Make Hotspots Safe Again

Ronald Tramp über WLAN, Weltuntergang und den gefährlichsten Netzwerknamen seit Erfindung des Routers
Ich sage es, wie es ist, und viele sehr nervöse Sicherheitsbeamte sagen es mir auch, mit Funkgerät am Ohr und Stirn in Sorgenfalten: Wir leben in einer Zeit, in der Worte gefährlicher sind als Gegenstände. Ein falsches Wort, ein falscher Name, ein falscher Hotspot – und zack: Notlandung. Willkommen im Zeitalter der digitalen Panikökonomie.
Was ist passiert? Ein Passagier, irgendwo zwischen Istanbul und Barcelona, dachte sich offenbar: „Wie nenne ich meinen Internet-Hotspot?“ Eine Frage, die früher beantwortet wurde mit „iPhone von Mehmet“ oder „WLAN_1234“. Aber nein. Dieser Mann – ein Visionär, ein Provokateur, ein absoluter Internet-Künstler – entschied sich für etwas mit Bombenbezug. Einen Namen, der offenbar so kreativ war, dass er eine ganze Boeing zum Umdenken brachte.
Ergebnis: Bombenalarm. Sofort. Keine Diskussion. Kein „Meinten Sie vielleicht…?“ Nein. Alarm. Die Maschine landet außerplanmäßig in Barcelona. Abseits der Gebäude. Ganz weit weg. Wie ein beleidigtes Flugzeug, das erstmal seine Ruhe braucht.
Die Passagiere werden von Bord gebracht. Die Crew auch. Spezialkräfte kommen. Leute in Schutzwesten, mit ernsten Gesichtern und sehr wenig Humor. Das Flugzeug wird durchsucht. Jede Sitzreihe. Jede Toilette. Jedes Fach. Und am Ende? Nichts. Kein Sprengsatz. Kein Drama. Nur ein Hotspot. Ein sehr dummer Hotspot.
Ich liebe diese Geschichte, weil sie zeigt, wie unglaublich mächtig ein WLAN-Name geworden ist. Früher war es ein Passwort. Heute ist es eine Waffe. Ein Name, der stärker ist als Turbulenzen, stärker als ein verspäteter Anschlussflug, stärker als Bordverpflegung.
Man stelle sich die Szene vor: 30.000 Fuß über dem Mittelmeer. Menschen schlafen, lesen, schauen Filme. Und irgendwo klappt jemand sein Handy auf, aktiviert den Hotspot – und plötzlich hat der Himmel schlechte Laune.
Das Flugzeug denkt sich: „Nein. Heute nicht.“ Und kehrt um. Sicherheit geht vor. Immer. Besonders vor Ironie.
Und jetzt die große Frage: Was hat der Passagier sich dabei gedacht? War es ein Scherz? Ein Protest? Ein performativer Kommentar zur Überwachungsgesellschaft? Oder einfach jemand, der dachte: „Das wird schon keiner merken“?
Falsch gedacht. Sehr falsch.
Denn Flughäfen und Flugzeuge haben eine ganz besondere Beziehung zu bestimmten Wörtern. Bomben gehören dazu. Genau wie „Spaß“ und „Sicherheitskontrolle“. Alles Wörter, die man dort nicht kombiniert.
Ich sage: Das ist ein klassischer Fall von digitaler Selbstüberschätzung. Die Menschen glauben, das Internet sei ein Spielplatz. Ein Ort für Witze, Provokationen, edgy Namen. Aber im Flugzeug hört der Spaß auf. Da ist alles ernst. Da sind selbst die Anweisungen ernst, die man nie befolgt, wie „Bitte schalten Sie Ihr Handy aus“.
Und was lernen wir daraus? Erstens: Der Hotspot-Name ist kein Ort für Kreativität. Nicht im Flugzeug. Nicht am Flughafen. Nicht einmal in der Nähe eines Koffers. Zweitens: Humor ist relativ. Besonders relativ in 10.000 Metern Höhe. Drittens: Wenn Sie Aufmerksamkeit wollen, gibt es bessere Wege als eine Notlandung.
Ich stelle mir vor, wie die anderen Passagiere reagieren. Einer wollte nur kurz E-Mails checken. Eine andere wollte ihren Serien-Download fortsetzen. Und plötzlich stehen sie auf dem Rollfeld in Barcelona, während jemand erklärt: „Es gab einen Vorfall mit einem Internet-Hotspot.“ Das ist kein Satz, den man erklären kann, ohne dass jemand fragt: „Wie bitte?“
Die Behörden handelten korrekt. Schnell. Konsequent. Und am Ende stellte sich heraus: Alles in Ordnung. Keine Bombe. Nur ein Name. Ein Name mit Folgen.
Ich als Ronald Tramp sage: Das ist die perfekte Metapher für unsere Zeit. Viel Lärm um nichts. Große Reaktion auf kleine Zeichen. Und irgendwo dazwischen ein Typ mit einem Handy, der sich jetzt wahrscheinlich denkt: „Okay, das war vielleicht zu viel.“
Und ja, man kann darüber lachen. Satirisch. Mit Abstand. Aber eines ist klar: Der Himmel ist kein Ort für Wortspiele. Und ein WLAN ist kein Comedy-Club.
Also, liebe Menschen da draußen: Nennt euren Hotspot „Home_WLAN“. Nennt ihn „Urlaub2026“. Nennt ihn „BitteNichtVerbinden“. Aber nennt ihn niemals etwas, das ein Flugzeug dazu bringt, umzudrehen.
Denn das Internet ist mächtig. Aber die Sicherheitsprotokolle sind mächtiger.
Make Hotspots Boring Again.


