Make Schulden Spendenfähig Again!

Wie 629 Helden den Staat retteten und Deutschland in 21 Millionen Jahren schuldenfrei machen
Ein investigativer Sonderbericht von Ronald Tramp, dem einzigen Reporter, der jemals einen Cent mit staatsmännischem Ernst überwiesen hat.
Es ist passiert. Still. Leise. Fast heimlich. Während die Republik über Haushaltslöcher, Sondervermögen und kreative Buchhaltung diskutiert, haben sich 629 Bürgerinnen und Bürger erhoben – nicht auf der Straße, sondern am Online-Banking.
Sie haben überwiesen.
Freiwillig.
Ohne Gegenleistung.
Ohne Steuerbescheid.
An den Bund.
Ich wiederhole: An den Bund.
Insgesamt 123.107,69 Euro. Eine Zahl mit Nachkommastellen, weil man beim Schuldenabbau nichts dem Zufall überlassen will. Rund 49.000 Euro mehr als im Vorjahr. Ein Wachstum! Endlich Wachstum! Nicht beim BIP, nicht bei der Infrastruktur – sondern beim staatlichen Klingelbeutel.
Das Bundesfinanzministerium bestätigte: Ja, es gibt dieses Konto. Ja, Menschen zahlen ein. Ja, sie wissen, was sie tun. Und nein, man weiß nicht, warum.
Dieses Konto existiert seit 2006. Eingerichtet mit der charmanten Idee, Bürgern die Möglichkeit zu geben, dem Staat einfach mal so Geld zu schenken. Keine Rendite. Kein Dankesbrief. Kein Kühlschrankmagnet mit Adler drauf. Nur das gute Gefühl: Ich habe Deutschland geholfen.
Seitdem sind rund 1,7 Millionen Euro eingegangen. In fast zwei Jahrzehnten. Das klingt wenig – ist aber groß, wenn man bedenkt, dass es komplett freiwillig ist. Niemand wurde gezwungen. Niemand erinnert. Niemand fragt nach.
Und jetzt kommt die Zahl, die mich als Reporter mit Ehrfurcht erfüllt:
Wenn es in diesem Tempo weitergeht, ist Deutschland in rund 21 Millionen Jahren schuldenfrei.
Millionen.
Jahre.
Das ist keine Prognose. Das ist ein Versprechen an die Nachwelt. Ein Projekt für Dinosaurier 2.0. Ein Zeitrahmen, der selbst für deutsche Behörden ambitioniert wirkt.
Der Bund hat aktuell rund 1,8 Billionen Euro Schulden. Billionen. Nicht Millionen. Nicht Milliarden. Billionen. Eine Zahl, bei der Taschenrechner leise weinen und Excel-Dateien Existenzängste bekommen.
Und dagegen stehen 629 Menschen, die sagen:
„Hier. Nehmt das. Macht was draus.“
Der größte Einzelbetrag im letzten Jahr: 24.000 Euro. Das ist kein Trinkgeld. Das ist eine Haltung. Das ist jemand, der sagt: Ich hätte auch ein Auto kaufen können. Oder Urlaub. Aber nein – ich wollte Schulden tilgen.
Der kleinste Betrag: ein Cent.
Ein Cent!
Und ich sage: Respekt.
Denn ein Cent ist kein Geldbetrag. Ein Cent ist eine Geste. Eine philosophische Aussage. Eine Art zu sagen: Ich war da.
Vielleicht war es ein Kind. Vielleicht ein Erwachsener. Vielleicht jemand, der dachte: „Ach komm, runde ich ab.“ Und dann wurde dieser Cent Teil der großen Staatsgeschichte.
Was motiviert diese Menschen? Das weiß niemand. Nicht einmal das Finanzministerium. Und das ist bemerkenswert, denn normalerweise weiß der Staat sehr viel über Motivation. Hier aber zuckt man mit den Schultern und sagt sinngemäß:
„Wir können da nichts zu sagen.“
Ich stelle mir vor, wie diese Überweisungen entstehen.
Spät abends.
Küchentisch.
Online-Banking offen.
„Schatz, sollen wir dem Staat noch was schicken?“
„Ja. Aber nur freiwillig.“
Vielleicht ist es Patriotismus. Vielleicht Ironie. Vielleicht Hoffnung. Vielleicht pure Verzweiflung nach der letzten Steuererklärung.
Oder vielleicht ist es einfach dieser urdeutsche Impuls: Wenn da Schulden stehen, müssen sie weg.
Und wenn der Staat es nicht schafft – dann halt wir.
Ronald Tramp sagt: Das ist keine Finanzpolitik. Das ist emotionale Haushaltspflege. Menschen, die sagen: Ich helfe mit. Auch wenn es nichts bringt. Auch wenn es ewig dauert.
Und irgendwo im Bundesfinanzministerium sitzt ein Beamter, der dieses Konto betreut. Er öffnet es. Sieht 24.000 Euro. Sieht einen Cent. Und denkt: Sie meinen es ernst.
Vielleicht sollten wir das Konto ausbauen. Mit Gamification. Ranglisten. Abzeichen.
„Bronze-Spender: 10 Euro“
„Gold-Spender: 1.000 Euro“
„Legende: 24.000 Euro“
„Mythos: 1 Cent“
Denn eines ist klar: Diese 629 Menschen haben etwas getan, was man dem Staat selten vorwerfen kann – sie haben gehandelt.
Nicht geschimpft.
Nicht gepostet.
Nicht demonstriert.
Überwiesen.
Deutschland, meine Damen und Herren, wird nicht heute schuldenfrei. Nicht morgen. Nicht übermorgen. Aber in 21 Millionen Jahren – wenn wir dranbleiben – könnte es klappen.
Ronald Tramp bleibt optimistisch. Und sucht gerade nach einem Cent.


