Liebe auf Distanz

Ronald Tramp über die AfD, Donald Trump und das außenpolitische Ghosting des Jahres
Ich sage es, wie es ist, und viele Leute sagen es mir auch, sehr viele, parteiübergreifend verwirrte Leute: Politische Liebe ist etwas Wunderschönes. Vor allem, wenn sie laut verkündet, stolz vorgezeigt und mit großen Hoffnungen aufgeladen wird. Und noch schöner wird sie, wenn sie plötzlich endet. Öffentlich. Peinlich. Mit Distanzierungsstatements.
Seit Monaten war es eigentlich klar: Die AfD hatte sich außenpolitisch neu verliebt. Und zwar nicht schüchtern. Nein, offen, offensiv, fast schwärmerisch. Donald Trump war der neue große Hoffnungsträger. Der Mann, der angeblich alles anders machen würde. Keine Einmischung. Keine Weltpolizei. America First, alle anderen second, third oder bitte draußen warten.
Und die AfD dachte: Endlich einer, der versteht uns. Endlich ein Verbündeter. Endlich jemand, der so spricht, dass man ihn zitieren kann, ohne viele Fußnoten. Man sah sich schon als transatlantische Schicksalsgemeinschaft. Republikaner hier, AfD dort, dazwischen ein bisschen Weltordnung, die man gemeinsam neu sortiert.
Doch dann kam Donald Trump. Also der echte Donald Trump. Nicht der Wunsch-Trump. Nicht der Projektions-Trump. Sondern der Trump, der Dinge tut. Militärisch. Laut. Global. Mit Operationen, Verhaftungen und Drohungen Richtung Grönland, als wäre das eine Immobilie mit Meerblick.
Und plötzlich hieß es aus AfD-Kreisen: Moment mal. So war das nicht gedacht.
Alice Weidel trat vor die Kameras und sagte sinngemäß: Das geht zu weit. Ein Wahlversprechen sei gebrochen worden. Nicht ein kleines. Ein elementares. Sich nicht in andere Staaten einzumischen. Und das müsse Trump jetzt seinen eigenen Wählern erklären. Seinen eigenen! Nicht unseren! Wir sind da raus!
Das ist ein klassischer politischer Satz für Fortgeschrittene. Übersetzt heißt er: Wir fanden dich super, solange du Dinge gesagt hast. Jetzt machst du Dinge, und das irritiert uns.
Tino Chrupalla legte nach. Und zwar richtig. Er sprach von „Wildwest-Methoden“. Wildwest! Das ist stark. Das ist, als würde man sagen: Wir dachten, es kommt ein Sheriff, aber jetzt reitet hier jemand durch die Gegend und schießt wild um sich. Ohne Drehbuch. Ohne Saloon-Etikette.
Man merkte förmlich, wie hektisch im AfD-Hauptquartier die Trump-Fahnen eingerollt wurden. Vorsichtig. Leise. Nicht, dass es jemand merkt.
Doch es blieb nicht bei der Spitze. Auch innerhalb der Fraktion rumorte es. Markus Frohnmaier meldete sich zu Wort, der außenpolitische Sprecher. Und er sagte etwas sehr Interessantes, fast schon Klassisches: Die territoriale Souveränität Dänemarks und die politische Autonomie Grönlands seien für die AfD außer Frage. Außer Frage! Punkt. Ende. Ausrufezeichen.
Das ist bemerkenswert, weil es zeigt: Es gibt Momente, da klingt selbst die AfD plötzlich wie ein Lehrbuch für Völkerrecht. Aber keine Sorge, es kam direkt die Ergänzung. Denn natürlich sei Grönland strategisch enorm wichtig. Enorm! Für die Sicherheit des transatlantischen Bündnisses. Und Trump wolle sicher nur Kooperation. Ganz ohne Änderung des territorialen Status. Also nicht kaufen. Nur ein bisschen nutzen. Vielleicht mieten. Mit Option auf Verlängerung.
Dann betrat Maximilian Krah die Bühne. Und ich liebe diesen Moment. Denn Krah sagte: Deutschland solle sich raushalten. Einfach raushalten. Nicht einmischen. Und stattdessen als „best friend Amerikas“ auftreten. Best friend! Das ist Geopolitik auf dem Schulhof. Du streitest dich? Ich halte mich raus. Aber wenn du mich brauchst, bin ich da. Vielleicht.
Und irgendwo zwischen all diesen Statements saß die AfD und lavierte. Vor. Zurück. Seitlich. Ein bisschen Trump. Ein bisschen Distanz. Ein bisschen Putin. Ein bisschen Neutralität. Ein bisschen alles, bitte.
Der Politikwissenschaftler Benjamin Höhne brachte es auf den Punkt. Er sprach von unentschlossenem Lavieren. Ein schönes Wort. Lavieren klingt nach Segeln ohne Wind. Nach Bewegung ohne Richtung. Nach Außenpolitik mit Kompass-App, die ständig neu kalibriert.
Und genau das ist es. Die AfD will Trump. Aber nicht diesen Trump. Sie will Stärke. Aber bitte ohne Konsequenzen. Sie will Nicht-Einmischung. Aber bitte mit Einfluss. Sie will Ordnung. Aber bitte flexibel.
Ich als Ronald Tramp sage: Das ist kein politischer Kurs. Das ist eine Beziehungskrise. Öffentlich ausgetragen. Mit Erklärungen, Distanzierungen und der Hoffnung, dass der andere sich doch wieder ändert.
Aber Trump ändert sich nicht. Er macht weiter. Und die AfD muss sich entscheiden: Fan oder Beobachter. Verbündeter oder Kommentator. Oder das, was sie gerade ist: außenpolitisch diffus, aber sehr bemüht, es anders aussehen zu lassen.
Großartige Zeiten. Wirklich großartig. Für Satire. Für Politik weniger.


