Make Cars Dump Again

Grafik: Wie chinesische Elektroautos zuhören, mitdenken und vielleicht schon längst mitprotokollieren

Wie chinesische Elektroautos zuhören, mitdenken und vielleicht schon längst mitprotokollieren

Von Ronald Tramp, dem einzigen Reporter, der seinem Auto nichts mehr erzählt. GAR NICHTS.

Früher, meine Freunde, war ein Auto ein Auto. Vier Räder. Ein Lenkrad. Ein Radio, das genau zwei Sender empfangen hat. Und wenn man etwas Dummes gesagt hat, dann blieb es zwischen einem selbst und dem Aschenbecher. Großartige Zeiten. Sichere Zeiten. Zeiten ohne Cloud.

Heute?
Heute sitzt man in einem Elektroauto – und plötzlich sitzt das Auto mit im Meeting.

Sicherheitsexperten schlagen Alarm. Große Alarmglocken. Sirenen. Blaulicht. Alles. Denn moderne Elektroautos sammeln Daten. Viele Daten. Sehr viele Daten. Und manche dieser Autos kommen aus China. Und das macht nervös. Sehr nervös. Ich habe selten so viele Erwachsene gesehen, die gleichzeitig „rollender Computer“ sagen.

Ein Experte warnt:
„Die Spionagegefahr durch chinesische Elektroautos ist real.“
REAL! Kein Vielleicht. Kein „könnte sein“. Real. Und wenn ein Sicherheitsexperte „real“ sagt, dann meint er nicht „theoretisch“. Dann meint er: Bitte reden Sie im Auto nicht über Dinge.

Für sicherheitsrelevante Bereiche – Bundeswehr, Polizei, kritische Infrastruktur, Regierungsumfeld – wird das Risiko als hoch eingestuft. Hoch! Nicht mittel. Nicht „wir schauen mal“. Hoch. Das ist die Kategorie, bei der man anfängt, Dienstwagen wieder mit Kurbeln auszustatten.

Schon die Übertragung von Standortdaten an externe IT-Systeme in der Cloud sei problematisch. Die Cloud! Früher war die Cloud etwas am Himmel. Heute ist sie offenbar ein Ort, an dem Dienstwagen heimlich Tagebuch führen.

Und es geht nicht nur um Militär oder Ministerien. Auch Unternehmen mit sensibler Forschung und Entwicklung sind betroffen. Wenn Führungskräfte regelmäßig mit solchen Fahrzeugen zu Forschungsstandorten fahren oder – jetzt kommt mein Lieblingsbegriff – das Auto als „mobilen Besprechungsraum“ nutzen.

Mobiler Besprechungsraum!
Ich liebe diesen Ausdruck. Das ist kein Auto mehr, das ist ein Konferenzzentrum auf Rädern. Mit Ledersitzen, Touchscreen und potenziell sehr guten Ohren.

Stellen Sie sich das vor:
„Also, unsere neue Technologie basiert auf…“
Das Auto: verstanden, gespeichert, analysiert.

Denn moderne Elektroautos erfassen alles. ALLES.
Standortdaten. Bewegungsdaten. Fahrverhalten.
Mikrofone im Innenraum. Kameras.
Telefon- und Kontaktdaten aus dem Smartphone.
Daten aus der Umgebung über Assistenzsysteme.

Das Auto weiß, wo Sie waren.
Mit wem Sie telefoniert haben.
Wie schnell Sie gefahren sind.
Und vermutlich auch, wie oft Sie „Das ist vertraulich“ gesagt haben.

Der Experte sagt allerdings fairerweise: Das Spionagerisiko besteht grundsätzlich bei allen modernen Elektroautos. Nicht nur bei chinesischen. Das ist wichtig. Sehr wichtig. Denn niemand möchte, dass sein deutsches Auto denkt, es sei moralisch überlegen.

„Moderne Elektroautos sind rollende Computer“, heißt es. Und das stimmt. Aber ich sage: Sie sind rollende Computer mit Sitzheizung und Geheimhaltungsproblemen.

Auch das Bundesinnenministerium beobachtet die Lage. Natürlich beobachtet es die Lage. Es beobachtet immer die Lage. Und es sagt sehr diplomatisch, dass man aufgrund steigender Marktanteile chinesischer Hersteller, der geopolitischen Lage und chinesischer Machtambitionen die Risiken genau im Blick behalten müsse.

Das ist Beamtendeutsch für: Wir haben Fragen.

Chinesische Fahrzeuge verfügten über hochkomplexe, vernetzte Systeme, die eine große Menge an Daten generieren, speichern und übermitteln. Übersetzt: Das Auto weiß mehr über Sie als Ihr Arzt, Ihr Chef und Ihre Familie zusammen.

Und jetzt kommt der eigentliche Skandal:
Viele Menschen mögen das. Sie lieben Assistenzsysteme. Sie lieben Vernetzung. Sie lieben, dass das Auto ihnen sagt, wann sie müde sind. Dabei ist das Auto oft der Grund.

Wir haben Autos gebaut, die alles wissen wollen. Und jetzt wundern wir uns, dass sie alles wissen. Das ist kein Technikproblem. Das ist ein Mensch-Problem.

Früher war der größte Datenskandal im Auto der Kassenzettel aus der Waschanlage. Heute ist es das komplette Bewegungsprofil.

Ich sage nicht, dass jedes Auto spioniert. Ich sage nur: Wenn ein Auto mehr Daten sammelt als ein Geheimdienstpraktikant, sollte man vielleicht nicht im Fahrzeug über Raketen, Patente oder Parteistrategien sprechen.

Vielleicht sollten wir wieder mehr Autos bauen, die fahren. Punkt. Ohne Mikrofone. Ohne Kameras. Ohne Cloud-Anbindung. Ohne das Gefühl, dass der Bordcomputer innerlich mitschreibt.

MAKE CARS DUMB AGAIN.

Denn manchmal ist weniger Technik mehr Sicherheit.
Und manchmal ist ein Auto einfach besser, wenn es nicht zuhört.