Make Ski Pistes Great Again

Grafik: Donald Raffzahn

Wie Trump in Davos zum Raffzahn wurde und plötzlich selbst die Berge protestierten

Von Ronald Tramp, dem einzigen Reporter, der weiß: Wenn man in Davos auftaucht, wird selbst der Schnee politisch.

Davos. Dieser Ort, an dem Milliardäre über Armut reden, CEOs über Nachhaltigkeit fliegen und Politiker erklären, dass sie „nur zuhören wollen“, während sie gleichzeitig Panels moderieren. Und nun kommt Donald Trump. Natürlich kommt er. Und natürlich passiert schon vorher etwas Großes. Sehr Großes. Sehr Weißes. Sehr geneigtes Gelände.

Aktivisten haben eine riesige Karikatur von Donald Trump auf eine Skipiste projiziert. Nicht auf eine Wand. Nicht auf ein Gebäude. Nein. Auf eine Skipiste. Auf Schnee. Auf Natur. Auf etwas, das normalerweise nur von Skifahrern, Snowboards und sehr teuren Jacken betreten wird.

Und was zeigt die Karikatur? Trump als Raffzahn. Mit riesigem Maul. Gierig. Überzeichnet. Satirisch. Eine Mischung aus Comic, Kapitalismuskritik und Après-Ski-Kunst. Ich sage es offen: Sehr kreativ.

Die Botschaft ist klar: Trump steht für Gier. Für Macht. Für Ego. Für Dinge, die man in Davos normalerweise nur sehr diskret praktiziert. Und genau deshalb trifft es auch das Weltwirtschaftsforum selbst. Denn wer auf Trump schießt, trifft immer ein bisschen auch Davos. Das ist Physik. Politische Physik.

Man muss sich das vorstellen:
Oben auf der Piste ein projizierter Trump-Raffzahn.
Unten Champagner.
Dazwischen Sicherheitsleute, die sich fragen, ob Schnee jetzt genehmigungspflichtig ist.

Trump ist noch gar nicht da, und schon wird er verspottet. Das ist Effizienz. Das ist Vorausplanung. Das ist Protest mit Zeitmanagement. Ich respektiere das.

Denn Davos ist nicht irgendein Ort. Davos ist das Hochamt der globalen Selbstreflexion. Dort treffen sich Menschen, die mit ernster Miene sagen: „Wir müssen etwas ändern.“ Und dann steigen sie in ihre Privatjets. Große Jets. Sehr komfortabel. Nachhaltig lackiert.

Und jetzt kommt Trump. Der Mann, der Davos liebt und hasst zugleich. Der Davos nutzt, um zu zeigen, dass er Davos eigentlich nicht braucht. Ein Paradoxon mit Krawatte.

Die Aktivisten wissen das. Und sie wissen auch: Wenn man in Davos Aufmerksamkeit will, muss man groß denken. Sehr groß. Am besten in Metern Skipiste. Deshalb die Projektion. Deshalb der Raffzahn. Deshalb der Schnee.

Trump als Raffzahn ist natürlich Satire. Aber Satire mit Ziel. Der Raffzahn steht für Fressen. Für Gier. Für „Mehr“. Und wenn es einen Ort gibt, an dem „Mehr“ traditionell sehr höflich formuliert wird, dann ist es Davos.

Gleichzeitig richtet sich der Protest nicht nur gegen Trump. Er richtet sich auch gegen das WEF selbst. Gegen ein System, das gerne über Ungleichheit spricht, während es sie in Namensschildern abbildet. Goldene Lanyards, exklusive Zonen, VIP-Bereiche. Gleichheit, aber bitte mit Zugangscode.

Und Trump? Trump passt da perfekt rein. Er ist die Karikatur, die Davos nie selbst zeichnen würde, aber irgendwie immer mitführt. Der laut sagt, was andere leise denken. Der keinen Filter hat – außer vielleicht den Schneefilter dieser Projektion.

Man kann sich vorstellen, wie Trump darauf reagieren würde. Wahrscheinlich würde er sagen:
„Großartige Projektion. Sehr hell. Ich sehe fantastisch aus. Die besten Zähne.“
Und ehrlich? Es würde niemanden überraschen.

Denn Trump lebt von Karikaturen. Er ist eine Karikatur. Eine, die sich selbst kommentiert. Und wenn Aktivisten ihn auf eine Skipiste projizieren, dann wird er Teil der Landschaft. Politische Land Art. Temporär. Kalt. Aber wirkungsvoll.

Die eigentliche Ironie ist: Davos liebt Symbole. Panels heißen „Turning Point“, „Global Reset“, „New Horizons“. Und dann kommt eine Projektion und sagt: Hier. Ein Bild. Ohne Panel. Ohne Einladung.

Das tut weh. Nicht Trump. Davos.

Denn der Raffzahn auf der Piste erinnert daran, dass hinter all den wohlklingenden Worten immer noch Macht, Geld und Interessen stehen. Und dass man sie manchmal besser erkennt, wenn man sie überzeichnet.

Trump wird kommen. Die Projektion wird verschwinden. Der Schnee wird schmelzen. Aber das Bild bleibt. In Köpfen. In Fotos. In Schlagzeilen.

Und vielleicht ist das der wahre Erfolg des Protests:
Nicht die Beleidigung.
Nicht der Spott.
Sondern die Erinnerung, dass selbst in Davos niemand unangreifbar ist. Nicht einmal auf Skiern.

MAKE SKI PISTES GREAT AGAIN.