Make Culture Great Again

Grafik: Donald Trump und das Trump-Kennedy-Center

 

Wie Donald Trump das Kennedy Center übernahm – und die Kunst kollektiv den Ausgang suchte

Seit Jahrzehnten war das Kennedy Center ein Ort der feinen Töne, der großen Gesten und der Menschen, die beim Applaus wissen, wann man klatscht und wann man betroffen nickt. Musik, Tanz, Theater – alles, was Subventionen liebt und Twitter hasst, war hier zuhause.

Doch dann kam er. Donald Trump. Und wie immer kam er nicht leise, nicht mit Respekt vor der Akustik, sondern mit dem wohlklingenden Satz: „Das mache jetzt ich.“

Trump übernahm das Kennedy Center. Nicht symbolisch. Nicht halb. Sondern vollständig. Er entließ Mitglieder des Kuratoriums, setzte sich selbst an die Spitze, ernannte den früheren US-Botschafter in Deutschland Richard Grenell zum Präsidenten – und benannte das Ganze kurzerhand um in Trump-Kennedy-Center. Ein Name, der klingt wie ein Immobilienprojekt mit Marmorsäulen und Goldwasserhähnen.

Die Reaktion der Kunstszene?
Standing Ovation?
Champagner?
Nein. Absagen. Viele Absagen. Sehr viele Absagen.

Den Anfang machte niemand Geringeres als Philip Glass, weltberühmter Komponist, Minimal-Music-Legende, 88 Jahre alt und offenbar noch jung genug, um konsequent zu sein. Glass sagte die Premiere seiner neuen Symphony No. 15 ab. Eine Symphonie über Abraham Lincoln – also über einen Präsidenten, der für Einheit, Demokratie und das Gegenteil von persönlicher Eitelkeit steht.

Ironie-Level: Konzertsaal.

Glass erklärte, die „jetzigen Werte“ des Kennedy Centers stünden in Konflikt mit seinem Werk. Übersetzung für Nicht-Komponisten: „Das passt hier nicht mehr.“ Er veröffentlichte das Ganze auch noch auf X. Öffentlicher Rückzug. Künstlerischer Exit mit Briefkopf.

Und Glass blieb nicht allein. Oh nein. Er eröffnete lediglich den großen Exodus der Hochkultur.

Es folgten Absagen von vielen bekannten Künstlern und sogar von der Washington National Opera, die seit 1971 dort auftritt.

Seit 1971! Das ist länger als manche Trump-Gebäude halten, bevor sie umbenannt werden.

Was wir hier erleben, meine Damen und Herren, ist kein Kulturstreit. Es ist ein Kultur-Kettenreaktions-Experiment. Trump übernimmt ein Haus der Kunst – und die Kunst verlässt das Haus. Fast so, als hätte jemand die Brandschutzanlage mit Ideologie ersetzt.

Trump selbst dürfte das anders sehen. In seiner Logik hat er das Kennedy Center gerettet. Endlich Ordnung. Endlich klare Führung. Endlich jemand, der entscheidet, was Kunst ist und was nur… subventionierter Lärm.

Aus Trumps Perspektive ist das Trump-Kennedy-Center jetzt vermutlich:

  • weniger elitär,

  • weniger kritisch,

  • weniger… widerspenstig.

Und vor allem: mehr Trump.

Doch Kunst ist ein empfindliches Wesen. Sie liebt Freiheit, Mehrdeutigkeit, Reibung. Sie liebt es nicht, wenn jemand das Haus umbenennt, während sie gerade probt. Künstler reagieren auf Kontrolle etwa so wie Katzen auf Leinen: Sie verschwinden.

Ronald Tramps Diagnose:
Trump hat ein Kulturzentrum wie ein Ministerium behandelt.
Und Kultur hasst Ministerien.

Dabei ist das Kennedy Center kein kleiner Off-Broadway-Schuppen. Es ist ein nationaler Symbolort, benannt nach John F. Kennedy, eröffnet 1971, prachtvoll gelegen am Potomac. Ein Haus, das bewusst überparteilich gedacht war. Kunst für alle. Kunst über Politik.

Jetzt aber steht über allem ein Name. Ein Stil. Eine Marke.

Und die Künstler sagen: „Oh. Dann lieber woanders.“

Das Ergebnis ist faszinierend:
Ein riesiges Kulturzentrum, perfekt beleuchtet, hervorragend ausgestattet – aber mit immer weniger Künstlern. Ein Opernhaus ohne Oper. Ein Theater ohne Theater. Ein Musiktempel, in dem die Stille sehr laut wird.

Vielleicht ist das die neue Kunstform. Konzeptkunst.
Titel: „Leere Bühne in prunkvollem Gebäude – Performance über Macht und Abwesenheit.“

Am Ende bleibt festzuhalten:
Donald Trump hat das Kennedy Center übernommen.
Aber die Kunst hat beschlossen, nicht mit umzuziehen.

Und irgendwo am Potomac sitzt Abraham Lincoln – zumindest als Symphonie – und denkt sich: „Das habe ich mir anders vorgestellt.“