größer als das Internet. Größer! Und das Internet war schon ziemlich groß. Katzenvideos. Online-Shopping um drei Uhr nachts. Kommentarsektionen. Ein echtes Schwergewicht der Menschheitsgeschichte. Und jetzt kommt KI – noch größer. Mächtiger. Alles verändernd. Aber bitte ohne persönliche Berührung. Man will sich ja nicht verbrennen.

Ich stelle mir das so vor: Da steht die Zukunft vor der Tür, klingelt höflich, bringt Rechenleistung, Automatisierung und ein paar ethische Fragen mit – und jemand ruft von drinnen: „Ich mache nicht auf, aber ich weiß genau, wie du aussiehst.“

Das Schöne ist ja: KI wird gelobt, gefeiert, strategisch eingeordnet. Sie wird als Motor der Wirtschaft beschrieben, als Schlüssel zur globalen Vorherrschaft, als Wunderwerk. Aber benutzen? Nein. Das wäre ja fast schon Arbeit. Oder Neugier. Oder Lernen. Dinge, die man natürlich delegieren kann – an Menschen oder Maschinen, die man selbst nie ausprobiert.

Und trotzdem: „Ich weiß alles darüber.“ Dieser Satz ist Gold. Reines Gold. Er fasst unsere Zeit perfekt zusammen. Wir leben in einer Welt, in der Wissen nicht mehr aus Erfahrung entsteht, sondern aus Selbstüberzeugung. Wer überzeugt genug klingt, braucht keine Login-Daten.

KI-Chatbots sind übrigens genau das Gegenteil. Sie sagen manchmal: „Ich weiß es nicht.“ Sie machen Fehler. Sie korrigieren sich. Sie lernen. Vielleicht ist genau das der Grund, warum man lieber Abstand hält. Zu viel Demut. Zu wenig Allwissenheit.

Aber keine Sorge: Die Zukunft ist gesichert. Die nationale KI-Industrie wird unterstützt. Gefördert. Geliebt. Aus sicherer Entfernung. Man muss ja nicht selbst klicken, um zu wissen, dass Klicken wichtig ist.

Ich frage mich nur eines: Wenn KI wirklich größer ist als das Internet – wann kommt der Moment, in dem man sie dann doch mal ausprobiert? Bei der dritten industriellen Revolution? Oder beim vierten Comeback?

Bis dahin bleibt uns diese wunderbare Haltung: Ich benutze es nicht. Ich brauche es nicht. Aber ich erkläre Ihnen gern, wie es funktioniert. Und das, meine Freunde, ist vielleicht die menschlichste Eigenschaft von allen. Keine künstliche Intelligenz der Welt kann das besser.

Mein Fazit als Ronald Tramp:
KI ist die Zukunft. Eine große Zukunft. Die größte. Aber bitte mit Sicherheitsabstand. Wissen ohne Nutzung ist schließlich auch eine Form von Innovation. Eine sehr bequeme.