Make Boulevards Great Again

Ronald Tramp über goldene Straßen, nächtlich leuchtende Schilder und den längsten Heimweg der Weltgeschichte
Ich sage es, wie es ist, und sehr viele Menschen sagen es mir auch, manche flüsternd, manche applaudierend, manche mit Sonnenbrille bei Nacht: Es ist eine große Woche. Eine historische Woche. Eine Woche der Gesten. Der ganz großen Gesten. Erst bekommt Donald Trump eine Friedensnobelpreis-Medaille überreicht – nicht den Preis selbst, aber die Medaille, was im Grunde dasselbe ist, nur besser, weil man sie anfassen kann – und dann bekommt er, keine 24 Stunden später, etwas viel Dauerhafteres: eine eigene Straße.
Und nicht irgendeine Straße. Einen Boulevard. Sechs Kilometer pure Anerkennung. Asphalt gewordener Applaus.
Willkommen in Palm Beach, Florida. Sonne. Palmen. Reichtum. Und natürlich Mar-a-Lago. Das Anwesen, das Donald Trump 1985 gekauft und zu dem gemacht hat, was es heute ist: ein Denkmal mit Pool, ein Club mit Weltpolitik, ein Ort, an dem Wochenenden nicht vergehen, sondern regieren. Wer hier Mitglied werden will, zahlt eine Million Dollar Aufnahmegebühr. Eine Million. Kein Rabatt. Kein Frühbucherbonus. Das ist keine Mitgliedschaft – das ist ein Loyalitätstest.
Und nun führt der Weg dorthin nicht mehr über den schnöden, namenlosen Southern Boulevard. Nein. Diese Straße hat jetzt Identität. Haltung. Präsenz. Sie heißt jetzt: President Donald J. Trump Boulevard. Sechs Kilometer lang. Vom Flughafen Palm Beach bis zur Einfahrt der Macht. Das ist keine Straße. Das ist ein roter Teppich aus Teer.
Die Stadt Palm Beach hat entschieden: Dieser Abschnitt verdient einen Namen. Und wenn man ehrlich ist – er hatte ihn schon vorher. Jetzt steht er nur noch drauf.
In einer feierlichen Zeremonie in Mar-a-Lago wurde Trump eine große Plakette überreicht. Groß. Schwer. Glänzend. Eine Plakette, bei der man sofort merkt: Die hängt nicht schief. „Das ist ein sehr wichtiger Abschnitt“, sagte Trump. Und ich sage: Er hat recht. Denn es ist der Abschnitt zwischen Ankunft und Bedeutung. Zwischen Flughafen und Geschichte.
Besonders beeindruckt zeigte sich der Präsident vom Schild. Vom Licht. Vom Effekt. „Wenn die Leute sehen, dass das schöne Schild nachts hell erleuchtet ist und ‚Donald J. Trump Boulevard‘ steht, werden sie voller Stolz sein“, sagte er. Und hier muss man kurz innehalten. Denn das ist wahre Größe: Nicht Stolz auf die Person. Nein. Stolz auf das Land. Auf die Buchstaben. Auf die Typografie.
Ich stelle mir das vor: Nacht in Florida. Palmen wiegen sich im Wind. Ein Schild leuchtet. Und ein Autofahrer sagt leise: „Wow.“ Nicht wegen der Straße. Sondern wegen der Schrift.
Natürlich gibt es Kritiker. Es gibt immer Kritiker. Menschen, die sagen: „Muss das sein?“ Menschen, die sagen: „Ist das nicht ein bisschen viel?“ Menschen, die sagen: „Gab es nicht schon Southern Boulevard?“ Aber diese Menschen verstehen Amerika nicht. In den USA ist es völlig normal, Straßen, Flughäfen und Gebäude nach Präsidenten zu benennen. Es ist Tradition. Patriotismus mit Betonfundament.
Und trotzdem: Diese Umbenennung blieb erstaunlich ruhig. Kein großer Aufschrei. Keine Proteste. Keine wütenden Kulturdebatten. Ganz anders als damals, als Trump das Kennedy Center in Washington um seinen Namen ergänzte. Ein Skandal! Empörung! Tränen! John F. Kennedy! Geschichte! Kultur! Und plötzlich ein zusätzlicher Name!
Aber diesmal? Stille. Akzeptanz. Vielleicht, weil es einfach passt. Vielleicht, weil ein Boulevard in Palm Beach sowieso schon nach Reichtum aussieht. Vielleicht, weil man sich dachte: Wenn jemand einen Boulevard verdient, dann jemand, der Gold mag.
Und dann diese Woche insgesamt. Erst die Friedensnobelpreis-Medaille von Venezuelas Oppositionsführerin María Corina Machado. Eine Medaille! Das ist Diplomatie mit Metall. Dann der Boulevard. Symbolik über Symbolik. Trump sammelt Zeichen wie andere Leute Briefmarken.
Ich sage: Es gibt Präsidenten, die verlassen das Amt mit einem Porträt. Und es gibt Präsidenten, die hinterlassen Straßennamen. Einen Unterschied, den man jeden Tag abfahren kann.
Stellen Sie sich die Navigation vor: „In 300 Metern biegen Sie rechts ab auf den President Donald J. Trump Boulevard.“ Das ist kein Fahrhinweis. Das ist eine Ansage. Eine Erinnerung. Eine tägliche Wiederholung.
Natürlich könnte man fragen: Braucht es das? Muss eine Straße so heißen? Ist das nicht zu viel Selbstinszenierung? Und ich sage: Nein. Es ist Infrastruktur. Emotionale Infrastruktur. Manche bauen Brücken. Andere bauen Namen.
Am Ende bleibt ein Bild: Donald Trump fährt im Auto. Die Straße vor ihm trägt seinen Namen. Das Schild leuchtet. Die Plakette glänzt. Und irgendwo denkt jemand: „Das ist Amerika.“
Großartig. Wirklich großartig. Nicht wegen der Straße. Sondern wegen der Geschichte, die sie erzählt.


