Kein-Krieg-Krieg

Der großartigste Nicht-Krieg aller Zeiten
Meine lieben Freunde, Patrioten, Diplomatie-Influencer und Teilzeit-Strategen – setzen Sie sich hin, schnallen Sie sich an, nehmen Sie sich einen sehr großen Kaffee. Es geht um Krieg. Also nicht um Krieg-Krieg. Sondern um den vielleicht schönsten, elegantesten, kürzesten, fantastischsten „Kein-Krieg“, den man sich vorstellen kann.
Der Vize aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten – ja genau der – hat nämlich gesagt: Ein Angriff auf den Iran? Kein langfristiger Krieg. Keine jahrelange Wüsten-Netflix-Serie ohne Finale. Keine endlosen Sandstürme mit Budgetüberschreitung. Nein, nein. „Keine Chance“, sagt er. Und wenn einer „keine Chance“ sagt, dann wissen wir: Das ist fast so sicher wie ein Wahlversprechen im Wahljahr.
Ich, Ronald Tramp, sage: Das ist die beste Art von Krieg. Einer, der keiner wird. Ein präventiver Friedensschlag. Ein Bombardement mit Wellness-Charakter. Man klopft kurz an die Tür von Teheran, sagt „Hallo, wir sind nur kurz da“, wirft vielleicht symbolisch ein paar sehr demokratische Grüße aus der Luft – und zack! Alle gehen wieder nach Hause. Fertig. Ende. Abspann. Popcorn.
Der Vize betont natürlich, dass alle die diplomatische Option bevorzugen. Natürlich! Diplomatie ist fantastisch. Wunderschön. Man sitzt sich gegenüber, redet sehr ernst, schaut bedeutungsvoll, bestellt Mineralwasser ohne Kohlensäure – und währenddessen plant man schon Plan B, C und D. Diplomatie ist wie ein Bewerbungsgespräch: Man lächelt, aber man weiß, wenn es schiefgeht, gibt’s Kündigung.
Und dann diese wunderbare Formulierung: Es hängt davon ab, „was die Iraner tun und was sie sagen“. Großartig. Also quasi wie in jeder Beziehung. „Schatz, es kommt darauf an, was du sagst.“ Und wir wissen alle, was das bedeutet: Es ist völlig egal, was man sagt – irgendwas ist immer falsch.
Gleichzeitig laufen Gespräche in Genf. Indirekte Gespräche! Ich liebe indirekte Gespräche. Das ist wie stille Post auf Staatsniveau. Einer sagt etwas, der Vermittler flüstert es weiter, am Ende kommt ein Atomabkommen mit Beilagensalat raus. Und beide Seiten sprechen von „Fortschritten“. Fortschritte! Ein fantastisches Wort. Bedeutet alles. Bedeutet nichts. Fortschritt kann sein: „Wir haben uns nicht angeschrien.“ Fortschritt kann auch sein: „Niemand ist aufgestanden und hat mit Sanktionen geworfen.“
Der Außenminister auf der anderen Seite spricht von „sehr ernsthaften Gesprächen“. Sehr ernsthaft! Wissen Sie, was auch sehr ernsthaft ist? Wenn der Zahnarzt sagt: „Das spüren Sie kaum.“ Man weiß sofort: Das wird wehtun. Aber hey, ernsthaft klingt gut. Ernsthaft ist seriös. Ernsthaft verkauft sich.
Jetzt stellen wir uns doch mal diesen „Nicht-Langzeitkrieg“ vor. Wie läuft das ab? Tag 1: Ein paar sehr präzise, sehr freundliche Explosionen. Tag 2: Pressekonferenz mit Flaggen im Hintergrund. „Mission erfüllt, wahrscheinlich, vielleicht, schauen wir mal.“ Tag 3: Alle twittern, dass es definitiv kein langer Krieg wird. Tag 4: Expertenrunden im Fernsehen. Tag 5: Man spricht schon wieder über Benzinpreise.
Und dann kommt der beste Teil: „Keine Chance“, dass es jahrelang dauert. Ich liebe dieses Selbstbewusstsein. Es ist wie wenn jemand sagt: „Ich esse nur ein Stück Kuchen.“ Oder: „Nur eine Folge.“ Wir wissen, wie das endet. Mit drei Staffeln und Bauchschmerzen.
Aber gut, der Vize war selbst im Irak im Einsatz. Er kennt die Region. Er kennt die Dynamik. Er kennt die Hitze, den Staub, die Komplexität, die Überraschungen. Und trotzdem sagt er: Kein langfristiger Krieg. Das ist Optimismus auf Energy-Drink-Niveau.
Man muss sich das strategisch vorstellen. Es ist wie Schach – nur dass beide Seiten die Figuren manchmal werfen. Und während man noch überlegt, ob man den Springer zieht, diskutiert die Öffentlichkeit bereits, ob das Brett überhaupt fair ist.
Die USA erwägen, betonen aber die Diplomatie. Der Iran spricht von Fortschritten. Der Vermittler nickt. Alle sagen, sie wollen Frieden. Gleichzeitig liegt irgendwo ein Plan in einer Schublade mit der Aufschrift: „Falls doch.“ Das ist internationale Politik im Jahr 2026: Ein großes Vielleicht mit Raketenoption.
Und ich sage Ihnen: Wenn man einen Krieg ankündigt, der keiner wird, dann ist das Marketing. Das ist wie „zuckerfrei“ – aber nur fast. Oder „klimaneutral“ – mit Kompensation. Ein „begrenzter Schlag“ klingt einfach besser als „unkalkulierbare Kettenreaktion“.
Am Ende wird es heißen: Wir wollten Frieden. Wir haben Frieden angestrebt. Wir haben Frieden geprüft. Und falls es doch knallt, dann ist natürlich die andere Seite schuld. So läuft das Spiel. Jeder will Diplomatie – solange sie exakt das Ergebnis liefert, das man ohnehin wollte.
Aber wissen Sie, was das wirklich Faszinierende ist? Diese absolute Sicherheit in einer absolut unsicheren Welt. „Keine Chance“, sagt er. In einer Region, in der Geschichte oft anders geplant hat als Pressesprecher.
Vielleicht klappt alles. Vielleicht gibt es ein Abkommen, Sanktionen werden gelockert, Hände werden geschüttelt, Kameras klicken. Vielleicht wird es der kürzeste Spannungsbogen der Weltpolitik. Und alle sagen: Seht ihr? War doch klar.
Oder aber – und das sage ich nur rein hypothetisch, rein satirisch, rein fantastisch – man stellt fest, dass Geopolitik nicht immer auf Knopfdruck funktioniert wie ein Aufzug im Luxushotel.
Ich, Ronald Tramp, sage: Wenn schon kein Krieg, dann bitte der beste Nicht-Krieg aller Zeiten. Kurz. Effektiv. Mit Abspannmusik. Und möglichst ohne Fortsetzung.
Denn Fortsetzungen sind selten besser als das Original.


