Lastenräder übernehmen die Gehwege

Fußgänger bald nur noch Beiwerk
Meine Damen und Herren, liebe Spaziergänger, Flaneure, Hundehalter, Kinderwagenschieber und Menschen, die dachten, ein Gehweg sei zum Gehen da:
Es ist vorbei. Die Zeit der friedlichen Fortbewegung auf zwei Beinen endet genau hier. Denn das Lastenrad ist da. Und es ist nicht mehr das, was es einmal war.
Früher war ein Lastenrad ein Fahrrad mit Korb. Niedlich. Bio. Harmlos. Heute ist es ein rollender Möbeltransporter mit Pedalen, Elektromotor, Bremsweg wie ein Containerschiff und einer Beschleunigung, bei der Fußgänger automatisch Reue empfinden – für ihr Dasein.
Und jetzt schlägt der Fußgängerfachverband Alarm. Allein dieser Name. Fußgängerfachverband. Ein Zusammenschluss von Menschen, die sagen: „Wir gehen. Und das ist unser Fachgebiet.“ Respekt. Ich nehme diese Leute ernst.
Sie sagen: Lastenräder sind zu groß. Zu schnell. Zu mächtig. Zu dominant. Sie blockieren Gehwege, Radwege, Lebenswege. Sie seien „besonders lästig und oft riskant“. Besonders lästig! Ein Ausdruck, den man sonst für Wespen, Schwiegermütter und Steuerbescheide verwendet.
Und ich sage: Endlich sagt es mal jemand.
Denn was da über die Gehwege rollt, ist kein Fahrrad mehr. Das ist eine mobile Wohnküche mit Klingel. Kinder vorne drin. Einkäufe. Pakete. Manchmal ein Hund. Manchmal alles gleichzeitig. Und der Fahrer? Lächelt. Immer. Dieses selbstzufriedene Lächeln eines Menschen, der weiß: Ich habe ein Lastenrad. Ich bin moralisch überlegen.
Aber jetzt kippt die Stimmung. Fuss e.V. will Regeln. Harte Regeln. Lastenräder sollen nicht mehr auf schmalen Radwegen fahren dürfen. Nicht mehr auf gemischten Wegen. Im Grunde: Nirgendwo, wo andere Menschen sind.
Das ist konsequent. Denn ein Lastenrad braucht Platz. Sehr viel Platz. Idealerweise eine eigene Spur. Vielleicht eine eigene Stadt. Ich schlage vor: Lastenrad-Zonen. Abgesperrt. Mit Schranken. Und Hinweisschildern: „Achtung, hier wird geladen.“
Und dann die Strafen! Bisher zahlt jeder Radfahrer 25 Euro, wenn er auf dem Gehweg fährt. Lächerlich. Für Lastenräder sollen es 55 Euro sein. Mehr als doppelt so viel. Warum? Weil sie doppelt so groß sind. Logisch. Flächenpreis.
Ich sage: Noch zu wenig. Wer mit einem rollenden Ikea-Katalog über den Gehweg brettert, sollte zahlen wie ein LKW-Fahrer in der Fußgängerzone. Mindestens.
Und dann kommt der Vorschlag des Jahres: Führerscheinprüfung für Lastenradfahrer.
Ich liebe das. Wirklich. Endlich Prüfungen, die Sinn ergeben.
Stellen Sie sich das vor: Theorieprüfung. „Wie lang ist Ihr Bremsweg bei 200 Kilo Zuladung?“
Praxisprüfung: Slalom um Rentner. Einparken zwischen zwei Bäumen. Notbremsung vor einem Dackel. Wer durchfällt, muss wieder normal Fahrrad fahren. Schande.
Natürlich meldet sich auch die Industrie zu Wort. Der Zweirad-Industrie-Verband sagt: Gemeinsame Geh- und Radwege seien eine Frechheit. Für alle. Abschaffen! Trennen! Jeder seine Spur! Jeder seine Wahrheit!
Und ich denke mir: Willkommen in Deutschland. Wo selbst der Weg ein Streitfall ist. Wo nichts gemeinsam geht – außer der Streit darüber.
Denn seien wir ehrlich: Gemischte Wege waren ein Kompromiss. Und Kompromisse funktionieren nur, solange niemand ein Lastenrad besitzt. Sobald eines auftaucht, ist Schluss mit Miteinander. Dann wird aus dem Gehweg ein Schlachtfeld. Fußgänger springen zur Seite. Radfahrer fluchen. Hunde sind traumatisiert.
Das Lastenrad ist das SUV des Radverkehrs. Es nimmt Platz. Es macht Geräusche. Es kommt immer genau dann, wenn man es nicht braucht. Und es hat immer Recht – zumindest in den Augen seines Besitzers.
Ich sehe die Zukunft klar: Getrennte Wege. Fußwege. Radwege. Lastenrad-Autobahnen. Mit Rastplätzen. Mit Wiegestationen. Vielleicht sogar Maut.
Und irgendwo ein kleiner Gehweg für Menschen, die einfach nur gehen wollten.
Ronald Tramp sagt: Reguliert es. Prüft es. Führt Scheine ein. Vielleicht sogar Nummernschilder. Denn wenn etwas größer wird als der Mensch, dann braucht es Regeln.
Der Gehweg gehört den Füßen.
Das Lastenrad gehört – irgendwohin.
Aber bitte nicht mir entgegen.


