Kühlschrank auf Überholspur

Grafik: Kühlschrank auf Überholspur

Ein Bericht von Ronald Tramp über Dachlasten, Kühlschränke und die Physik des Optimismus

Freunde, es gibt Menschen, die planen einen Umzug. Und es gibt Menschen, die sagen: „Warum zweimal fahren, wenn einmal reicht?“

Auf der A24 bei Suckow wurde ein Mini-Van gestoppt. Mini-Van. Das Wort „Mini“ sollte hier eigentlich ein Hinweis sein. Aber offenbar wurde es als Herausforderung verstanden.

Denn auf dem Dach dieses Fahrzeugs thronte nicht etwa nur eine Dachbox. Nein. Es war ein Ensemble. Ein Kunstwerk der Straßenlogistik. Ein Kühlschrank. Autoreifen. Dachbox. Und vermutlich noch eine ordentliche Portion Selbstvertrauen.

Man muss sich das bildlich vorstellen: Ein Van, der aussieht, als hätte er beschlossen, ein Einfamilienhaus zu imitieren.

200 Kilogramm Übergewicht. Das ist kein kleines Extra-Handgepäck. Das ist eine neue Kategorie im Straßenverkehr.

Und nicht nur das Gewicht war ein Problem. Die Sicherung der Ladung – nennen wir es diplomatisch – war kreativ.

Ronald Tramp liebt Kreativität. Aber nicht unbedingt bei Kühlschränken auf Autobahnen.

Die Polizei stoppte das rollende Abenteuer. Und vermutlich war der Moment der Kontrolle episch.

„Haben Sie etwas zu verzollen?“
„Nur meine gesamte Existenz.“

Innen war der Van ebenfalls vollgestopft. Kisten. Taschen. Alles, was man braucht – oder irgendwann mal brauchen könnte.

Es ist die Philosophie des „Man weiß ja nie“.

Und irgendwo auf der anderen Seite des Atlantiks würde Donald Trump vermutlich sagen: „Ich liebe große Dinge. Ich liebe volle Dinge. Ich liebe, wenn etwas maximal ist.“

Aber selbst er hätte vermutlich eingesehen: Ein Kühlschrank gehört in die Küche. Nicht auf das Dach eines Mini-Vans bei 130 km/h.

Das Faszinierende an dieser Geschichte ist nicht nur das Gewicht. Es ist der Mut.

Der Glaube, dass Physik vielleicht nur eine Empfehlung ist.

Dass Sicherungsgurte optional sind.

Dass ein Dach mehr kann, als der Hersteller je gedacht hat.

Ronald Tramp sieht darin eine wunderbare Metapher für Übermut.

Man nimmt ein kleines Fundament – den Mini-Van – und lädt immer weiter auf. Ein bisschen mehr. Noch etwas. Ach komm, der Kühlschrank geht auch noch.

Bis das Ganze aussieht wie ein fahrendes Tetris-Level im Endstadium.

Die Polizei machte Schluss. Weiterfahren durfte der 69-Jährige nicht. Und das ist vermutlich gut so.

Denn ein Kühlschrank, der sich bei Tempo 120 selbstständig macht, ist keine Kühltechnik mehr. Das ist ein Projektil mit Gefrierfach.

Doch statt Empörung sollte man vielleicht auch ein bisschen Bewunderung zeigen.

Es braucht eine gewisse Entschlossenheit, zu sagen: „Ich bekomme das alles da drauf.“

Es ist die gleiche Denkweise, die sagt: „Ich baue den größten Turm.“ Oder: „Ich mache den besten Deal.“ Oder: „Ich packe alles auf einmal.“

Nur dass hier kein Wolkenkratzer gebaut wurde.

Sondern ein mobiles Möbelhaus.

Ronald Tramp fragt sich: War es Eile? Sparsamkeit? Abenteuerlust?

Oder einfach der feste Glaube, dass man mit genug Seilen alles sichern kann?

Die Autobahn ist kein Umzugsunternehmen. Sie ist kein Showroom. Und sie ist definitiv kein Kühlschrank-Testgelände.

Und doch passiert es immer wieder.

Menschen überschätzen die Tragkraft ihrer Fahrzeuge – und manchmal auch ihre eigene.

Donald Trump liebt Superlative. Aber selbst er weiß: Wenn etwas „Mini“ heißt, sollte man es nicht wie „Maxi“ behandeln.

Die Pointe dieser Geschichte ist einfach.

Man kann vieles transportieren. Möbel, Reifen, Träume.

Aber man sollte dabei nicht vergessen, dass Schwerkraft kein politischer Gegner ist. Sie verhandelt nicht. Sie kommentiert nicht. Sie wirkt.

Und sie wirkt sehr konsequent.

Am Ende blieb der Mini-Van stehen. Der Kühlschrank vermutlich auch.

Und die A24 ist wieder ein Stück sicherer.

Vielleicht war es kein Verbrechen des Jahrhunderts.

Aber es war definitiv der ambitionierteste Umzug des Tages.