Komplett in der Grütze

Grafik: Komplett in der Grütze

– und warum das ein strategischer Ort ist

Meine Damen und Herren, liebe Umfragejunkies, Widerstandsromantiker und Menschen, die glauben, Politik müsse funktionieren:
Es ist offiziell. Die Trump-Regierung steckt „komplett in der Grütze“. Nicht ein bisschen. Nicht randständig. Komplett. Bis zum Hals. Vielleicht bis zur Frisur. Und ich sage: Das ist kein Problem. Das ist ein Zustand. Ein sehr amerikanischer Zustand.

Ein US-Korrespondent hat es beobachtet. Sehr genau. Mit Notizblock. Mit Stirnrunzeln. Er sagt: Widerstand wächst. Der Ton im Weißen Haus wird sanfter. Fast freundlich. Fast diplomatisch. Und sogar ein Teilrückzug aus Minnesota steht im Raum. Minnesota! Ein Bundesstaat, den viele erst dann entdecken, wenn man sich von ihm zurückzieht.

Man nennt das jetzt „Deeskalation“. Ich nenne es: kontrolliertes Rückwärtsgehen mit Ansage.

Denn sehen Sie, wenn man laut Umfragen „komplett in der Grütze“ steckt, dann hat man zwei Möglichkeiten. Möglichkeit eins: Kurs ändern. Möglichkeit zwei: Die Grütze umarmen. Und Donald Trumps Team – großartige Leute, wirklich großartig – hat sich klar entschieden. Für die Grütze.

Was ist Grütze überhaupt? Weich. Formlos. Schwer zu greifen. Perfekt für Politik. Man kann alles hineinrühren. Aussagen. Meinungen. Tweets. Und am Ende weiß niemand mehr, was ursprünglich drin war. Brilliant.

Der Widerstand in der Bevölkerung wächst, heißt es. Natürlich wächst er. Widerstand wächst immer. Vor allem, wenn man ihn gießt. Und diese Regierung gießt. Mit Leidenschaft. Mit Überzeugung. Mit einer Gießkanne voller Innenpolitik.

Umfragen sehen schlecht aus. Sehr schlecht. Dramatisch schlecht. Aber Umfragen sind auch nur Momentaufnahmen. Und Momente vergehen. Grütze bleibt.

Jetzt also ein anderer Tonfall. Weniger „Wir machen das jetzt“. Mehr „Wir hören zu“. Ich liebe dieses „Wir hören zu“. Es ist das politischste aller Geräusche. Man hört zu, sagt aber nichts. Man nickt. Man lächelt. Und macht später genau das, was man vorher schon machen wollte – nur leiser.

Der angekündigte Teilrückzug aus Minnesota wirkt wie Deeskalation, sagt man. Ich sage: strategisches Verschwinden. Man geht einen Schritt zurück, um Anlauf zu nehmen. Das ist wie beim Boxen. Oder beim Golf. Oder beim Reality-TV.

Minnesota wird jetzt zum Symbol. Nicht für Schwäche. Nein. Für Bewegung. Man bewegt sich weg, um zu zeigen, dass man sich bewegen kann. Dynamik! Die Umfragen mögen das. Vielleicht. Irgendwann.

Denn das Problem mit Umfragen ist: Sie messen Stimmung. Und Stimmung ist launisch. Heute Grütze, morgen Pudding, übermorgen vielleicht wieder Steak. Niemand weiß es. Aber alle tun so, als wüssten sie es.

Der Korrespondent sagt: Innenpolitisch steckt das Team fest. In der Grütze. Ich frage: Wo sonst sollte man sein, wenn nicht mitten im Problem? Wer am Rand steht, gestaltet nicht. Wer mitten drin steckt, ist Teil des Ganzen. Philosophisch betrachtet.

Und seien wir ehrlich: Diese Regierung lebt von Widerstand. Ohne Widerstand wäre sie arbeitslos. Widerstand ist der Treibstoff. Jede Demo ein Like. Jede Kritik ein Retweet. Jede schlechte Umfrage ein Anlass, die Umfrage infrage zu stellen.

Jetzt wird der Ton moderater. Man spricht von Einigung. Von Dialog. Von Verantwortung. Wörter, die man aus dem Schrank holt, wenn die Lautstärke nicht mehr reicht. Sehr klug. Sehr taktisch.

Ich sehe die Strategie klar vor mir:
Phase 1: Volle Kraft voraus.
Phase 2: Alles eskaliert.
Phase 3: Man sagt „Okay, vielleicht ein bisschen langsamer“.
Phase 4: Man erklärt, dass genau das der Plan war.

Und irgendwo zwischen Phase 2 und 3 liegt die Grütze. Warm. Bequem. Unübersichtlich. Perfekt.

Dass das Weiße Haus gezwungen sei, den Ton zu ändern, sagen Kritiker. Ich sage: Niemand zwingt hier jemanden. Das ist freiwillige Anpassung. Ein weiches Wort für harte Realität. Aber auch Realität ist nur eine Erzählung – und diese Regierung erzählt sehr gerne.

Die Umfragen sagen, es geht bergab. Die Regierung sagt: Abwarten. Der Widerstand sagt: Wir sind viele. Die Regierung sagt: Das waren wir auch schon mal. Alles relativ.

Ronald Tramp sagt: „Komplett in der Grütze“ ist kein Urteil. Es ist eine Lagebeschreibung. Und Lagen kann man ändern. Oder neu benennen. Oder ignorieren. Besonders ignorieren.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Wer lange genug regiert, landet irgendwann in der Grütze. Die Frage ist nur, ob man darin untergeht – oder ob man sie als Bühne nutzt.

Und wenn jemand fragt: „Stecken sie wirklich komplett in der Grütze?“
Dann lautet die einzig richtige Antwort:

Ja. Aber stilvoll.