Make Networks Great Again

Warum Europa jetzt Kabel trennt, Funkmasten misstraut und China sehr höflich aus dem Router bittet
Von Ronald Tramp, dem einzigen Reporter, der weiß: Wenn die EU etwas „aus Netzen verbannen“ will, wird es ernst. Sehr ernst. Regulatorisch ernst.
Brüssel hat gesprochen. Und wenn Brüssel spricht, dann nicht leise, sondern mit einem Ordner, sieben Anhängen und einer PowerPoint, die niemand bis zum Ende liest. Die EU-Kommission will Huawei und ZTE aus den europäischen Netzen verbannen. Komplett. Also nicht „vielleicht weniger“, nicht „unter Auflagen“, sondern: Raus aus dem Funk.
Der Grund? Sabotage. Spionage. Zwei Wörter, die immer dann auftauchen, wenn Technik plötzlich nicht mehr nur Technik ist, sondern Politik mit Antennen. Man befürchtet, dass chinesische Netzwerktechnik Dinge tut. Dinge, die man nicht sehen kann. Dinge, die vielleicht zuhören. Oder schlimmer: Dinge, die funktionieren, ohne dass man weiß, wer sie repariert.
Deutschland und andere EU-Staaten sollen komplett verzichten. Komplett! Das ist die Art von Entscheidung, bei der man weiß: Irgendjemand wird danach sehr lange Verträge lesen müssen. Und sehr viele Funkmasten werden sich fragen: War ich Teil des Problems?
Die Kommission will dafür eine Rechtsgrundlage schaffen. Natürlich will sie das. In Europa passiert nichts ohne Rechtsgrundlage. Nicht mal das Abschalten eines WLAN-Routers. Aber diesmal ist es geopolitisch. Groß. Wichtig. Und mit dem leichten Unterton: Wir haben da ein ungutes Gefühl.
Und Gefühle spielen in der Sicherheitspolitik eine große Rolle. Sehr große. Wenn sich ein Gefühl mit dem Wort „Spionage“ paart, dann wird aus einem Update schnell ein Sicherheitsrisiko. Dann ist ein Kabel nicht mehr nur ein Kabel. Dann ist es ein potenzieller Verräter.
Die Sorge: Sabotage und Spionage. Man stellt sich vor, wie irgendwo ein unsichtbarer Knopf existiert, der plötzlich gedrückt wird. Zack. Netz weg. Oder schlimmer: Netz da, aber jemand hört mit. Das ist der Albtraum. Der Albtraum aller Regierungen: Kommunikation, die nicht ihnen gehört.
Und seien wir ehrlich: Moderne Netze sind sensibel. Sehr sensibel. Sie tragen alles. Telefonate. Daten. Emojis. Regierungs-E-Mails mit dem Betreff „vertraulich_final_v3_wirklich_final“. Wenn dort jemand mithört, dann ist das nicht nur peinlich. Dann ist das strategisch.
Deshalb sagt die EU: Lieber auf Nummer sicher. Lieber eigene Technik. Oder Technik von Leuten, die man zumindest schon lange kennt. Vertrauen ist gut, aber Lieferkettenkontrolle ist besser.
Natürlich gibt es auch andere Stimmen. Menschen, die sagen: Moment mal. Technik ist Technik. Aber in Zeiten geopolitischer Spannungen ist Technik nie nur Technik. Sie ist Infrastruktur. Und Infrastruktur ist Macht. Wer die Netze baut, hat zumindest theoretisch einen Schraubenzieher in der Hand. Und niemand mag es, wenn jemand anderes den Schraubenzieher hält.
Huawei und ZTE sind groß. Sehr groß. Erfolgreich. Technologisch stark. Und genau das macht sie verdächtig. In der internationalen Politik gilt: Je besser etwas funktioniert, desto genauer schaut man hin.
Die Kommission fürchtet Sabotage. Sabotage klingt nach Film. Nach dunklen Räumen. Nach dramatischem Tastendrücken. Aber oft beginnt Sabotage viel banaler: mit einem Update. Mit einer Wartung. Mit einem „Das ist nur Routine“.
Und Spionage? Die braucht heute keinen Agenten mehr im Trenchcoat. Die läuft über Datenströme. Über Logs. Über Metadaten. Dinge, die so langweilig klingen, dass man sie fast vergisst – bis sie plötzlich wichtig werden.
Deshalb also der Plan: Raus mit der Technik. Neu bauen. Umrüsten. Umdenken. Ein gigantisches Infrastrukturprojekt, das offiziell Sicherheit bringt und inoffiziell sehr viele Ausschreibungen erzeugt.
Die Mitgliedsstaaten reagieren unterschiedlich. Manche sagen: Endlich Klarheit. Andere sagen: Das wird teuer. Und wieder andere sagen gar nichts, sondern schauen nervös auf ihre bestehenden Verträge.
Denn eines ist klar: Netze tauscht man nicht wie SIM-Karten. Das dauert. Das kostet. Und das bedeutet, dass sehr viele Menschen sehr viele Meetings haben werden. Sicherheitsmeetings. Technische Meetings. Politische Meetings. Mit Kaffee, der nie warm wird.
Aber am Ende steht eine klare Botschaft: Europa will Kontrolle. Über seine Netze. Über seine Daten. Über seine digitale Souveränität. Ein großes Wort. Sehr europäisch. Sehr ambitioniert.
Ob das am Ende alles sicherer macht? Vielleicht. Ob es teurer wird? Ganz sicher. Aber in der Politik gilt: Sicherheit hat keinen Preis. Nur Haushaltsdebatten.
Ich sage nicht, dass jemand spioniert. Ich sage nur: Wenn man Angst davor hat, dass jemand zuhört, dann fängt man an, die Kabel umzustecken. Und genau das passiert gerade.
MAKE NETWORKS GREAT AGAIN.
Denn manchmal ist Misstrauen der erste Schritt zur neuen Infrastruktur.
Und manchmal ist ein Funkmast einfach besser, wenn man weiß, wer ihn gebaut hat.


